DIHK warnt vor Währungskrieg

Die chinesische Notenbank ließ den Yuan am Mittwoch weiter fallen, die Währung erreichte den tiefsten Stand seit August 2011. Der neuerliche Eingriff Chinas in die eigene Währung bereitet der DIHK Sorgen. Die Maschinenbauer hingegen halten sich zurück.

Die deutsche Wirtschaft warnt angesichts der drastischen Abwertung der chinesischen Währung Yuan vor einem Währungskrieg. „Wichtig ist vor allem, dass es jetzt nicht zu einem globalen Wettlauf um die schwächste Währung kommt, bei dem am Ende alle verlieren“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Deutsche Waren verkauften sich gerade in wichtigen Technologiebereichen vor allem über Qualität und Technologieführerschaft. „Aber natürlich spielt auch der Preis immer eine Rolle – und hier erhalten chinesische Konkurrenten durch die Abwertung nun einen Vorteil“, sagte Wansleben. Allerdings profitierten zugleich viele Importeure vom schwächeren Yuan, da Zulieferungen aus China dadurch günstiger werden.

Bei einem Währungskrieg versuchen Länder, ihren Unternehmen durch eine Schwächung der Währung Vorteile zu verschaffen: Sie können so ihre Waren im Ausland günstiger anbieten und Konkurrenten ausstechen. Das kann Nachahmer finden und zu einer Abwertungsspirale führen. Als warnendes Beispiel für die Folgen eines solchen Wettlaufs nennen Ökonomen oft die 1930er Jahre, als es zu einem Zusammenbruch des Welthandels und einer globalen Wirtschaftskrise kam.

Gelassen reagierten Konzernchefs auf den Kurssturz des Yuan, der zum Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren fiel. „China bleibt Motor der Weltwirtschaft“, sagte Henkel -Chef Kasper Rorsted. Der Konsumgüterkonzern macht in der Volksrepublik rund neun Prozent seines Umsatzes. Er sei langfristig nicht zu beunruhigt, sagte auch Siemens -Chef Joe Kaeser dem US-Fernsehsender CNBC: „Es ist wichtig, nicht in Panik zu verfallen“.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht ebenfalls keinen Grund zur Panik. „Wenn die Chinesen preislich günstiger anbieten können, steigt der Wettbewerb hier und da“, sagte VDMA-Ökonom Olaf Wortmann. „Sie sind aber in anderen Marktsegmenten unterwegs als wir und sind noch kein direkte Konkurrenz.“ Der schwächere Yuan werde nur in Einzelfällen für einen etwas härteren Wettbewerb sorgen. „Das größere Risiko für die Weltwirtschaft ist, wenn China nicht aus den Turbulenzen an den Börsen und dem Immobilienmarkt herauskommt“, sagte Wortmann.

Als die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist China inzwischen ein Taktgeber der globalen Konjunktur. Waren im Wert von 75 Milliarden Euro verkauften die deutschen Exporteure 2014 in dem kommunistischen Land – nur in Frankreich, den USA und Großbritannien waren es mehr. Auch haben viele Unternehmen dort Fabriken hochgezogen. „Zwar ist ihr Absatz vor Ort nun von der Abwertung nicht betroffen, aber für den gleichen Ertrag in Yuan können sie einen geringeren Gewinn nach Deutschland transferieren“, sagte DIHK-Experte Wansleben. Die deutschen Unternehmen gingen aber von einem langsameren Wachstum von Umsätzen und Gewinnen aus. „Expandieren wollen die Unternehmen vor Ort aber weiterhin“, sagte Wansleben. Das zeigten aktuelle Umfragen der Auslandshandelskammern.

Auch Sonja Marten, Leiterin Devisenresearch der DZ BANK sieht keinen drohenden Währungskrieg. „Tatsächlich ist die heutige Abwertung des CNY schlicht eine logische Konsequenz der gestrigen Ankündigung: anstatt das USD-CNY Referenzband weiter an der (künstlich niedrigen) Marke von 6,2090 CNY festzunageln, orientiert sich die PBOC nun am Schlusskurs des vorherigen Tages“, so Marten. Von einem „erneuten“ Schritt der PBOC könne also keine Rede sein. Die PBOC halte sich schlicht an die Vorgaben ihres neuen Regimes.  „Hätte die PBOC im Markt interveniert, um den CNY unter Druck zu setzen, könnte man durchaus von der Gefahr eines Währungskrieges sprechen. Dies ist jedoch nicht geschehen. Wie schon in unserem gestrigen Update dargelegt, hat die PBOC in den vergangenen Monaten sogar eher versucht, eine exzessive Abwertung des CNY zu verhindern.“

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  1. Mc Bain sagt:

    Braucht keiner mehr warnen, ist schon der Fall. Man hat China als Billiglohnland gefördert, aus Profitgier, jetzt hat es die Macht, und schon geht es Richtung USA richtig los. Ist erst der Anfang.