Deutschland ist US-Firmen nicht innovativ genug

Trotz guter Umsätze haben die amerikanischen Unternehmen in Deutschland ihre Investitionen zurückgefahren. Zwar ist das Land als Standort sehr beliebt, doch beispielsweise in Sachen Innovation rechnen die amerikanischen Firmen bald damit, dass Deutschland sich abhängen lässt.

Zahlreiche amerikanische Unternehmen wie Ford, McDonald’s, ExxonMobil sind seit vielen Jahren in Deutschland erfolgreich tätig. So konnten die Top 50 US-Unternehmen im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 170 Milliarden Euro in Deutschland erwirtschaften, eine leichte Steigerung um ein Prozent. Vor allem in der Automobil-, IT- sowie der Rohstoff- und Energiebranche sind die Unternehmen tätig. Ford beispielsweise erzielte 2014 in Deutschland einen Umsatz in Höhe von 17,47 Milliarden Euro, Opel erreichte 13,49 Milliarden Euro. Und so fiel die Note für den Standort Deutschland mit 2,1 besser aus als noch im vergangenen Jahr.

Zu den größten Arbeitgebern unter den US-Firmen in Deutschland zählen McDonald’s mit etwa 60.000 Mitarbeitern, Ford mit 23.441 Mitarbeitern und Opel mit 22.298. Allein die Top 30 US-Unternehmen in Deutschland bieten 340.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Allerdings sind die amerikanischen Unternehmen nicht mit allem zufrieden. „Der Standort Deutschland ist beliebt, aber nicht belebt. Trotz eines offensichtlichen Sympathiebonus ist Deutschland derzeit ein weniger attraktives Investitionsziel für ausländische Unternehmen“, sagt Frank Riemensperger, Vize-Präsident von AmCham Germany. „Dass sich US-Unternehmen mit Investitionen in Deutschland zurückhalten, ist ein Weckruf für unseren Wirtschaftsstandort.“

Deutschland müsse alles daran setzen, ein attraktiver Standort zu bleiben. „Heute profitieren wir noch von der Euro-Schwäche und starker Exportnachfrage aus China. Allerdings kann Deutschland nicht auf Dauer auf diese Faktoren bauen.“ Die Branchenanalyse der Top 50 US-Firmen zeige, dass vor allem digitale Vorreiter mit unverminderter Wachstumsgeschwindigkeit punkten. Deshalb werde es für Unternehmen beidseits des Atlantiks in Zukunft darum gehen, neue Wachstumsfelder mit technologiegetriebenen Innovationen zu erschließen.

So sehen die Unternehmen in zehn Jahren China vor Deutschland in puncto Innovation, wie eine Umfrage der deutsch-amerikanischen Handelskammer zeigt.54 Prozent der Top 50 US-Unternehmen gaben an, dass der Ausbau der Digitalisierung für Deutschlands Zukunft wichtig sei. TTIP erachten 46 Prozent der Unternehmen als wichtig. Aber auch hier erwarten sich die Unternehmen positive Effekte vor allem bei Forschungskooperationen.

Darüber hinaus sehen zur Zeit 62 Prozent der US-Unternehmen ihr eigenes Land und 28 Prozent Deutschland als Vorreiter im Bereich der Innovationen. Interessanter Weise ändert sich das jedoch mit einem Blick in die Zukunft. Während derzeit nur vier Prozent der Unternehmer China als Vorreiter bei den Innovationen sehen, gehen immerhin 38 Prozent davon aus, dass China 2025 Vorreiter sein wird. Genauso viele sehen die USA in der Rolle. Deutschland allerdings beurteilen für das Jahr 2025 nur noch 12 Prozent der US-Unternehmen als Innovationstreiber.

Das ist insofern auch interessant, da erst kürzlich eine Analyse der KfW auf das gute Abschneiden der deutschen Industrie beim OECD-Ranking zu Forschung und Entwicklung verwies. Und die deutsche Start-Ups in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen enormen Zulauf bei den Investoren hatten. 1,9 Milliarden Euro flossen in deutsche Start-ups – mehr als im ganzen letzten Jahr zusammen. Die US-Unternehmen scheinen jedoch davon auszugehen, dass Deutschland diese Position in Sachen Innovationen nicht ohne weiteres wird halten können.

Wichtig seien in diesem Zusammenhang die Aufgeschlossenheit der Gesellschaft gegenüber Technologien, der Ausbau der digitalen Infrastruktur, ein gründerfreundliches Umfeld für Jungunternehmer und auch Ausbildungs- und Studiengänge, die innovatives Denken fördern. Auf Seiten der Unternehmen sollten die Mitarbeiter stärker für neue Ideen sensibilisiert werden und unter vermehrt Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten eingegangen werden.

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Es gibt Produkt-, Prozess- und Systeminnovationen. Nennenswerte Beiträge dazu kommen allenfalls noch aus dem Mittelstand, der unter der Abgabenlast langsam zusammenbricht.
    Großabnehmer von Forschungssubventionen, wie etwa Siemens, tragen kaum noch etwas Nennenswertes zum Thema Innovation bei, weil sie die Performance nicht mehr aufbringen um etwa in der Kommunikationstechnik mithalten zu können. Dafür sind sie Weltmeister im Steuer sparen und im Investmentbanking. ALS DER SIEMENS-FORSCHUNGSCHEF Karl Heinz Beckurts das grundlegend ändern wollte, wurde er mitsamt seinem Fahrer in die Luft gesprengt. DER AMTIERENDE SIEMENS-CHEF Joe Kaeser hat bislang noch keinerlei erkennbaren Erkenntnisse daraus gezogen.