Deutscher Mittelstand investiert zu wenig

In den kommenden fünf Jahren entgeht dem deutschen Mittelstand ein Umsatzpotential im zweistelligen Milliardenbereich. Grund hierfür sind zu geringe Investitionen in die Zukunft, zu große Scheu vor Innovationen und schlechte Standortbedingungen im Verwaltungsbereich.

„Der Mittelstand ist Herz und Motor der deutschen Wirtschaft. Er hat großes Potenzial auch in Zukunft die starke Mitte zu bilden, wenn alle Beteiligten Mut zur Veränderung zeigen und der Staat Bürokratie abbaut“, sagt Martin Sonnenschein von der Beratungsfirma A.T. Kearney. Aber zukünftig könnte sich das schneller ändern, als gedacht. Nur 14 Prozent der Top 50 des Mittelstandes seien derzeit in den so genannten Zukunftsbranchen tätig und nur sechs Prozent dieser sind in den vergangenen 50 Jahren gegründet worden. 86 Prozent der Top 50 hingegen sind in Traditionsbranchen wie Maschinenbau und Automobil tätig.

Dies zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung anlässlich der Zukunftsstudie „Deutschland 2064 – Die Welt unserer Kinder„. Ein Umsatzpotential in Höhe von 46 Milliarden Euro entgehe dem deutschen Mittelstand bis 2020, wenn sich in den kommenden fünf Jahren nichts konkretes ändert. Die Möglichkeiten, dieses Potential auszuschöpfen liegen A.T. Kearney zufolge in den Händen des Staates, der Unternehmen, aber auch der Angestellten und der deutschen Gesellschaft an sich.

So halten immerhin 54 Prozent der Ökonomen in Deutschland Investitionen in Wachstum für notwendig, unter den Mittelständlern liegt der Wert nur bei 25 Prozent. Zwei Drittel der Deutschen misstrauen Innovationen. „Dieses gesellschaftliche Klima schafft keinen gesunden Nährboden für Unternehmertum und Innovationsfähigkeit“, so Mittelstandsexperte Götz Klink. Gleichzeitig erfordere die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung eine viel stärkere Netzwerkbildung von den Unternehmen. „Aber die Vernetzung zwischen mittelständischen Unternehmen innerhalb einer Branche oder mit spezialisierten Forschungseinrichtungen ist oft sehr regional geprägt. Hier wäre mehr auch globaler Weitblick erforderlich.“

Doch auch der Staat ist der Untersuchung zufolge mit in die Verantwortung zu ziehen, wenn es dem deutschen Mittelstand in den nächsten fünf Jahren nicht gelingt, dass volle Umsatzpotential auszuschöpfen. „Würde der Staat mehr gestalten und weniger verwalten, könnte das dem deutschen Mittelstand ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 13 Milliarden Euro im Jahr bringe“, so die Untersuchung. 70 Prozent der Mittelständler sehen die politischen Rahmenbedingungen und 90 Prozent die Verwaltung als Innovationshürde an.

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. hugin sagt:

    BEI DIESEN STEUERN UND GESETZEN WIRD NICHT INVESTIERT !
    Arbeit wär genug vorhanden, es fehlt nur das Geld die Arbeit zu bezahlen !
    Zuerst die Lohnsteuer und Sozialabgaben, dann die MWST und Gebühren. Außerdem werden Gebühren, Abgaben, Beiträge, Strafen über die Inflationsrate erhöht und neue Belastungen angedacht. Vor diesem Hintergrund gibt es keine Aufwärts-Entwicklung, aber das wagt niemand zu sagen.

  2. Sterngucker sagt:

    der Mittelstand wird von Gesetz gegängelt und ausgebeutet bis zur Verarmung im Alter- von Ruhestand oder stabiler Rente kann nicht die Rede sein
    – Steuerfachleute wissen das !

    250.000 mittelständische Firmen suchen verzweifelt Nachfolger – echte Nachfolger, keine Hasardeure und Klugscheisser.
    Die Gesetze für den Mittelstand bzgl. Firmenverkauf, Auflösung etc. sind grob gesagt so : man kann gehen, aber nur quasi nackt !
    Und das ist so gewollt und geplant!

  3. Peter G. sagt:

    Im real existierenden (deutschen) Sozialismus werden dem Mittelstand soviel Hindernisse bereitet und Auflagen gemacht, wie sonst nirgends. Die Folge: der Mittelstand schrumpft, Unternehmer wandern entweder ins Ausland ab oder verkaufen und genießen ihren Ruhestand, ebenfalls meist im Ausland. Dafür gilt die gesamte Fürsorge und Finanzkraft des Staates den Zuwanderern, für die nichts zu teuer ist. Mit einer Einstellungspflicht, ähnlich der für Schwerbehinderte, ist zu rechnen. Deutschland schafft sich ab.

  4. Europaverweigerer sagt:

    Wenn die Staatsquote signifikant zurückgefahren wird und die Staatsgängelei aufhört wird auch wieder investiert.

    Momentan ist es besser das Geld abzuschöpfen und von dannen zu ziehen…