Ausverkauf: China lässt Aktienkurse weltweit fallen

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China lässt die Märkte erzittern: Die europäischen Aktienbörsen gingen am Montag auf Talfahrt, der Dax rutschte unter die 10.000 Punkte-Marke. Die US Equity Futures fielen um 2,5 Prozent, der Shanghai Composite gab gleich zu Handelsbeginn 3,8 Prozent nach.

Erstmals seit Mitte Januar ist der Dax wieder unter die Marke von 10.000 Punkten gefallen.  Die Entwicklungen in China führen zu regelrechten Ausverkäufen auch an anderen Börsen weltweit. Deutlich bergab ging es auch für die Preise der Industrierohstoffe Öl und Kupfer. „Anleger fürchten, dass die Wachstumsdelle in China in der Weltwirtschaft ihre Spuren hinterlassen wird“, sagt Tobias Basse, Analyst bei der NordLB. „Das macht die Investoren so super-nervös.“

Der Dax fiel in der Spitze um 3,6 Prozent auf 9760 Zähler. Anfang April hatte er noch auf einem Rekordhoch von 12.390,75 Zählern notiert. Seine Jahresgewinne von zeitweise 26 Prozent sind inzwischen aufgezehrt. Der EuroStoxx50 verlor bis zu 3,5 Prozent. Belastet wurden die Märkte auch durch einen wieder erstarkten Euro, der europäische Waren im Ausland verteuert. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,1499 Dollar.

Die Anzeichen für eine stärkere Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hatten sich zuletzt gemehrt. Viele Konjunkturdaten enttäuschten, zudem geriet die Landeswährung Yuan vor knapp zwei Wochen deutlich ins Straucheln. Viele Anleger sahen darin einen weiteren Hinweis, dass es um die chinesische Wirtschaft derzeit alles andere als gut bestellt ist.

Der Shanghai-Composite rauschte am Montag zeitweise um neun Prozent in die Tiefe und fiel damit auf den tiefsten Stand seit mehr als sechs Monaten. Die Entscheidung der Regierung, Pensionsfonds erstmals Investitionen am Aktienmarkt zu gestatten, blieb ohne spürbare Auswirkungen. Investoren hatten offenbar damit gerechnet, dass die chinesische Notenbank die Märkte mit neuen Geldspritzen stützt. Dies blieb jedoch aus. Zwischenzeitlich sanken 2.000 Aktien um zehn Prozent.

Am Rohstoffmarkt rutschten die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI in der Spitze mehr als drei Prozent ab und notierten mit 44 und 39 Dollar je Fass auf dem tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Kupfer war mit 4903 Dollar je Tonne ebenfalls so billig wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. China gilt als einer der größten Verbraucher von Rohstoffen – schwächelt die Wirtschaft im Reich der Mitte, fürchten Anleger einen deutlichen Nachfrageeinbruch.

Die Befürchtungen, dass sich der Wachstumsrückgang im Reich der Mitte als langfristiger Trend herausstellen könnte, belastet vor allem exportorientierte Industriezweige wie die Autobauer, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. BMW und Daimler verloren im Dax am Montag jeweils mehr als drei Prozent. Der europäischen Branchenindex gab in der Spitze mehr als vier Prozent nach, seit Monatsbeginn kommt er auf ein Minus von rund 13 Prozent.

Zuflucht suchten die Anleger am Montag in den gern als sichere Häfen angesteuerten zehnjährigen Bundesanleihen. Die Kurse stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite bis auf ein Drei-Monats-Tief 0,541 Prozent zurück.

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