Lebensmittelindustrie profitiert von Chinas Milchhunger

Die Lebensmittelindustrie konnte ihre Exporte nach China in den ersten sechs Monaten des Jahres um fast 50 Prozent steigern. Vor allem Molkereiprodukte boomen weiterhin. Die Industrie hofft auf weitere Abkommen auch für Waren wie Rindfleisch, die nicht exportiert werden dürfen.

Während die deutschen Auto- und Maschinenbauer unter der flauen Nachfrage im lange boomenden China leiden, entzieht sich eine Branche dem Abwärtstrend: die Lebensmittelindustrie. Deren Exporte in die Volksrepublik kletterten im ersten Halbjahr um 47 Prozent auf 604 Millionen Euro, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Montag auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Durch das starke Wachstum könnte in diesem Jahr die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro geknackt werden. Zum Vergleich: Die gesamten Exporte nach China legten in den ersten sechs Monaten gerade einmal um 0,8 Prozent zu.

Nach Angaben der für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständigen Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) steckt hinter den boomenden Nahrungsmittelexporten vor allem die starke Nachfrage nach Molkereiprodukten wie Trinkmilch und Milchpulver. „Man traut den eigenen Milchprodukten wegen der vielen Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre nicht über den Weg“, erklärte die GTAI-Vertreterin in Peking, Stefanie Schmitt. „Die Nachfrage nach Milch ist in den vergangenen Jahr so stark gestiegen, dass die heimischen Bauern und Molkereien den Bedarf gar nicht decken können.“ Deutsche Milch sei zudem vergleichsweise preiswert. „Sie ist günstiger als beispielsweise die aus Australien oder Neuseeland“, sagte Schmitt. „Dazu kommt noch: Made in Germany ist ein Qualitätsbegriff, der längst von Autos und Maschinen auf andere Produkte übertragen wird.“

Der Branche wird viel Wachstumspotenzial in der Volksrepublik zugetraut. „Die Nachfrage nach deutschen Produkten ist groß, aber viele Waren dürfen gar nicht exportiert werden – etwa Rindfleisch oder auch bestimmte Obst- und Gemüsesorten“, sagte Schmitt. „Grund dafür ist, dass Abkommen fehlen.“ Das treffe auch Bioprodukte. Selbst wenn sie in Deutschland zertifiziert seien, würden sie in China nicht anerkannt.

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