Unternehmen setzen auf kurzfristige Einlagen

Unternehmen in Deutschland tendieren immer stärker dazu, ihre Gelder auf kurzfristige Einlagen zu verteilen. Die wirtschaftliche Schwäche der Schwellenländer und die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Griechenlands Bailout sowie der Ukraine-Krise haben dazu ebenso beigetragen wie das niedrige Zinsumfeld.

Im zweiten Quartal dieses Jahres haben Nichtbanken, also Unternehmen und Privatkunden, sich weiter von langfristigen Einklagen entfernt. Sowohl Unternehmen als auch die Privatkunden haben dem aktuellen Monatsbericht der Bundesbank zufolge längerfristige Einlagen ab- und kurzfristige aufgebaut. „Hinter der ausgeprägten Liquiditätspräferenz der Anleger steht vor allem das derzeitige Zinsumfeld“, so die Bundesbank.

Die andauernde Niedrigzinspolitik der EZB wird bis dato immer noch auch von den Banken an die geschäftlichen und privaten Kunden weitergegeben. „So trug der fortgesetzt rückläufige Zinsabstand zwischen Spar- und kurzfristigen Termineinlagen auf der einen und Sichteinlagen auf der anderen Seite dazu bei“, dass nichtfinanzielle Unternehmen weitere Umschichtungen zugunsten der liquiden Einlagen vorgenommen haben.

Neben der Unsicherheit aufgrund der Sanktionen rund um die Ukraine-Krise sowie ausgelöst durch die wirtschaftliche Schwäche der Schwellenländer wie beispielsweise China, trägt aber auch die finanzielle Situation der Unternehmen zu der verstärkten Umschichtung bei. So sind der Bundesbank zufolge einerseits die verfügbaren Einkommen der Haushalte gestiegen. Andererseits habe aber auch die Liquiditätsstärke der Unternehmen zugenommen.

Tatsächlich haben aber auch bei den finanziellen Unternehmen Umschichtungen stattgefunden. „Während die sonstigen Finanzinstitute ähnlich dem nichtfinanziellen Privatsektor eine Präferenz für liquidere Einlagen zeigten und einen überwiegenden Teil der aufgelösten langfristigen Termineinlagen in täglich fällige Einlagen umschichteten, bauten Versicherungen und Pensionseinrichtungen auch ihre kürzerfristigen Einlagen per saldo ab.“

Zusätzlich zu den Umschichtungen der Einlagen, hat sich auch die Kreditaufnahme der deutschen Unternehmen im zweiten Quartal verschoben. So ging das Buchkreditgeschäft der Banken mit den inländischen nichtfinanziellen Unternehmen zurück. Es kam jedoch zu einer Erhöhung der langfristigen Ausleihungen. Letztere werden vor allem für die Finanzierung größerer Projekte genutzt. „Laut BLS (Banking Lending Survey) wirkten sich vor allem die großen Innenfinanzierungsspielräume der Unternehmen dämpfend auf ihre Kreditnachfrage aus.“

Diese Innenfinanzierungsspielräume hätten der Bundesbank zufolge in den letzten Jahren aufgrund der stabilen Gewinn- und Liquiditätssituation der deutschen Unternehmen stetig zugenommen und ihren externen Mittelbedarf gedämpft. „Hinzu kommt, dass die alternativen externen Finanzierungsquellen – wie Kredite im Konzernverbund, Handelskredite und Kredite von sogenannten Schattenbanken – für Unternehmen hierzulande schon seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnen und so die Rolle von Bankkrediten im Finanzierungsportfolio der Unternehmen zusätzlich schmälern.“

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