Schweizer Franken gefährdet Polens Banken

Die Aufwertung des Schweizer Franken setzt nun auch polnische Banken unter Druck. Hintergrund ist das geplante Gesetz zur Umwandlung von Fremdwährungskrediten. Der Entwurf des polnischen Parlaments sieht vor, den Kreditnehmern das Recht einzuräumen, die oft in Schweizer Franken aufgenommenen Hypothekendarlehen den Banken in Zloty zurückzuzahlen.

Damit würden die polnischen Banken, von denen sich immerhin 60 Prozent in ausländischer Hand befinden, den größten Teil der Belastungen übernehmen. „Wenn es dazu kommt, können (einige Banken) ihre Dividenden vergessen – schlicht, weil sie dann Verluste schreiben“, zitiert das Wirtschaftsblatt den Chef der polnischen Bankenaufsicht, Andrzej Jakubiak. So liege die Gesamtbelastung durch den neuen Entwurf für die Banken bei etwa 22 Milliarden Złoty (5,2 Milliarden Euro).

Das Parlament hatte die Zahl derjenigen, die nach dem neuen Gesetz ihre Kredite in Złoty zurückzahlen dürfen, noch einmal ausgeweitet. Über eine halbe Million Polen sollen insgesamt Hypothekenkredite in Schweizer Franken aufgenommen haben. Dementsprechend könnten die Banken fast ein Fünftel ihres Kapitalpolsters benötigen, um dem Gesetz nachkommen zu können. Einzige Hoffnung ist derzeit, dass das Gesetz möglicherweise nicht die Zustimmung des Senats oder des Präsidenten erhält.

In Schweizer Franken gezeichnete Hypothekenkredite im Wert von etwa 146 Milliarden Złoty finden sich in den Büchern der Geldhäuser. Der Wert des Franken hat sich gegenüber dem Złoty in Folge der Entkoppelung vom Euro um 80 Prozent erhöht. Ähnlich wie bei den polnischen Banken sieht es auch bei den österreichischen Banken aus. Allein Ende 2012 beliefen sich die Fremdwährungskredite in Schweizer Franken auf 46 Milliarden Euro. In Ungarn stürzte die Frankenaufwertung ebenfalls zahlreiche Kreditnehmer in die Krise. Neben der Raiffeisen Bank sind auch die Commerzbank und die spanische Santander in Polen engagiert. Insgesamt aber beliefen sich im 3. Quartal 2014 die von Schweizer Banken an Europa vergebenen Franken-Kredite auf 62,572 Milliarden Franken, wie eine Statistik der SNB zeigt.

Die Fremdwährungskredite im Portfolio waren auch ein Grund, warum die österreichische Raiffeisen Bank International den Verkauf ihrer polnischen Tochter Polbank zuletzt erst einmal auf Eis legte. Ende März umfassten die Frankenkredite der Polbank ein Volumen von rund 3,25 Milliarden Euro. Bereits im Januar hatte die polnische Zentralbank die Umsetzung von außergewöhnlichen Maßnahmen angekündigt, um die polnischen Banken vor dem Risiko der Franken-Kredite zu schützen.

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