China, Russland, Brasilien: Deutsche Unternehmen kämpfen um Marktanteile

Lange waren die so genannten BRICS die Hoffnungsträger für westliche Exporteure. Mancherorts fast zweistellige Wachstumszahlen, wachsende Unternehmen und immer mehr Geld verdienende Einwohner als neue potentielle Kunden schienen ideal auch für deutsche Unternehmen, um weiter zu wachsen. Doch nach und nach ist nur noch von Exporteinbrüchen nach Russland und Brasilien die Rede und von verheerenden Konjunkturdaten aus China.

Nach der Eurokrise scheint die BRICS-Krise zu folgen, wenn auch aufgrund ganz anderer Fundamentaldaten. Die aktuellen Entwicklungen in China, Russland und Brasilien haben zu deutlich geringeren Exporten bei deutschen Unternehmen geführt. Und das schon, obwohl in China beispielsweise noch immer ein BIP-Wachstum vorhanden ist. Nur eben nicht mehr quasi im zweistelligen Bereich. Angesichts der Nervosität der Händler in den vergangenen Tagen und den weiter sinkenden Rohstoffpreise wird sich an der negativen wirtschaftlichen Entwicklung jedoch in den kommenden Monaten nicht viel ändern. Entsprechend müssen sich deutsche Exporteure nach neuen Märkten umschauen bzw. ihre Gewinnerwartungen und Kosten senken. Denn eigentlich gehen inzwischen rund 40 Prozent der deutschen Exporte in die großen Schwellenländer.

Die russische Wirtschaft beispielsweise leidet massiv unter den Sanktionen die zwischen der EU und Russland sowie den USA aufrechterhalten werden. Doch das Land ist auch geschwächt durch den massive Abfall des Ölpreises, durch die Rubelschwäche und das sinkende BIP. Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew spricht von einem BIP-Rückgang in Höhe von 3,3 Prozent in diesem Jahr. Bisher wurde ’nur‘ mit einem Rückgang um 2,8 Prozent gerechnet. Allein Im Juli schrumpfte das russische BIP um 4,6 Prozent. Nachdem mehreren Banken des Landes bereits die Lizenz entzogen wurde, verkündete nun auch die größte Bank des Landes, die Sberbank im zweiten Quartal einen Einbruch des Überschusses um 44 Prozent auf 685 Millionen Euro. Mitte der Woche sank der Russische Rubel dann auf ein Jahrestief.

Die Sanktionen zwischen Russland und der EU wurden vor ein paar Wochen erneut verlängert. Beide Seiten müssen dadurch herbe Verluste verkraften. Die deutsche Ausfuhren nach Russland verringerten sich in der Zeit zwischen Januar und Juni um etwa 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für dieses Jahr rechnet der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft insgesamt mit einem Einbruch um ein Viertel oder neun Milliarden Euro. Gleichzeitig sanken auch die Importe aus Russland um 24 Prozent.

Zuletzt erst machte Russland Schlagzeilen mit einem Waschmittelverbot westlicher – auch zwei deutscher – Unternehmen. „Wir haben uns schon früher gegen Protektionismus ausgesprochen, weil solche Mittel dem Markt, dem Verbraucher und letztlich auch dem Image Russlands schaden“, sagte Der Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Rainer Seele, dazu. Auch dieses Mal wende man sich in aller Deutlichkeit an die russische Regierung, diese Verbote schnellstens zu überdenken und zurück zu nehmen. Es erscheine wenig glaubwürdig, dass Unternehmen, die in einigen hundert Ländern der Welt handeln, nur in Russland die Anforderungen an Qualitäts- und Verbraucherschutz nicht erfüllen.

Es war auch Rainer Seele der zuletzt nach einem Ende der Sanktionen rief. Immerhin sind 46 Prozent der Mitglieder der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer nach eigenen Aussagen wirtschaftlich von den Sanktionen betroffen. Russland den Rücken kehren wollen aber die wenigsten. So seien nach wie vor rund 6.000 deutsche Betriebe in Russland aktiv – die größte ausländische Business Community – fast keiner verlasse das Land, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Man habe sich in der Krise eingerichtet.

