Millionen-Verluste: Stahlhändler KlöCo streicht hunderte Jobs

Der Stahlhändler Klöckner & Co will 17 seiner 220 Standorte schließen. Wegen aktueller Verluste von 75 Millionen Euro müssten zudem rund 600 Stellen gestrichen werden. Ursache sei der Preisdruck durch Überkapazitäten insbesondere in China und eine Stagnation der Nachfrage.

Der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) steht ein Jahr nach der Rückkehr in die Gewinnzone schon wieder vor hohen Verlusten. Der Preisdruck, die weltweiten Überkapazitäten, eine schwache Nachfrage und hohe Kosten für Restrukturierungen sorgten im ersten Halbjahr für einen Fehlbetrag von 75 Millionen Euro. Auch im Gesamtjahr werde KlöCo unter dem Strich einen Verlust einfahren, räumte Vorstandschef Gisbert Rühl am Donnerstag ein. „Vor dem Hintergrund dieser Zahlen wird die Zahlung einer Dividende eher unwahrscheinlich.“ Um die Kosten zu senken, will Rühl nun 17 der 220 Standorte schließen und rund 600 der 9700 Jobs streichen.

Die Stahlmärkte seien seit Jahren unter Druck, sagte Rühl. Ursache seien Überkapazitäten insbesondere in China und eine Stagnation der Nachfrage. Dadurch würden die Preise fallen. Da die Stahlhändler einen Großteil ihrer Waren auf Lager hielten, müssten auf die Bestände immer wieder hohe Abschreibungen vorgenommen werden. „Diesem Druck sind wir seit Mitte 2011 mehr oder weniger kontinuierlich ausgesetzt.“

Tatsächlich gleicht die Geschäftsentwicklung bei dem Duisburger Konzern einer Achterbahnfahrt. Stand 2010 noch ein Gewinn von 80 Millionen Euro in den Büchern, musste KlöCo zwei Jahre später einen Verlust von 203 Millionen hinnehmen. Nach einer Rosskur, in der Rühl 2300 Stellen strich und über 70 Standorte schloss, fuhr der Konzern 2014 einen Gewinn von 22 Millionen Euro ein und zahlte erstmals wieder eine Dividende.

Die Stahlnachfrage in Europa und den USA werde in diesem Jahr wohl um weniger als ein Prozent zulegen, erläuterte Rühl. Erst kürzlich hatte auch Weltmarktführer ArcelorMittal seine Prognose für die globale Stahlnachfrage gesenkt. Vor allem die Energiebranche hält sich wegen des stark gefallenen Ölpreises mit Bestellungen zurück. In Europa schwächelt die Bauindustrie in Frankreich. Allein dort macht Rühl nun elf Standorte dicht. In China schließt er jetzt seinen einzigen Standort.

Der Manager setzt auf den zunehmenden Handel über das Internet, durch den die Lagerhaltung zurückgefahren werden soll. Zudem will sich Rühl auf gewinnträchtigere Produkte konzentrieren, bei denen der Konzern den Kunden schon einen Teil der Bearbeitung abnimmt. Dadurch soll die Profitabilität steigen. KlöCo peilt 2017 eine operative Umsatzrendite von über fünf Prozent nach zuletzt 2,9 Prozent an. Die Börse zeigte sich auch daher von der Prognosesenkung für 2015 nicht geschockt. Die Aktie legte zeitweise um fast zwei Prozent zu. Trotz der erneuten Standortschließungen will KlöCo auch weitere Konkurrenten übernehmen. Ein Zukauf könne noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, kündigte Rühl an.

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