Explosion in Tianjin trifft auch deutsche Unternehmen

Wenige Tage nach der verheerenden Explosion im chinesischen Tianjin wird mit erheblichen Lieferverzögerungen gerechnet. Auch deutsche Unternehmen können davon betroffen sein. Allein in Tianjin selbst sind etwa 150 deutsche Unternehmen ansässig.

Die gewaltigen Verwüstungen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin treffen auch die deutsche Wirtschaft. „Mittelfristig kann das zu Lieferschwierigkeiten für die dort ansässigen Unternehmen führen“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer in Peking, Mike Hofmann, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Bei der Feuerbrunst in einem Industriegebiet in dem weltweit zehngrößten Hafen waren Dutzende Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Feuerwehrleute. Tausende Importautos verglühten.

Die Auswirkungen für die weltweiten Handelsströme sind allerdings geringer als unmittelbar nach den Detonationen befürchtet. Logistikfirmen und Reedereien berichteten, mehrere Containerterminals hätten am zweiten Tag nach den Detonationen ihre Arbeit wieder aufgenommen, einige würden noch repariert. „Zwei von sechs Terminals sind noch nicht voll angelaufen“, sagte eine Sprecherin der Bahn -Tochter Schenker. Die Fahrrinne zum Hafen sei inzwischen auch für einfahrende Schiffe wieder offen, ergänzte ein Sprecher von Hapag-Lloyd. Verzögerungen gebe es noch beim Zoll, da deren Verwaltungsgebäude beschädigt seien, berichtete die Repräsentanz des Hamburger Hafens in Tianjin.

In Tianjin sind nach Angaben der Auslandshandelskammer rund 150 deutsche Unternehmen ansässig, davon etwa die Hälfte mit eigenen Produktionsstätten. Dazu gehören Volkswagen, Continental, Siemens und Airbus, aber auch zahlreiche Mittelständler. Sie importieren über den Hafen viele Rohstoffe und Vorleistungen. Über den größten Hafen im Nordosten Chinas werden auch viele Güter geliefert, die für die Versorgung der 120 Kilometer entfernten Hauptstadt Peking wichtig sind.

Auf Bildern aus dem verwüsteten Hafengebiet, Chinas größtem Umschlagplatz für importierte Autos, waren hunderte ausgebrannte Fahrzeuge zu sehen. Berichten chinesischer Medien zufolge waren darunter mehr als 2700 Neuwagen von VW. Der Wolfsburger Autobauer selbst teilte mit, die exakte Zahl stehe noch nicht fest. Eine Einsatzgruppe sei dabei, sich um die Mitarbeiter in der Region zu kümmern und die Schäden aufzunehmen. Der französische Hersteller Renault sprach von 1500 zerstörten Autos, die in einem Lagerhaus im Hafen standen.

Die koreanischen Pkw-Bauer Hyundai und Kia hatten nach eigenen Angaben rund 4000 Fahrzeuge in der Nähe des Explosionsortes, konnten aber ebenfalls nicht sagen, wie viele davon beschädigt wurden. Auch Hersteller wie Ford oder Nissan überprüften ihre Pkw-Bestände vor Ort. Der japanische Toyota -Konzern ließ am Freitag offen, ob in seinem Werk innerhalb des Industriegebiets, das jetzt eine Woche Betriebsferien hatte, am Montag die Produktion wieder startet.

Auch auf die Versicherungen dürften Kosten zukommen. Die chinesischen Sparten von Allianz und Zurich sind nach eigenen Angaben noch dabei, die Schäden abzuschätzen. Beide Firmen bestätigten am Freitag auf Anfrage, dass sie erste Schadensmeldungen von Kunden aus den Bereichen Immobilien, Cargo und Schifffahrt bekommen hätten, nannten aber keine Details. Die Fälle würden derzeit geprüft.

Zwei riesige Explosionen hatten ein Industriegebiet von Tianjin verwüstet. Offiziellen Angaben zufolge kamen bei den Explosionen mindestens 54 Menschen ums Leben, mindestens 700 Menschen seien verletzt worden. Von vielen Hafengebäuden blieben nur ausgebrannte Hüllen. Die Erschütterungen wurden auch von der US-Erdbebenwarte registriert.

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