Schweiz: Umsatz der Maschinenbauer drastisch gesunken

Die Schweizer Industrie kämpft noch immer mit den Folgen der Frankenaufwertung und sinkender Exporte in die EU. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind sowohl die Umsätze als auch die Aufträge bei den Maschinenbauern und den Unternehmen der Metallindustrie deutlich zurückgegangen.

Die Entkoppelung des Franken vom Euro ist mittlerweile schon mehr als ein halbes Jahr her und noch immer sind die Auswirkungen zu spüren. Wo die deutschen Unternehmen vom schwachen Euro in den ersten sechs Monaten profitiert haben, hadern die Schweizer Konzerne mit dem starken Franken. Die Wirtschaftsleistung ging im ersten Quartal um 0,2 Prozent zurück. Vor allem bei der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) ist die Situation dramatisch. Über die Hälfte der in dieser Industrie tätigen Unternehmen kämpft mit „teilweise signifikanten Margeneinbrüchen“, so der Branchenverband SWISSMEM.

Und dass, obwohl die Unternehmen schon nach der Entkoppelung im Januar reagiert haben. Immerhin 69 Prozent der Firmen hatten ihre Preise gesenkt. Effizienzsteigerungen und „rigoroses Produktkostenmanagement“ standen ebenfalls auf der umgesetzten To-do-Liste der Unternehmen.

Nichtsdestotrotz gingen die Auftragseingänge in den ersten sechs Monaten um 14,7 Prozent zurück. „Der Index der Bestellungseingänge ist damit auf den zweittiefsten Stand der letzten 10 Jahre abgesunken“, so der Verband. Sowohl im Inland (-72 %) als auch im Ausland (-16,7 %) nahmen die Aufträge ab. Die Umsätze der MEM-Industrie brachen um 7,1 Prozent ein. Großunternehmen und Mittelständler sind gleichermaßen von diesen Entwicklungen betroffen.

Dies spiegelt sich auch in den Exporten wider, die um 2,2 Prozent auf einen Warenwert von 31,6 Milliarden Franken gesunken sind. Verantwortlich für diese Rückgänge waren vor allem die europäischen Nachbarländer (-5,2 %). Positiv hatten sich hingegen die Ausfuhren nach Asien (+5,3 %) und in die USA (+11,4 %) ausgewirkt. Angesichts der Entwicklungen der letzten Wochen in China könnte sich dieser Trend jedoch in der zweiten Jahreshälfte umkehren. Immerhin ist Asien mit 20 Prozent die zweitwichtigste Absatzregion für die MEM-Industrie.

Entsprechend trüb sind die Erwartungen der Industrie. So rechnen fast zwei Drittel der Konzerne in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang zwischen 5 und 20 Prozent. 35 Prozent erwarten sogar einen operativen Verlust. Nur rund 28,1 Prozent gehen tatsächlich davon aus, wieder mehr Aufträge an Land ziehen zu können. „Die leichte Abschwächung des Frankens in den letzten Wochen ist zwar erfreulich und hilft den Unternehmen“, so der Verband. Allerdings sei der Franken nach wie vor überbewertet. „Um die Situation in der MEM-Industrie nachhaltig zu verbessern, bräuchte es eine deutliche und vor allem dauerhafte Abschwächung des Frankens.“

Aus diesem Grund erwartet der Verband, dass in den kommenden sechs Monaten weitere Restrukturierungsmaßnahmen und mehr Kurzarbeit in der Branche umgesetzt werden. Ein nicht kleiner Teil erwägt zudem die Verlagerung von Produktionsteilen ins Ausland (18 %), was wiederum einen Arbeitsplatzverlust für die Schweiz bedeuten würde. „Trotzdem wird die Industrie in der Schweiz nicht untergehen“, so SWISSMEM. „Die Unternehmen handeln und die Mehrheit wird Lösungen finden – auch wenn sich diese nicht immer in der Schweiz realisieren lassen.“

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