Verteidigungsminister: Griechenland wurde verraten und verkauft

Ganz vom Tisch ist ein Grexit nicht und auch die Frage, was nach den Neuwahlen kommt, ist nicht zu beantworten. Noch während der Bailout-Verhandlungen habe die Regierung eine Rückkehr zur Drachme geplant. Dies sei aber daran gescheitert, dass nicht genügend Währungsreserven gegeben habe. Die eigentlichen Verbündeten hätten sich zurückgezogen.

Griechenland hat eine neue Übergangsregierung, doch die Probleme sind nicht vom Tisch. Wenn das neue Parlament gewählt wird, könnte der Ausgang darüber entscheiden, inwiefern das neue Bailout tatsächlich umgesetzt werden wird. Denn wirklich vom Tisch ist ein Grexit noch immer nicht. Und eine mögliche Rückkehr zur Drachme war schon fast fest in Planung, wie neue Aussagen des Chefs der Unabhängigen Griechen Anexartiti Ellines, Syrizas Koalitionspartner, zeigt.

„Der Euro ist unumkehrbar – aber, ob es das auch für jedes einzelne Land ist, bleibt offen“, sagte der ehemalige EZB-Chefökonom Otmar Issing der CNBC. „Für Griechenland gibt es sehr gute Argumente, dass es dem Land gut tun würde, sich für einige Zeit außerhalb der Eurozone aufzuhalten“, so Issing. Aber das hänge von der griechischen Regierung ab.

Dass die bisherige Regierung Griechenlands dies eine Rückkehr zur eigenen Währung nicht zwangsläufig als schlechteste Option ansah, zeigt Panos Kammenos. Der Verteidigungsminister unter Tsipras Führung sagte im griechischen Fernsehen, dass man die Möglichkeit eines Grexits geprüft habe.

Allerdings scheiterte die Rückkehr zur Drachme daran, dass es nicht genug Geld gegeben hat. Man hatte nicht die notwendigen Währungsreserven, um einen Grexit durchzuführen, zitiert Kathimerini Kammenos mit Verweis auf Alpha TV. „Wir wurden verraten und verkauft, von allen, die gesagt hatten, sie würden uns helfen“, so Kammenos. „Wir hatten kein Rubel, als Sicherheit, und auch keine anderen Fremdwährungen“, sagte er in Anspielung auf Treffen mit hochrangigen Beamten n Athen und Moskau in den ersten Monaten nach der Wahl. Der Plan für den Grexit wurde aufgegeben, weil kein Geld da war. Aber „wenn es einen Weg hin zur Drachme mit realen Aussichten gegeben hätte, hätte ich nicht Nein gesagt“.

Ende Juli hatte Varoufakis, Griechenlands ehemaliger Finanzminister geheimen Notfallplänen zur Rückkehr zur Drachme gesprochen und damit Tsipras in Bedrängnis gebracht. Varoufakis sagte damals, er hätte ein kleines Team unter Führung des US-Volkswirts James Galbraith zusammengestellt, das im Verborgenen arbeiten sollte. Die Idee sei gewesen, jeder Steuernummer ein paralleles Konto zuzuweisen, über das Zahlungen hätten laufen können – zunächst auf Euro lautend, aber per Knopfdruck auf Drachmen umschaltbar.

Der Plan von Varoufakis scheint aber nach Aussagen des Verteidigungsministers unabhängig von den anderen Grexitplanungen gewesen zu sein. Kammenos zufolge habe Varoufakis mal etwas über Vorbereitungen „gemurmelt“, aber keine Details preisgegeben.

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