Einzelhandel: Größtes Halbjahres-Wachstum seit 20 Jahren

Die Einzelhändler in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2015 ein Rekordergebnis verzeichnet. Bis Juni lagen die Umsätze inflationsbereinigt 2,5 Prozent höher als vor einem Jahr - der größte Anstieg seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1994. Gute Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten treiben die Kauflust trotz Krisen in Griechenland und im Nahen Osten, so der Branchenverband.

Kauffreudige Verbraucher und der brummende Arbeitsmarkt bescheren den deutschen Einzelhändlern ihr bestes erstes Halbjahr seit mindestens 21 Jahren. Die Umsätze in den sechs Monaten bis Juni lagen inflationsbereinigt (real) 2,5 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Dies ist der größte Anstieg seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1994. „Das erste Halbjahr hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Stefan Hertel, ein Sprecher des Branchenverbands HDE. Die gute Konjunktur sorge für Rückenwind. „Die Leute haben Jobs und bekommen regelmäßiges Einkommen. Deshalb geben sie auch Geld aus.“ Über internationale Krisen wie in Griechenland und im Nahen Osten werde zwar viel gesprochen. „Das kommt aber im Geldbeutel nicht an.“

Zuletzt hatten auch Daten der GfK-Marktforscher gezeigt, dass die Kauflaune der Deutschen wegen der Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und niedriger Inflation derzeit blendend ist. „Den Deutschen geht es so gut wie kaum jemals zuvor“, sagte Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank. Die Bürger trauten sich deshalb, mehr Geld auszugeben und griffen dafür kaum auf Kredite zurück. „Deshalb kann der private Verbrauch auch weiterhin solide wachsen, ohne dass sich daraus Gefahren ergeben“, sagte Schmieding.

Vom steigenden Konsum profitiert der klassische Einzelhandel jedoch zunehmend weniger. „Der Anteil des Einzelhandelsumsatzes am privaten Konsum sank zwischen 2000 und 2014 von knapp 36 Prozent auf fast 29 Prozent“, sagte HDE-Sprecher Hertel und betonte mit Blick auf die gute Verbraucherlaune: „Stimmung ist nicht gleich Umsatz.“ Denn die Deutschen hätten seit Jahren immer mehr für Reisen, Freizeitangebote, Wellness, Renovierungen und Energie ausgegeben. Trotz dieser Tendenz zieht der HDE nach den ersten sechs Monaten eine positive Bilanz: „Wir liegen leicht über unserer Umsatzprognose von nominal plus 1,5 Prozent für 2015.“ Vorerst bleibe der Verband bei seiner Schätzung, will sie aber gegebenenfalls im September aktualisieren.

Gut lief es bislang vor allem beim Internet- und Versandhandel, in Apotheken sowie bei Geschäften mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten. Im Juni hatten die Einzelhändler zwar 5,3 Prozent mehr in den Kassen als vor Jahresfrist. Allerdings zählte der Monat auch zwei Verkaufstage mehr als im Jahr zuvor. Von Mai auf Juni sanken die Erlöse jedoch um 2,3 Prozent. Dies war nach inflationsbereinigten Zahlen der stärkste Rückgang seit Dezember 2013. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet.

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