Personenfreizügigkeit: Ausländer verdienen deutlich weniger als Schweizer

Seit 2000 ist der Anteil der Tieflöhne in der Schweiz leicht gestiegen. Mehr als jede zehnte Stelle liegt im Tieflohnbereich. Vor allem in der Schweiz arbeitende Ausländer sind davon betroffen. Hier ist der Anteil der Tieflöhner fast doppelt so hoch.

Wer in der Schweiz weniger als zwei Drittel des Bruttomedianlohnes von 4.343 Franken brutto im Monat verdient, zählt zu den Tieflöhnern. 2012 lag die Anzahl dieser in der Bevölkerung bei 13,4 Prozent. Die Tatsache, dass der Tieflohnanteil in den vergangenen Jahren fast konstant war, deutet darauf hin, „dass sich die tiefen Löhne im Gleichschritt mit den mittleren Löhnen entwickelt haben“, heißt es in einem Bericht des Bundesrats. Im internationalen Vergleich weise die Schweiz sogar eine  ausgewogene Lohnverteilung und einen niedrigen Tieflohnanteil aus.

Tatsächlich sind vor allem Frauen und Ausländer in diesem Lohnsektor tätig. Die Lohndifferenz zwischen der einheimischen Kernbevölkerung und neuangestellten Grenzgängern hat seit 2006 kontinuierlich zugenommen. 2006 verdienten Ausländer 8,4 Prozent weniger als Einheimische – 2012 lag die Differenz schon bei 11,7 Prozent. Insgesamt beträgt der Anteil der Ausländer unter den Tieflohnbezügern sogar bei über 20 Prozent und ist damit fast doppelt so hoch wie der Anteil der Einheimischen. Dafür sei jedoch weniger die Herkunft der Arbeitnehmenden ausschlaggebend, als die Branchen, in denen sie jeweils beschäftigt sind und ihre Qualifikationen.

Demnach waren Arbeitskräfte aus anderen Ländern in Wirtschaftszweigen mit tieferen Lohnniveaus eher überrepräsentiert als in Branchen mit höherem Lohnniveau. Und unter den ausländischen Arbeitnehmern war der Tieflohnanteil außerdem vor allem bei den Personen mit Kurzaufenthaltsbewilligung sehr hoch (37 %). Allein im Gastgewerbe war mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer mit Kurzaufenthaltsbewilligung tätig.

Interessanter Weise ist gerade das Baugewerbe in der Schweiz der Untersuchung zufolge eine Branche mit einem unterdurchschnittlichem Tieflohnanteil (6%). Dennoch: „Dass die Zuwanderung im Baugewerbe und in der verarbeitenden Industrie, welche ein unterdurchschnittliches Lohnwachstum aufwiesen, zu einer gewissen Lohndämpfung geführt haben könnte, ist nicht ganz auszuschliessen“. In beiden Bereichen habe sich die Konkurrenz durch Zuwanderer aus dem Ausland nicht nur über die Zuwanderung sondern auch durch eine Zunahme grenzüberschreitender Dienstleistungserbringer (Entsendungen) oder durch bedeutende Zunahmen der Grenzgängerbeschäftigung erhöht – teilweise auch im Bereich tieferer Qualifikationen.

Der größte Anteil der Tieflohnstellen befindet sich aber eher im Detailhandel, in der Gastronomie und in der Gebäudebetreuung sowie im Garten- und Landschaftsbau. Allein im Detailhandel gab es 2012 105.084 Tieflohnstellen und damit noch weit aus mehr als beispielsweise in der Gastronomie (60.337)

„Bei den Grenzgängern gilt es neben der Einsatzbranche auch den Einsatzort zu berücksichtigen.“  2012 waren immerhin 48 Prozent aller Grenzgänger mit einem Lohn unterhalb der Tieflohnschwelle im Kanton Tessin tätig. Mit 5.448 Franken pro Monat liege der Tessiner Medianlohn sogar rund 1.000 Franken unter dem Schweizer Medianlohn.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Meinung sagt:

    ….Warum „muss“ sich die Schweiz auch hier wieder „nach unten“ orientieren?

    Mag es evtl. daran liegen, dass zahlreiche Management-Positionen ebenfalls von ausländischen Managern besetzt sind und dadurch dieses schleichende Lohn-Dumping, das hier vielerorts praktiziert wird, auch in die Schweiz eingeschleppt werden soll….?

    Darüber sollten sich Schweizer Wirtschaftswissenschaftler und Politiker einmal genauer Gedanken machen. Vieles ließe sich dann schon im Vorfeld massiv eindämmen!

    Letztlich SCHADET diese „billig, billiger, am billigsten“ im Endeffekt der GESAMTEN VOLKSWIRTSCHAFT!