Trotz Sanktionen: OMV setzt auf Russland

Der neue des Öl- und Gaskonzerns OMV-Chef Rainer Seele hat angekündigt, das Unternehmen in Russland zu positionieren. Angesichts der Sanktionen und der politischen Lage könnte dies ein Risiko sein. Doch der Druck angesichts sinkender Energiepreise und genauer des Ölpreisfalls ist größer.

Kaum etwas mehr als einen Monat ist Rainer Seele Chef des österreichischen Öl und Gas-Konzerns OMV. Zu seiner ersten Bilanzpräsentation machte er deutlich, dass er eine Neuausrichtung des Unternehmens im Blick hat. „Wir haben eine frappierende Veränderung in der Öl- und Gasbranche: Wir gehen von einem Wettbewerb des Wachstums zu einem Wettbewerb der Kosten“, sagte Seele. Gerade in einer Phase mit niedrigen Ölpreisen müssen sich die Unternehmen über die Kostenpositionen definieren. „In diesen schwierigem Umfeld brauchen wir Veränderungen.“

Neben dem Iran will Seele deshalb nun auch auf Russland setzen. Zusammen mit dem Großkonzern Gazprom soll trotz bestehender Sanktionen und der Ukraine-Krise der Sprung auf den russischen Markt gewagt werden. Geplant sind eine Öl- und Gaslagerstätte in Sibirien und der Ausbau der Gaspipeline Nord Stream in einem Konsortium mit der BASF -Tochter Wintershall, E.ON und Shell. Bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russischen Gas sollen die zwei zusätzlichen Stränge durch die Ostsee nach Deutschland bringen. Dennoch:  Die zwei weiteren Stränge durch die Ostsee sollen bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas nach Deutschland bringen. „Wir haben Interesse daran, dass das Gas bis zum österreichischen Verteilerpunkt Baumgarten kommt und damit die Versorgungssicherheit gestärkt wird“, so Seele bei der Bilanzpressekonferenz.

Zuletzt musste die OMV aus dem Bohrprojekt in der kroatischen Adria aussteigen. Es gab heftige Proteste. Die OMV legte die erlangten Lizenzen zusammen mit ihrem US-Partner Marathon Oil zurück.  Eine angeblich ungelöste Grenzfrage zwischen Kroatien und Montenegro soll als Grund für den Rückzug vorgeschoben worden sein, so Format.at.

Der Konzern rechnet damit, dass der Brent-Rohölpreis im Jahresdurchschnitt zwischen USD 50/bbl und USD 60/bbl liegen wird. „Das Gas-Marktumfeld wird weiterhin sehr herausfordernd erwartet“, heißt es im Quartalsbericht. Für die zweite Jahreshälfte 2015 wird zudem ein Rückgang der Raffinerie-Margen im Vergleich zum Niveau der ersten Jahreshälfte erwartet. Hier sind die immer noch vorherrschenden Überkapazitäten auf den europäischen Märkten ausschlaggebend.

Der Blick der OMV nach Russland zeigt, dass der Fall des Ölpreises die Unternehmen zunehmend in Bedrängnis bringt und Russland trotz Sanktionen und Wirtschaftsflaute ein attraktives Land bleibt. Im zweiten Quartal wird in Russland mit einem Einbruch des BIP um 4,6 Prozent gerechnet, Anfang des Jahres lag es bei Minus 2,2 Prozent. Einer zweiten Bank wurde die Lizenz entzogen, das sie die Mindestkapitalanforderungen nicht erfüllen konnte.

Indes profitierte der russische Energiekonzern Gazprom vom Rubel-Verfall. So ging zwar das Volumen der Erdgas-Exporte nach Europa in den ersten drei Monaten des Jahres um 16 Prozent zurück. Doch dank des Währungsverfalls stieg der Nettogewinn um 71 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Ende Juni hatte die Bank Austria Gazprom zudem einen Millionenkredit gewährt.

Nichtsdestotrotz bleiben die politischen Unwägbarkeiten als Risiko für die OMV vorhanden. So will Russland eventuell mehr Länder auf die Lebensmittel-Sanktionsliste setzen. Ende vergangener Woche kam es sogar zur Vernichtung illegaler Lebensmittelimporte. Doch auch deutsche Unternehmen halten an Russland fest. Wie eine Umfrage der deutsch-russischen Auslandshandelskammer zeigt, beurteilen die meisten Unternehmen die Situation in Russland als schmerzhaft, aber beherrschbar. Siemens eröffnete am 18. Juni ein neues Gasturbinenwerk in St. Petersburg.

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