Schwarze Null: Deutschland saniert Haushalt dank Griechenland-Krise

Deutschland hat von der griechischen Tragödie der vergangenen Jahre „finanziell stark profitiert“. Zu diesem Schluss kommt das Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Etwa 100 Milliarden Euro konnten eingespart werden.

Derzeit wird in der Bundesregierung über die Freigabe der neuen Kredite für Griechenland beraten. Vor allem die über frühere Bailouts gewährten Kredite spielen in den Diskussionen genauso eine Rolle, wie die Frage nach der tatsächlichen Schuldentragfähigkeit Griechenlands. Schließlich könnte eine noch nicht abgewendete Pleite dazu führen, dass die bisher bereitgestellten Kredite nicht wieder an Deutschland zurückgezahlt werden.

Das Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung Halle bringt nun jedoch einen weiteren Punkt in die Diskussion hinein. So dürfe nicht vergessen werden, dass Deutschland tatsächlich auch von der Krise in Griechenland profitiert habe. Die Krise führte dazu, dass beispielsweise die Zinsen für deutsche Staatsanleihen regelmäßig sanken. „Jedes Mal, wenn es für die Finanzmärkte in den letzten Jahren negative Neuigkeiten zum Thema Griechenland gab, fielen die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen, und jedes Mal, wenn es gute Neuigkeiten gab, stiegen sie“, so  das Institut.

„Wenn Investoren sich mit einer Krise konfrontiert sehen, versuchen sie, ihr Geld möglichst sicher anzulegen (flight to safety)“. Während der europäischen Schuldenkrise habe Deutschland überproportional von diesem Effekt profitiert. Allein an dem Tag, an dem im Januar 2015 ein Sieg der Syriza-Partei immer wahrscheinlicher wurde, fielen die Zinsen auf deutsche Bundesanleihen um 30 Basispunkte. Ähnliches war auch zu beobachten, als die Syriza-Regierung neue Verhandlungen mit der Troika ablehnte. Als Tsipras nach dem Ausgang des Referendums jedoch wieder Verhandlungsbereitschaft signalisierte, stiegen die Zinsen für deutsche Bundesanleihen.

Um annähernd sagen zu können, in welchem Umfang Deutschland  von der Griechenland-Krise profitiert, hat das Institut „mit Hilfe einer einfachen Entscheidungsregel (Taylor rule) eine unabhängige deutsche Geldpolitik simuliert und daraus hypothetische deutsche Zinsen auf Staatsanleihen abgeleitet“. Die Annahme einer unabhängigen deutschen Geldpolitik bilde ein Szenario ab, in dem Deutschland von einer Krise in Griechenland weder positiv noch negativ beeinflusst wäre.

Mit dieser Annahme käme man auf simulierte Zinsen auf deutsche Staatsanleihen, die zwischen 2010 und heute durchschnittlich rund drei Prozent höher sind als in der Realität beobachtet. Kumulativ haben sich die positiven Neuigkeiten über Griechenland zwischen Ende 2014 und Mitte 2015 aber beispielsweise zu einem Zinsanstieg auf deutsche Staatsanleihen von nur 1,6 Prozent geführt. Frankreich, die Niederlande und die USA haben dem Institut zufolge ebenfalls von der Krise in Griechenland profitiert – wenn auch nicht so stark wie Deutschland.

„Wenn man die tatsächliche Fälligkeitsstruktur der deutschen öffentlichen Schulden berücksichtigt, belaufen sich die Einsparungen für den deutschen Steuerzahler auf mindestens 100 Milliarden Euro in den letzten viereinhalb Jahren.“ Und tatsächlich überreffen diese Einsparungen sogar die möglichen Kosten, wenn Griechenland die Kredite an Deutschland nicht zurückzahlen könnte. Diese werden derzeit inklusive der neuen Kredite auf etwa 90 Milliarden Euro geschätzt.

Zukünftig erwarten wir, dass Deutschland weiter von der derzeitigen Situation profitieren wird“, schreiben die Wissenschaftler. Zwar würde eine Entspannung der Griechenland-Krise die Zinsen nicht weiter niedrig halten, doch allein aufgrund der großen Mengen von mittlerne und längerfristigen ausgegebenen deutschen Bundesanleihen wird Deutschland in den kommenden Jahren noch profitieren können.

Kommentare

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  1. Das ist doch Humbug! sagt:

    Dann geben wir doch am besten gleich 500Mrd., dann kommen wir direkt im Tele-Tabbi-Land an.
    Mit den laufenden Programmen wird Griechenland nie in der Lage sein Kredite zu tilgen. Es wird immer nur prolongiert oder umgeschuldet.
    Abgesehen davon wurden die 100 Mrd. nicht einfach gespart, sondern den Bürgern, LV´s usw. gestohlen, die bei der Altersvorsorge fehlen.
    Und der Grund für die wundersame Zinssenkung, die eigentlich illegale Staatsfinanzierung durch Draghi mit 60Mrd. monatlich, wird auch die den 100Mrd Zinsen zugrunde liegenden Kapitalstock pulverisieren.

  2. Ogolius sagt:

    Es ist zulänglich bekannt, dass der „deutsche Michl“ die Verhandlungen zur Krise in Griechenland zeitlich so weit wie möglich ausreizen wollte, um sich die schwarze Mull zu sichern (good cop – bad cop = Merkel – Schäuble) Nun – es ist mehr als bedenklich, sich am Elend anderer zu bereichern ….