Bauern leiden unter Dürre und sinkenden Preisen

Während die Preise für Lebensmittel kontinuierlich sinken, steigen die Produktionskosten. Der Mindestlohn ist spürbar. Vor allem, weil die anhaltende Dürre die Ernte verringert und so die Einnahmen weiter sinken.

Die deutschen Bauern sind in der Krise. Nicht nur das Ende der Milchquote sorgt für Schwierigkeiten. Auch der Mindestlohn und die extreme Dürre machen es den Erzeugern schwer. So wird beispielsweise die Getreideernte in diesem Jahr deutlich dünner ausfallen. Der Deutsche Bauernverband rechnet mit einer Getreideernte im Umfang von nur 46,5 Millionen Tonnen – das ist deutlich weniger als die 52 Millionen Tonnen des vergangenen Jahres: Ein Rückgang um elf Prozent.

Aufgrund der unterschiedlichen Böden und auch Wetterlagen gibt es entsprechend Regionen, in denen die Dürre besonders stark gewütet hat. „Die durchschnittlichen Ernteergebnisse verdecken die dramatischen Probleme der Betriebe in den von der Trockenheit besonders betroffenen Regionen“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied. In Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz und den östlichen Bundesländern sind die Erzeuger mit 15 bis 30 Prozent weniger geerntetem Weizen konfrontiert. Im Frühjahr beispielsweise blieb die Niederschlagsmenge mit durchschnittlich 145 Litern pro Quadratmeter um 22 Prozent hinter den 186 Litern pro Quadratmeter in Normaljahren zurück. Im Juni, Juli und August setzte sich der Trend fort. Außer im Norden und im äußersten Süden des Landes, hier waren die Niederschlagsmengen überdurchschnittlich hoch.

Neben dem Winterweizen, dem Roggen und der Sommergerste sind aufgrund der Trockenheit im August nun auch die Mais- und Zuckerrübenernte gefährdet. Aber auch der Feldfutterbau leidet, die Futterversorgung der Kühe und Rinder ist gefährdet. Futterzukäufe und das Anbrechen der Wintervorräte sind die Folge. Der Verband rechnet zudem damit, dass die deutsche Apfelernte in diesem Jahr um 21 Prozent sinken werde.

Doch obwohl auch in der EU-28 eine deutlich reduzierte Erntemenge von knapp 302 Millionen Tonnen (2014: 329 Millionen Tonnen) zu erwarten ist, werde es kaum eine Preisverbesserung geben, so der Verband: „Dies liegt an den Rekordernten des vergangenen Jahres und der guten Versorgungslage.“

Gleichzeitig kämpfen die Landwirte und Bauern mit steigenden Kosten. Damit stiegen beispielsweise die Erntekosten bei den meisten Obst- und Gemüsekulturen, während die Erzeugerpreise auf dem Niveau des Vorjahres verharrten. Insgesamt addiere sich der „Preisverfall insbesondere bei Schweinefleisch, Milch, aber auch bei Getreide, Obst und Gemüse seit dem Jahresbeginn auf eine Größenordnung von deutlich über 3 Milliarden Euro an Erlösen, die der deutschen Landwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr fehlen“, so der Präsident.

„Dieser Erlöseinbruch entspricht rund einem Drittel der Nettowertschöpfung der gesamten Landwirtschaft, also der landwirtschaftlichen Einkommen.“ Rechne man diese Schätzung auf ein ganzes Jahr hoch, drohen die Erlöse der Bauern durch die geringeren Erzeugerpreise um über 6,2 Milliarden EUR niedriger auszufallen. Glelichzeitig bleiben die Pachtpreise weiterhin hoch.

Entsprechend ist auch die Investitionsbereitschaft der Landwirte. So planen diese, in den kommenden sechs Monaten die Investitionen um gut ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu senken. Das Investitionsvolumen werde in diesem Jahr demnach von 6,1 auf 4 Milliarden Euro sinken. Der Konjunkturindex ist von 30,7 Punkten im Juni des vergangenen Jahres auf 202 Punkte im März 2015 zurückgegangen.

Aus diesem Grund fordert Rukwied nun eine Exportoffensive der EU für Agrargüter und Lebensmittel, die unter anderem aus den von den Landwirten selbst aufgebrachten Mitteln der Milch-Superabgabe finanziert werden könne. National könnten Liquiditätshilfen des Bundes, die Stundung von Steuerschulden oder die Einführung einer Risikoausgleichsrücklage helfen. „Ebenso wichtig ist es aber, die Betriebe in dieser Situation nicht mit Bürokratie und zusätzlichen wettbewerbsverzerrenden Auflagen zu belasten“, forderte der Bauernpräsident Lukwied.

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Anbaumethoden in der Landwirtschaft bis hin zum Schrebergarten müssen dramatisch angepasst werden, denn Extremwetter sind künftig der Normalfall, siehe: http://www.agrarrelevante-extremwetterlagen.de/index.php?id=1401
    ZWEI WICHTIGE PROBLEME sind die nachhaltige Wasserspeicherung im Ackerboden UND die Ertragssteigerung ohne Naturschädigung – beides ist ohne das Alchemie- Geheimnis der Transmutation unmöglich.