OMV verkauft Ölfelder in der Nordsee und stoppt Adria-Projekt

Niedrige Ölpreise und Umweltproteste zwingen den Ölkonzern zum Umdenken – auch in Richtung Russland

Der Öl- und Gaskonzern OMV steht Bankkreisen zufolge vor einem Verkauf eines Anteils an dem Ölfeld Rosebank in der britischen Nordsee. Die Österreicher wollten sich von bis zu 30 Prozent an Rosebank trennen, sagten zwei mit den Verkaufsplänen vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Verkauf, der von der britischen Bank Barclays begleitet werde, könnte für über 450 Millionen Euro über die Bühne gehen. OMV und Chevron wollten dies nicht kommentieren, Barclays war nicht zu erreichen.

OMV, die derzeit 50 Prozent an dem westlich der Shetland-Inseln liegenden Ölfeld in der britischen Nordsee hält, sucht schon länger nach einem Käufer. Im Mai wurde bekannt, dass der Verkaufsprozess bereits laufe. OMV-Vorstand Jaap Huijskes hatte bisher jedoch nur einen Verkauf von rund zehn bis 20 Prozent angekündigt.

Die OMV hatte erst vor zwei Jahren zusätzliche 30 Prozent an Rosebank erworben. Die Anteils-Aufstockung war Teil der bisher größten Akquisition der Österreicher. Für rund zwei Milliarden Euro wurden von der norwegischen Statoil Beteiligungen an Ölfeldern in der Nordsee erworben.

Rosebank wird vom US-Ölriesen Chevron betrieben, der 40 Prozent an dem Feld hält. Dong Energy hält die verbleibenden zehn Prozent. Der maximale Produktionsanteil von Rosebank beläuft sich laut OMV-Angaben auf 50.000 Barrel pro Tag. Die Kosten für die Entwicklung des Ölfeldes schätzten die Österreicher früheren Angaben zufolge auf insgesamt neun Milliarden Euro.

Der gesunkene Ölpreis hat zuletzt stark am Gewinn der OMV genagt. Darüber hinaus machen dem Konzern Produktionsausfälle in Libyen und dem Jemen zu schaffen. Die Gesamtproduktion stieg zum zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal dennoch um ein Prozent auf 307.000 Barrel pro Tag. Begründet wurde dies mit den höheren Produktionsmengen in Norwegen.

Die OMV nimmt außerdem Abstand von ihren Ölbohrplänen in der Adria. Der österreichische Öl- und Gaskonzern und sein US-Partner Marathon Oil würden ihre Bohrlizenzen zurückgeben, sagte ein OMV-Sprecher am Mittwoch. Angesichts des niedrigen Ölpreises sei die gesamte Industrie gezwungen, ihre Investitionsentscheidungen zu hinterfragen.

Marathon und OMV hatten Anfang des Jahres sieben von insgesamt zehn Bohrlizenzen erhalten, die die kroatische Regierung vergeben hatte. Das Projekt war jedoch umstritten: Kritiker befürchteten Umweltschäden, unter denen die wichtige Tourismusbranche des Landes leiden könnte.

Allerdings setzt OMV nicht überall auf Rückzug: Der neue Vorstandschef Rainer Seele will einen Deal an Land ziehen, der ihm beim Kasseler Konkurrenten Wintershall nicht geglückt ist: die Ausbeutung von Teilen einer Lagerstätte in Sibirien – die zu den weltweit größten Öl- und Gasfeldern gehört – gemeinsam mit dem russischen Energiegiganten Gazprom. Die Chancen, in den riesigen rohstoffreichen Weiten Russlands in die Produktion einzusteigen, stuft Seele inzwischen ungeachtet der andauernden Spannungen mit dem Westen wegen der Ukraine-Krise als gut ein, wie er in einem Video-Blog zu seinem Amtsantritt sagte.

Der neue Mann an der Spitze von Österreichs größtem Industriekonzern will keine Zeit verlieren. Schon bevor er Anfang Juli auf dem Chefsessel Platz nahm, erklärte OMV, künftig mit Gazprom zusammenarbeiten zu wollen. Unterzeichnet wurde die Absichtserklärung formal noch von OMV-Vorstand Manfred Leitner. Die Fäden im Hintergrund zog aber bereits Seele. Konkret geht es um eine Minderheitsbeteiligung an Teilen des Öl- und Gasfeldes Urengoy – exakt jenes Gebiet in der Nähe des Polarkreises, an dem eigentlich Wintershall, Seeles bisheriger Arbeitgeber, einen weiteren Anteil erhalten sollte.

Der geplante Milliardendeal zwischen den Deutschen und dem russischen Gasriesen war im Dezember wegen der Ukraine-Krise geplatzt. Wintershall hätte ein Viertel der Lagerstätte erhalten und im Gegenzug das deutsche Gashandels- und Gasspeichergeschäft abgeben sollen. Kritiker in Deutschland befürchteten damals, dass sich durch das Geschäft die Abhängigkeit von Russland bei der Gasversorgung noch vergrößern könnte.

Seele hat in seiner Zeit bei Wintershall eng mit Gazprom zusammengearbeitet. „Er weiß, wie es in Russland läuft. Ohne staatlichen Partner geht gar nichts“, sagte ein Insider, der den neuen OMV-Chef gut kennt. Wintershall und Gazprom vereinbarten bereits vor vielen Jahren eine Zusammenarbeit bei der Öl- und Gasförderung in Russland. Mit dem deutsch-russischen Joint Venture Achimgaz fördert Wintershall bereits in einem anderen Teil der Urengoy-Lagerstätte in Sibirien.

Aber auch für OMV sind Geschäfte mit Gazprom kein völliges Neuland. Österreich war einst der erste westliche Staat, der langfristige Energielieferverträge mit Russland bekam. In den 1990er-Jahren hatte OMV zuletzt versucht, dort Fuß zu fassen. Aus der jüngst geplanten Zusammenarbeit der beiden Konzerne bei der Gas-Pipeline South Stream wurde ebenfalls nichts. Russland stoppte die Bauarbeiten für die Pipeline, die die Ukraine umgangen hätte.

Die Verhandlungen zwischen OMV und Gazprom sind nach Darstellung eines Gazprom-Insiders noch im Anfangsstadium. Im Falle einer Einigung soll das Geschäft – so wie beim geplatzten Wintershall-Gazprom-Deal – über einen Anteilstausch abgewickelt werden. Welche Anteile OMV hergeben würde, ließ der Konzern bis dato offen.

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