Ganz einfach werden die Unternehmen die Krise mit Russland aber nicht wegstecken, schon gar nicht, angesichts der Turbulenzen in China. Während die Regierung nach eigenen Angaben die Wirtschaft konkurrenzfähiger macht und müde Staatsunternehmen die finanzielle Unterstützung entziehen will, kommen die Einschläge von allen Seiten. So viel der Einkaufsmanager-Index Chinas auf mittlerweile 47,1 Punkte, also deutlich unter die Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Zwar wird ein BIP-Wachstum in Höhe von etwa sieben Prozent erwartet, aber das scheint nicht zu reichen.

Die Aktienkurse des Landes sind seit Wochen auf Talfahrt, Zinssenkungen und Geldspritzen in den Interbankenmarkt sollen das System neben Aktienkäufen der Rentenfonds stützen. Doch bis jetzt zeigen diese Maßnahmen kaum Wirkung. Seit Monatsbeginn hat die Furcht vor einem Konjunktureinbruch in China den Leitindex bereits um rund 19 Prozent einbrechen lassen.

Demzufolge rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag für die deutschen Exporte nach China nur noch mit einem Wachstum um zwei Prozent. „Es zeigt sich jetzt, dass sich der Wechsel vom export- und investitionsdominierten China zu einem konsumorientierten und nachhaltig produzierenden Wachstumsmodell schwierig gestaltet.“ Das trifft neben den Maschinenbauern vor allem die deutschen Autobauer. Immerhin ist China der weltgrößte Automarkt. Im Juli schrumpfte der Absatz in China nach jahrelangem Boom dem Branchenverband CAAM zufolge um 7,1 Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge. Vor allem VW trifft das schwer, das Unternehmen macht mittlerweile einen Großteil seiner Umsätze im China. „Jahrelang konnten die deutschen Autokonzerne der weltweiten Konkurrenz die Rücklichter zeigen – nun wird die Luft auch für sie dünner“, sagte EY-Partner Peter Fuß. „Die starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt könnte sich nun als Achillesferse erweisen.“  Volkswagen etwa habe im zweiten Quartal 36 Prozent seiner Autos in China verkauft, bei BMW lag der Anteil bei 20 Prozent, bei Daimler bei 16 Prozent.

Etwa 5.200 deutsche Unternehmen sind direkt in China angesiedelt. Auch diese Firmen sehen pessimistischer in die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Während noch bei der Vorjahresumfrage knapp 49% der Befragten eine weitere Verbesserung der Wirtschaftslage gesehen hatten, war es nun nur knapp ein Drittel. Das zeigt eine Umfrage von Germany Trade Invest China. „Erstmals haben wir damit ein Bild, in dem die Mehrheit nicht mehr von einem deutlichen Wachstum der Gesamtwirtschaft ausgeht“, so Titus von dem Bongart, Vorstandsvorsitzender der deutschen Handelskammer in Shanghai.

In Brasilien läuft es dagegen schon seit längerer Zeit für etliche deutsche Unternehmen nicht mehr so gut. Umso wichtiger war auch die umstrittene Reise Merkels nach Brasilien vor wenigen Tagen. Auch Brasilien kämpft mit schlechten Konjunkturdaten und dem niedrigen Ölpreis. Präsidentin Rousseff rechnet mit sechs bis maximal zwölf weiteren Monaten der Rezession. In den ersten sechs Monaten fiel das BIP um sechs Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt. Der IWF geht von einem Rückgang des BIP um 1,5 Prozent in diesem Jahr aus.

Mit fast zehn Prozent ist die Inflation auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren. Erst vor etwa zehn Tagen war es zudem wieder zu Massenprotesten im Land gekommen. Die Demonstranten forderten erneut den Rücktritt der Präsidentin. Grund hierfür sind die schwierige wirtschaftliche Lage und Korruptionsvorwürfe. Moody’s stufte die Bonität des Landes Anfang des Monats fast auf Ramsch-Niveau.

