Demographie-Problem bedroht Chinas Wachstum

Die Herausforderungen, denen sich die chinesische Regierung stellen muss, nehmen zu. Neben den massiven Einbrüchen an den Börsen und der immensen Überschuldung zeigt nun die Ein-Kind-Politik ganz konkret ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. Die Digitalisierung und Technisierung der Arbeitsabläufe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein schwindender Arbeitskräfte.

Jahrelang wurde China aufgrund seines Wirtschaftswachstums und des Potentials, das in der hohen Bevölkerungszahl liegt bewundert und als Konkurrent gefürchtet. Doch das Bild Chinas außerhalb der Landesgrenzen wird rissig. Immer deutlicher treten die Probleme zu Tage, immer mehr Faktoren belasten das Wachstum. Neben den massiven Börseneinbrüchen der vergangenen Wochen wird das Thema Demographie die chinesische Regierung in den kommenden Monaten und Jahren vor noch größere Herausforderungen stellen.

Bisher war die große Zahl der Bevölkerung ein wirtschaftlicher Vorteil für das Land. Vier Jahrzehnte lang stieg die Zahl der arbeitenden Bevölkerung in China. Das steigerte das BIP, es gab billige Arbeitsplätze und stetig kamen neue Konsumenten hinzu. Doch 2016/2017 wird die Zahl der chinesischen Arbeitskräfte das erste Mal abnehmen, wie eine Grafik von Morgan Stanley im Business Insider zeigt. Die Ein-Kind-Politik wird ihre Wirkung nun richtig entfalten. Die chinesische Bevölkerung altert. Mehr und mehr alte Menschen, die nicht mehr arbeiten, müssen dann von einer kleineren Zahl Arbeitender unterstützt werden.

Wie drängend das Problem fehlender Arbeitsplätze in China mittlerweile ist, zeigt jüngst auch ein Beispiel aus der Provinz Guangdong. Das Unternehmen Shenzen Evenwin Precision Technology Co will 90 Prozent der Arbeitsplätze mit Robotern belegen. Grund für die Automatisierung sind fehlende Arbeitskräfte. Dem Arbeitsministerium von Guangding zufolge fehlten der Region im März 2015 nach dem Neujahrsfest zwischen 600.000 und 800.000 Arbeitskräfte. 2014 war die Lücke ähnlich groß. 2012 fehlten sogar eine Million Arbeitskräfte.

Schon 2013 warnte Chetan Ahya von Morgan Stanley vor diesen Entwicklungen. Damals schilderte Ahya drei Prozesse, die zu einer Verlangsamung des chinesischen Wachstums führen. „Zuerst wird die demographische Entwicklung das Wachstum des Landes schwächen“, zitierte ihn damals der Business Standard. Der Trend schwäche die Produktivität. Darüber hinaus wird das steigende Pro-Kopf-Einkommen die Gewinnmargen für die Unternehmen in den kommenden Jahren verringern. Hier kann die Technisierung und Digitalisierung zumindest anfangs einen Puffer darstellen. Die dritte Schwierigkeit für China sah Ahya damals in der sinkenden Nachfrage aus dem Ausland.

Mit der Aktion „Made in China 2025“, das im vergangenen Monat von Peking vorgestellt wurde, wird versucht, diesem Trend entgegenzuwirken. Ziel ist es, ähnlich wie bei der Industrie 4.0 hierzulande, innerhalb eines Jahrzehnts vor allem im Bereich der Produktion die Digitalisierung voranzutreiben. Der Citigroup zufolge will China dafür in den kommenden Jahren etwa 8,02 Billionen Yuan investieren, so die South China Morning Post.

Derzeit kämpft die chinesische Regierung aber auch weiterhin mit den Turbulenzen an den Börsen. Die Industrie des Landes ist im Juli so stark geschrumpft wie zuletzt vor 15 Monaten. Erst am Dienstag hat China  seine Landeswährung Yuan aufgrund schlechter Konjunkturdaten abgewertet: von 6,1162 Yuan je Dollar auf 6,2298 Yuan je Dollar. Das ist der erste große Eingriff in die Wertigkeit der Währung seit langer Zeit.

Im Juli musste der weltgrößte Automarkt China dem Branchenverband CAAM zufolge nun auch einen Absatzrückgang von 7,1 Prozent. Das vierte Mal in Folge sanken die Absatzzahlen. Die Exporte waren gegenüber dem Vormonat um 4, 2 Prozent gesunken und gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um 16,3 Prozent. Das spüren auch die deutschen Autohersteller. Audi, BMW und Mercedes-Benz zusammen kommen inzwischen auf 70 bis 80 Prozent Markanteil bei größeren Autos und fahren nach Berechnungen von Analysten dort zwischen 30 und 50 Prozent ihres Gewinns ein.

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Die Demografische Entwicklung gefahr für China?
    Wenn das mit Produktivitätssteigerung aufgefangen
    wird, werden kann, eindeutig nicht.
    Chinas Kernproblem, ist der Geburtenberg der Maozeit.
    China hängt auf gedeih und verderb am Weltabsatzmarkt.
    Tja und der ist grossflächig am absaufen.
    Absehbar auch China kommt unter die Räder.
    Volgen eines Global antiquirten NICHT schlüssigen
    Ökonomischen Denkens mit entsprechenden Rezepten.
    Die Anzeichen verdichten sich das grosse
    ,,Ding,, droht gegen die Wand zu fahren.
    Tja da droht ein ,,Megading,,.
    Freundliche Grüsse