Deutsche Kleinunternehmen klagen über zu hohe steuerliche Belastung

Der deutsche Mittelständler erwartet deutlich mehr Unterstützung von Seiten der Politik. Vor allem eine Senkung der Unternehmensbesteuerung fordern viele. In den vergangenen zwei Jahren ist der Optimismus der kleinen und mittleren Unternehmen deutlich zurückgegangen. In den USA und selbst im Krisenland Spanien blicken die Mittelständler zuversichtlicher in die Zukunft.

Trotz der Turbulenzen in den BRIC-Staaten hat sich die Stimmung unter den Kleinunternehmern in vielen westlichen Ländern aufgehellt. Wie das jährliche Ranking ‚Hiscox DNA of an Entrepreneur Report‘ zeigt, erwarten in den USA 69 Prozent der Kleinunternehmen in den kommenden zwölf Monaten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. In den Niederlanden und in Spanien sind es 65 Prozent – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. In Deutschland allerdings schwindet der Optimismus der Kleinunternehmer. 61 Prozent der deutschen Unternehmer blicken optimistisch ins kommende Jahr. Damit rutschte Deutschland im Optimismus-Ranking  von Platz 1 auf Platz 5.

Und das, obwohl die wirtschaftlichen Daten der deutschen Kleinunternehmer in den vergangenen Monaten gar nicht so schlecht ausgefallen sind. So gaben die Befragten Unternehmen an, dass ihr Umsatz im Jahresvergleich um sieben und ihre Gewinn um vier Prozent gewachsen ist. Vor allem im Bausektor lief es gut.

Die große Unzufriedenheit mit der Politik spielt dabei bedeutende eine Rolle. Gerade einmal 32 Prozent der deutschen Kleinunternehmen geben an, dass sie sich von der Politik unterstützt fühlen. Auf die Frage, was sie von der Politik erwarten, antworteten dann immerhin 83 Prozent eine Senkung der direkten Unternehmensbesteuerung. Eine Analyse des DIHK zeigte jüngst, dass beispielsweise jede sechste Gemeinde 2014 die Hebesätze für die Gewerbesteuer erhöht hatten, teilweise auf 470 Prozent. Gestiegene Steuereinnahmen waren es auch, die zu einem Finanzüberschuss beim deutschen Staat geführt hatten.

Eine große Belastung ist aber auch weiterhin die Bürokratie. So gaben drei Viertel der deutschen Kleinunternehmen an, dass sie sich einfacherer Rechnungslegungsvorschriften wünschten. Zumal 41 Prozent zukünftig sogar noch weitere politische Hürden statt Unterstützung auf sich zukommen sehen. „Deutsche Kleinunternehmer wenden pro Woche 3 Stunden und 46 Minuten für bürokratische Anforderungen auf – 30 Minuten mehr als im Vorjahr und über 30 Minuten mehr als der Durchschnitt aller untersuchten Länder“, heißt es im Hiscox-Ranking.

„Ganz offensichtlich ist in Deutschland die Skepsis hinsichtlich einer weiterhin ansteigenden Wirtschaftsleistung größer als in den anderen untersuchten Ländern“, sagt Tobias Wenhart von Hiscox. Das zeige sich auch daran, dass lediglich 18 Prozent der befragten deutschen Kleinunternehmer ihre Investitionen in den kommenden 12 Monaten steigern wolle. Und nur 48 Prozent der befragten Unternehmen, im kommenden Jahr ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung auf den Markt zu bringen. Jedes achte Unternehmen plant sogar Ausgabenkürzungen im kommenden Jahr.

Während der Optimismus der Kleinunternehmen nicht mehr mit dem der USA und anderen europäischen Ländern mithalten kann, blickt der deutsche Mittelstand aber insgesamt positiver in die Zukunft. So stieg das mittelständische Geschäftsklima im August um 0,7 Zähler auf 17,9 Punkte im Vergleich zum Vormonat, wie das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt. Der gesunkene Ölpreis hat die Unternehmen deutlich entlastet. Die Erwartungen stiegen sogar um 1,3 Zähler aus 9,3 Punkte. „Die gute Stimmung zieht sich durch den ganzen Mittelstand. Besonders ausgeprägt ist sie im Einzelhandel, dem die steigende Beschäftigung und die spürbaren Einkommenszuwächse zugutekommen.“

Trotzdem die Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft und die Ausbildung junger Nachwuchskräfte extrem wichtig ist, wird Deutschland im Ausland nicht automatisch mit Unternehmertum in Verbindung gebracht. Bei der Frage, in welchen Ländern unternehmerisches Denken am stärksten verbreitet sei, landete Deutschland in vier der sechs untersuchten Länder auf dem dritten Rang, in zweien auf dem zweiten. Spitzenreiter waren mit Abstand die USA.

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