Im Juli etwa war der Autoabsatz in Brasilien um fast ein Viertel eingebrochen. Daimler kündigte aus diesem Grund noch einmal weitere Stellenkürzungen um 1.500 Stellen an. VW verbuchte zwischen Januar und März in Brasilien einen Rückgang des Pkw-Verkaufs um 16,9 Prozent. Vor allem aufgrund von Russland und Brasilien war VWs Operatives Ergebnis auf 237 Millionen Euro gesunken. Das Land ist immerhin Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Außerdem sind 1.400 deutsche Unternehmen in Brasilien tätig. Doch im vergangenen Jahr waren die deutschen Exporte nach Brasilien um acht Prozent gefallen. Für dieses Jahr wird mit einem Minus um fünf Prozent gerechnet.

Kommentare

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  1. Dieter von Haag sagt:

    In der Vergangenheit wurde Deutschland für Hochwertige Produkte benötigt, BRICs haben ja auch nur den Billigsektor gehabt. In Zukunft werden diese Länder aber auch Hochwertige Produkte selbst bauen. Und so benötigt man weniger aus Deutschland. Ist aber ein Problem vieler Länder auf der Welt. Man braucht sich nur mal die Unterhaltungselektronik Produktion der letzten 30 Jahre ansehen. Deutschland hat ihren Binnenmarkt und den sozialen Frieden allein dem Export geopfert. Nur was ist wenn der Export zurück geht.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Da verdichtet und sumiert sich so einiges.
    Geldpumpe und Gesundbeten wirken da immer weniger.
    Freundliche Grüsse

  3. bürgerhans sagt:

    Ich verstehe die einseitige Sichtweise der DMN- Redaktion nicht: Ich ärgere mich dieser Tage über viele Schlagzeilen in Veröffentlichungen, die lauten:

    „Die Furcht vor einer anhaltenden Wachstumsschwäche der chinesischen Volksrepublik“

    oder ähnlich. Haben Sie, die Sie das schreiben, eigentlich eine Ahnung von Globalisierung? Haben Sie, die Sie das schreiben, eigentlich eine Ahnung wie die sehr engen Verbindungen zwischen den Volkswirtschaften funktioniert?

    China wurde von dem Westen ausgesucht, um dort aufgrund der niedrigen Lohnkosten und (eigentlich) politisch stabilen Situation BILLIG Waren herzustellen. Die Investitionen des Westens in China waren immer auch dafür gedacht, den heimischen Markt und auch den Weltmarkt mit preisgünstigeren Waren zu versorgen. Ganze Branchen sind umgezogen nach Asien – sicherlich auch in der Hoffnung, dass dortige Arbeitsplätze Kaufkraft ermöglichen, so dass Produkte einen kurzen Weg zum Verbrauchen haben. Aber in erster Linie war China zunächst und teilweise heute ist es noch so, verlängerte Werkbank des Westens.

    DAHER: wenn die Nachfrage im Westen sinkt, dann sinken auch die Aufträge des Westens in China. Das bedeutet, dass die Konjunktur Chinas DIREKT gekoppelt ist an der Produktenachfrage des Westens. Ursache ist also nicht China, sondern der Westen, der seit Jahrzehnten (damals waren in Deutschland die Vertreter der FDP die neoliberalen Könige) eine massive Umverteilung durchführt:
    – Reiche werden immer reicher
    – Arme werden immer ärmer
    – der Mittelstand ist „ausgerottet“.
    Woher also die Nachfrage?

    Wer diese logische Prozesskette nicht bedenkt, der kommt immer zu dem falschen Schluss: China ist Schuld an dem derzeitigen Weltcrash.

    • Hans von Atzigen sagt:

      @bürgerhans
      Die DMN zeigt lediglich sehr gut auf was Fakt ist.
      Wenn Sie Wissen wollen wie das jetzt weitergehen
      soll oder kann,dann solten Sie bei denjenigen
      Nachfragen die, die ganze Globalisierunge Hype
      durchgedrückt haben.
      Klartext schludrig erarbeitet haben.
      War ohne wenn und aber absehbar das, das
      nachhaltig nicht funktionieren kann.
      Wollten einfach nur sehr wenige wissen.
      Freundliche Grüsse

    • Alfred Beer sagt:

      Ich könnte es nicht besser beschreiben.

      Und wenn dieser „China-Vorteil“ schwindet dann springt der Westen ins nächste Land.

      Es warten da ja noch Länder wie Indien, Indonesien.