Milchbauern: Es wird immer wieder Milchkrisen geben

In zahlreichen deutschen und europäischen Städten gehen die Milchbauern auf die Straße. Sie demonstrieren gegen die niedrigen Milchpreise. Eine einfache Lösung gibt es nicht, denn es ist nicht der Handel, der das Problem erzeugt, sagt Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehalter. Eine Notfalldeckung auf EU-Ebene könnte aber ein Anfang sein.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Herr Foldenauer, erst am Dienstag waren wieder 3.000 Milchviehalter aus dem ganzen Bundesgebiet auf die Straße gegangen und haben in München demonstriert. Ziel war es, auf die schwierige Situation hinzuweisen. Abgelaufenes Milchpulver wurde in die Luft geblasen. Steht es tatsächlich so schlimm um die deutschen Milchbauern? 

Hans Foldenauer: Laut offiziellen Auswertungen der Buchführungsergebnissen liegen die durchschnittlichen Milcherzeugungskosten in DE bei rund 45 Cent/kg, gemäß den Zahlen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben auch die bestens geführten Milchviehbetriebe Milcherzeugungskosten von mindestens 41 Cent/kg. Alleine diese Zahlen bringen zum Ausdruck, dass bei einem Milchpreisniveau von aktuell im Bundesdurchschnitt bei 27 – 28 Cent liegend, die Liquiditätsprobleme der Milchviehhalter sich Monat für  Monat dramatisch zuspitzt. Gerade Betriebe, die investiert  und damit Kapitaldienst leisten zu haben, sind davon besonders betroffen. Von Banken kommt an diese Betriebe immer öfter das Angebot, für sie einen Investor zu suchen. Was das bedeutet, braucht nicht erläutert zu werden.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie stehen die deutschen Milchbauern im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn da? 

Hans Foldenauer: Die wirtschaftliche Situation für die EU-Milchviehhalter ist  in den Hauptmilcherzeugerländern  vergleichbar schlecht.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: China war 2013 noch Deutschlands wichtigster Drittlandskunde. Wie stark ist der Einfluss von Milchexporten nach China? Was passiert, wenn die chinesische Milch wieder von den Chinesen gekauft wird? 

Hans Foldenauer: Rund 12 bis 15 Prozent der Milchproduktion werden in Drittländer exportiert.Die Rückgänge der Exporte nach China konnten durch Zunahmen der Exporte in andere Länder (z.B. Ägypten) ausgeglichen werden. In der Gesamtsumme sind die EU-Exporte in 2014 wie auch im bisherigen Jahresverlauf angestiegen, allerdings nicht in dem Umfang, wie sich das manche „Marktträumer“ erhofft haben. Hauptursache für diese Milchkrise ist nicht ein Exportrückgang, unabhängig ob nach China, Russland etc., sondern eine 2014 um 6,5 Mio. Tonnen ausgeweitete EU-Produktion wie auch eine sich in 2015 andeutende weitere Ausweitung um rund 3 Mio. Tonnen. Wenn unser chinesischen Mitmenschen wieder mehr einheimische Milch konsumieren, kann weniger exportiert werden und bringt damit den Milchmarkt unter Druck.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Die Agrarminister haben von der EU finanzielle Hilfe für die Landwirtschaft gefordert. Reicht das? 

Hans Foldenauer: Nein, finanzielle Hilfen sind zwar dringend notwendig, lösen jedoch nicht das grundsätzliche Problem des Milchmarktes, durch eine über der Nachfrage liegenden EU-Milchproduktion globale Milchkrisen auszulösen. Damit werden in regelmäßigen Abständen sich Milchkrisen wiederholen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Sollte die Milchquote wieder eingeführt werden? 

Hans Foldenauer: Nein, was der EU-Milchmarkt allerdings braucht, ist ein wirkungsvolles EU-Sicherheitsnetz mit Instrumenten, die es ermöglichen, in Krisenfällen zeitlich befristet die Milchanlieferung zu deckeln.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie stark ist heute der Einfluss von Discountern wie Aldi und Lidl hinsichtlich der Milchpreise?

Hans Foldenauer: Der Handel ist für die Marktsituation nicht verantwortlich, er nutzt diese nur.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Was muss Ihrer Meinung nach geändert werden? 

Hans Foldenauer: Das in der Gemeinsamen Marktordnung  auf EU-Ebene installierte Sicherheitsnetz für den Milchmarkt muss um Instrumente ergänzt und ausgebaut werden, um in Marktkrisenzeiten eine weitere Ausweitung der Milchproduktion verhindern zu können. Der Bundesverband Deutscher Milchviehalter hat dazu ein Konzept entwickelt.

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