Ökonomen erwarten Rezession in der Schweiz

Die Aufwertung des Frankens und die sinkenden Exporte in Länder wie China haben der Schweizer Wirtschaft zugesetzt. Ökonomen rechnen damit, dass die Schweizer Wirtschaft in diesem Jahr erstmals wieder in eine Rezession rutscht.

Der starke Franken dürfte der Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr zwar nicht ganz so stark zugesetzt haben wie befürchtet. Von Reuters befragte Volkswirte gehen aber davon aus, dass die Schweiz erstmals seit sechs Jahren wieder eine Rezession durchlebt. Das Bundesamt für Statistik wird die offiziellen Zahlen für das zweite Quartal am Freitagmorgen veröffentlichen.

Die Ökonomen rechnen damit, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft ist. Im ersten Quartal hatte das Minus 0,2 Prozent betragen. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. Letztmals war das in der Schweiz im Jahr 2009 der Fall.

Der Abschwung ist Fachleuten zufolge der Abkehr der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Euro-Mindestkurs am 15. Januar geschuldet, die den Franken sowohl gegenüber dem Euro als auch zum Dollar massiv steigen ließ. Dadurch verteuerten sich Schweizer Produkte im Ausland und die Wirtschaft verlor deutlich an Wettbewerbsfähigkeit.

Zu den am stärksten betroffenen Branchen zählen der Tourismus, weil weniger Reisende in die Alpenrepublik kommen. Aber auch der Einzelhandel in der Schweiz leidet, weil die Schweizer Konsumenten für ihre Einkäufe vermehrt ins grenznahe Ausland fahren, wo ihre Franken schlagartig an Kaufkraft gewonnen haben. Einzelne Branchen wie beispielsweise die stark exportorientierte Maschinen- und Uhrenindustrie wurden ebenfalls gebremst. Dagegen lief die Binnenkonjunktur dank des boomenden Immobilienmarktes und der Negativzinsen erfreulich. Die Kaufkraft der Konsumenten und die Löhne nahmen zu und die Preise fielen so deutlich wie seit 1959 nicht mehr.

Die Rezession dürfte nicht von Dauer sein. „Insgesamt fühlt sich dies nicht wie eine richtige Rezession an “, sagte Daniel Kalt, Chefökonom bei der Großbank UBS. Es sei nur eine leichte Rezession, weil der größte Teil des Währungsschocks durch die Binnenwirtschaft aufgefangen werde.

Ob die Abschwächung in China einen Einfluss auf die Schweiz haben wird, könne noch nicht beurteilt werden, sagten Ökonomen. Aber ein schwächerer Franken verbunden mit einem günstigeren Ausblick für die europäische Wirtschaft ließen für 2015 insgesamt ein positives Wachstum erwarten.

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