Energiewende in Deutschland beschert Bilfinger weiter Verluste

Der krisengeplagten Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger will sich von seiner Sparte Power lösen. Diese ist unter anderem für die schlechten Quartalszahlen des Unternehmens verantwortlich. Der neue Chef Per Utnegaard will Bilfinger wieder in die Gewinnzone führen.

Mit der sechsten Gewinnwarnung innerhalb eines Jahres hatte der neue Konzernchef Per Utnegaard die Anleger bereits Ende Juni auf miserable Zahlen im zweiten Quartal vorbereitet. Am Mittwoch wird der Norweger, der erst Anfang im Juni im Chefsessel Platz genommen hat, zum ersten Mal die Quartalsbilanz präsentieren. Verluste und Abschreibungen im notleidenden Kraftwerksgeschäft, das Bilfinger binnen eines Jahres verkaufen will, werden dem Mannheimer Konzern seiner Aussage nach ein „deutlich negatives“ Ergebnis einbrocken.

In den kommenden Monaten dürfte es nicht besser werden: Analysten erwarten für das Gesamtjahr einen höheren Nettoverlust als im vergangenen Jahr, das Bilfinger mit einem Verlust von 71 Millionen Euro abgeschlossen hatte.

Die Wende soll nun der Verkauf der Krisensparte Power bringen. Für den Einbruch des Geschäfts mit Konstruktion und Wartung von Kraftwerken macht Bilfinger vor allem die Energiewende in Deutschland verantwortlich, räumt aber auch Schwächen im Projektmanagement ein. Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, dessen Wechsel aus der Politik an die Vorstandsspitze von Bilfinger 2011 für Aufsehen gesorgt hatte, stürzte über das Debakel in der Power-Sparte.

Nun soll der defizitäre Geschäftszweig mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro und rund 11.000 Mitarbeitern verkauft werden. Investmentbanker schätzen den Preis auf 750 Millionen bis eine Milliarde Euro. Die Analysten vom Bankhaus Lampe rechnen dagegen mit einem Verkaufserlös von nur 485 Millionen Euro.

Nach Einschätzung von DZ-Bank-Analyst Jazko Terzic wird Bilfinger mit dem Verkauf von Power und einem Umbau im größten Geschäftszweig Industrie das Schlimmste hinter sich bringen können. Durch die Schrumpfkur werde der Anteil des stark schwankungsanfälligen Projektgeschäfts reduziert. Im kommenden Jahr sei dann mit einer deutlichen Erholung zu rechnen, schrieb Terzic in einer Analyse und empfahl die Aktie des MDax-Titels zum Kauf.

Sein Kollege Jens Jung vom Wertpapierhandelshaus Steubing ist dagegen skeptisch. Die Trennung von Power sei zwar ein Befreiungsschlag. „Die Unsicherheiten insbesondere im größten Geschäftsbereich Industrial halten jedoch an und dürften zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen mittel- bis langfristigen Investor zu einem Einstieg bewegen“, schrieb er. Derzeit ist der schwedische Finanzinvestor Cevian mit gut 25 Prozent größter Aktionär und führt mit Eckhard Cordes als Vorsitzendem im Aufsichtsrat Regie.

Neben Power soll nach Informationen von Insidern auch die Wassertechnologie verkauft werden. Die große Frage ist, wie das Industriegeschäft, das zum Teil unter dem niedrigen Ölpreis leidet, umstrukturiert wird. Utnegaard will seinen Plan am 15. Oktober vorstellen. Die Führung von Industrial er schon selbst übernommen. Der bisher dafür verantwortliche Niederländer Pieter Koolen soll ebenso wie der bisherige Power-Manager Joachim Enenkel gehen.

Vom früheren Vorstand aus der Koch-Ära bleibt nur der Leiter des Bau- und Immobiliengeschäfts Jochen Keysberg an Bord. Seine Sparte, die mit Margen von fünf Prozent im Schatten des Power-Geschäfts mit mehr als neun Prozent operativem Gewinn vom Umsatz stand, stabilisierte zuletzt den Konzern. Keysberg konnte vor kurzem mit zwei europäischen Großbanken Aufträge für Immobiliendienste mit 600 Millionen Euro Umsatz über fünf Jahre abschließen. Bilfinger ist demnächst auch mit Großprojekten im traditionellen Baugeschäft präsent: Im Münchener Osten bauen die Mannheimer zwei Hochhaustürme für das Bavaria Towers-Ensemble.

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