Slowakei wird wichtiger Automobilstandort in Europa

Jaguar Land Rover will in der Slowakei eine neue Fabrik für Luxuswagen bauen. Die Slowakei wird in der EU als Automobilmarkt vor allem in puncto Fertigung immer wichtiger. VW und Kia sind bereits im östlichen Nachbarland tätig.

Die Slowakei wird zunehmend zur Automobilnation. Jaguar Land Rover wird sich nun ebenfalls mit einer Fabrik niederlassen. „Nach einer soliden Analyse einer ganzen Reihe möglicher Orte in Europa, den USA und Mexiko hat sich Jaguar Land Rover für die Slowakei als den bevorzugten Standort entschieden, da sie eine starke Zulieferkette und eine gute logistische Infrastruktur bietet“, hieß es von Seiten Jaguar Land Rovers. Die Slowakei biete mit ihrer bereits etablierten Automobilindustrie für Premiumprodukte attraktive Entwicklungsperspektiven. „Die geplante neue Fertigungsstätte ergänzt unsere bestehenden Fabriken in Großbritannien, China und Indien sowie die in Brasilien geplante Anlage“, sagte Ralf Speth von Jaguar Land Rover.

Geplant ist, in der Fabrik in Nitra im Laufe der nächsten zehn Jahre 300.00 Autos vom Bank laufen zu lassen. Bereits 2018 sollen erste Fahrzeuge die Fabrik verlassen. Vor allem Aluminium-Karosserien sollen dabei im Vordergrund stehen. Die Absichtserklärung für den Bau der Fertigungsstätte ist bereits unterzeichnet worden.

Die Automobilindustrie ist mittlerweile ein bedeutender Faktor für die Wirtschaft des Landes. Sie macht immerhin 12 Prozent des BIP aus, so die slowakische Automobilvereinigung. Sie trägt 26 Prozent zum Gesamtexport des Landes bei. Neben Jaguar Land Rover haben auch VW, Kia und PSA Produktionsstätten in der Slowakei. Mit der neuen Fabrik könnte sich die Automobilproduktion des Landes bis 2018 auf 1,3 Millionen Fahrzeuge erhöhen. Das ist fast doppelt so viel wie Tschechien produziert, so Germany Trade Invest (GTAI). „In Mittelosteuropa hätte nur noch Russland eine größere Fahrzeugindustrie.“

Ende August lief im VW-Werk in Bratislava der 777.777 Volkswagen Touareg vom Band – für einen Kunden aus China. 1991 schon war VW in der Slowakei zugegen. Der Umsatz von VW Slowakei lag im vergangenen Jahr bei 6,17 Milliarden Euro, 9.900 Mitarbeiter zählt das Unternehmen dort. Neben dem Werk in Bratislava gibt es auch noch eines in Martin und in Košice.

Und auch in der Slowakei selbst wurden im vergangenen Jahr so viele Neuwagen zugelassen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dem Verband ZAP SR zufolge wurden über 72.000 neue Pkw registriert, ein Plus von 9% gegenüber dem Vorjahr.  Am beliebtesten sind in der Slowakei die Wagen der unteren Mittelklasse (38 %), gefolgt von Kleinwagen und SUVs.

Rund 320 Kfz-Zulieferer decken derzeit einen Großteil der Lieferkette für die Automobilindustrie von Tier-1 bis Tier-3 ab. „Sie produzieren vor allem Karosserieteile, elektrische Systeme und Kabel, Innenausstattung, Getriebe oder Abgasanlagen und sind meist auf den Export orientiert“, so GTAI. Zu den umsatzstärksten Herstellern gehören demnach Mobis (Fahrgestelle), Continental Matador Rubber (Reifen), Johnson Controls (Sitze, Autobatterien), SAS Automotive und Faurecia (beide Innenraumausstattung).

Das wichtigste Lieferland ist derzeit noch Deutschland. Von Januar bis September 2014 wurden aus Deutschland Kfz-Teile im Wert von 1,4 Milliarden Euro in die Slowakei importiert. Aber eben im gleichen Zeitraum auch Teile im Wert von 2,1 Milliarden Euro exportiert. Während jedoch die Exporte nach Deutschland nur leicht abnahmen, gingen die Ausfuhren nach Russland im angegebenen Zeitraum mit 12 Prozent sehr stark zurück. Der Export nach Spanien, Frankreich, Österreich und Ungarn hingegen stieg deutlich.

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