Österreich setzt auf Mittel- und Osteuropa

Derzeit verschieben sich die Absatzmärkte der österreichischen Exporteure. Eine immer wichtigere Rolle nehmen dabei die neuen EU-Länder wie Polen, die Slowakei und Slowenien ein. In diese Region steigen Exportvolumen und Auslandsengagement österreichischer Banken.

In Folge der Eurokrise und der abflauenden Konjunktur in den BRICS-Staaten haben sich Österreichs Unternehmen nach und nach auf einen neuen Mart konzentriert. Die Bedeutung der mittel-, ost- und südeuropäischen Länder MOSOEL hat deutlich zugenommen, wie eine Analyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche zeigt. Zwar ist Deutschland mit einem Anteil von 29 Prozent am gesamten Güterexport noch immer der wichtigste Exportpartner Österreichs, doch zwischen 2005 und 2014 ist dieser Anteil um fast zwei Prozentpunkte gefallen. Ähnliches auch beim zweitwichtigsten Exportland Italien. Hier ging der Anteil um mehr als zwei Prozentpunkte auf etwa 6 Prozent zurück.

Im gleichen Zeitraum aber wuchs der Exportanteil der MOSOEL-Länder um 4,5 Prozentpunkte auf 24,5 Prozent an. „Der Großteil dieses Anstieges ist auf die Entwicklung in den mitteleuropäischen NMS-5 (das sind Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn) zurückzuführen, und dabei wiederum insbesondere auf die Slowakei“, heißt es in der Analyse. Allein die Slowakei konnte die Exportanteile um zwei Prozentpunkte steigern und liegt mit 4 Prozent nur knapp hinter Frankreich.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im selben Zeitraum bei den Güterimporten. Auch hier gingen die Importe aus Deutschland beispielsweise um fast 5 Prozentpunkte auf einen Marktanteil von 41 Prozent zurück. Die NMS-5 erhöhten ihren Marktanteil um 3 Prozentpunkte auf 13 Prozent, der Anteil der MOSOEL stieg auf 19,5 Prozent. Die Tschechische Republik beispielsweise kam so mittlerweile auf Rang vier der wichtigsten Importländer für Österreich. „Somit zeigt sich sowohl bei den Güterexporten als auch bei den Güterimporten, dass Österreich Teil eines mitteleuropäischen (Automobil- und Maschinenbau-) Produktionsclusters ist, innerhalb dessen es zu leichten Verschiebungen von Handelsströmen weg von Deutschland und hin zu den benachbarten NMS kommt.“ Die noch immer anhaltende Produktionsverlagerung von Deutschland in die MOSOEL könnte diese Entwicklung noch befördert haben.

Finanziell gesehen, gibt es auch eine enge Verflechtung zwischen Österreich und den MOSOEL-Ländern. So befinden sich unter den Top-10-Zielländern für Investitionen immerhin fünf Länder aus der Region, wenn auch die Höhe der Direktinvestitionen zurückgegangen ist. Gleichzeitig fließen aber auch Direktinvestitionen aus den MOSOEL-Ländern nach Österreich. In Kroatien, Serbien, Slowenien und Bosnien und Herzegowina ist Österreich das Top-Land für Direktinvestitionen. Und während die österreichischen Banken ihr Auslandsengagement seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 fast kontinuierlich zurückfuhren, habe sie es in mittel-, ost- und Südeuropa auf 60 Prozent der gesamten Auslandsforderungen erhöht. Hier allerdings gingen die Gelder auch größtenteils an die neuen EU-Mitgliedsstaaten NMS.

Tatsächlich finden sich derzeit vor allem in diesen MOSOEL-Ländern die höchsten Wachstumsraten in Europa. Wachstumsraten von 3 bis 4 Prozent werden in der Slowakei, in Ungarn, Polen, Slowenien, Tschechien und Rumänien gemeldet. Und auch in diesem Jahr wird deshalb beispielsweise in elf der neuen Mitgliedsstaaten ein Anstieg der Netto-Exporte erwartet. In den GUS-Ländern wie Kasachstan, Moldau, Ukraine, Usbekistan und Belarus wird aufgrund der anhaltenden Ukraine-Krise mit einer Verschlechterung der Netto-Exporte gerechnet.

Dass aus dem dankbaren Abnehmer österreichischer Waren aber auch schnell ein großer Konkurrent für die österreichischen Unternehmen wird, verneint das Institut in seiner Analyse. So könnten zwar alle MOSOEL im Zuge ihres wirtschaftlichen Aufholprozesses ein höheres Produktivitätswachstum als Österreich ausweisen, mit Ausnahme von vier Volkswirtschaften, haben aber alle ein um ein Vielfaches höheres Bruttolohnwachstum in Euro in derselben Zehnjahresperiode zu verzeichnen hatten. „Sollte dieser Trend sich längerfristig fortsetzen, kann man davon ausgehen, dass die österreichische Wettbewerbsfähigkeit auch weiterhin nicht von den MOSOEL in Bedrängnis gebracht wird.“ Vielmehr werden diese Staaten auch zukünftig mit einem Wachstumsdifferential von rund 1,5 Prozent zur Eurozone ein wichtiger Absatzmarkt für österreichische Güter und Dienstleistungen bleiben.“ Zumal auch der Dienstleistungs- und Tourismussektor in Österreich von den guten Wirtschaftsdaten in den MOSOEL profitiert und eben nicht nur die Industrie.

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