Expertise: Japan holt TU Graz zum Häuserbau

Die Technische Universität Graz hat zusammen mit der japanischen Regierung eine Kooperation beschlossen. Japan will vom Wissen der Österreicher bei dem Bau mit Massivholzbrettern profitieren. Holz ist in Japan ein noch reichlich vorhandener Rohstoff und die Bauweise hat ihre Erdbebensicherheit bereits unter Beweis gestellt.

In Sachen Innovation lässt Österreich sich nicht aufs Abstellgleis stellen. Doch nicht nur im Bereich der Digitalisierung hat sich Österreich international mittlerweile einen Namen erkämpft. Österreich setzt auf Holz. In Architekturkreisen wird die Alpenrepublik schon seit Längerem für ihre innovative, moderne und trotzdem zurückhaltende Holzbauweise gelobt. Nun will auch Japan von der Expertise in Sachen Holz profitieren.

Auf Wunsch der japanischen Regierung und im Beisein eines japanischen Staatsministers hat die TU Graz zusammen mit der Japan Cross Laminated Timber Association ein Memorandum of Understanding zur künftigen Kooperation im Bereich Holz-Massivbau mit Brettsperrholz unterzeichnet. Die TU Graz ist weltweiter Vorreiter bei dem Bau von Gebäuden aus kreuzweise verklebten Massivholzbrettern. Gemeinsame Forschungsprojekte und Austauschprogramme sollen die Zusammenarbeit verstärken.

„Brettsperrholz hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenprodukt zur stark nachgefragten und industriell gefertigten Ware entwickelt“, so die TU Graz. Und entsprechend kommen zwei Drittel der weltweit hergestellten Brettsperrholzplatten aus Österreich. Zwar ist der Export von Holz insgesamt in Österreich im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, aber das Gesamtexportvolumen liegt immer noch bei stolzen 4,78 Milliarden Euro.

Brettsperrholz (BSP bzw. CLT) wurde nach eigenen Angaben am Institut für Holzbau und Holztechnologie federführend entwickelt und ist seit 25 Jahren Forschungsschwerpunkt der TU Graz. „Aus kreuzweise flächig verklebten Massivholzbrettern entstehen ganze Massivholzwände, aus denen sich die Aussparungen für Fenster und Türen praktischerweise ausschneiden lassen“, sagt Institutsleiter Gerhard Schickhofer. In London stünden bereits ein acht- und ein zehnstöckiges Haus aus Brettsperrholz, auch in Australien und Italien befinden sich weitere mehrstöckige Brettsperrholzgebäude.

Das Brettsperrholz besteht aus mindestens drei rechtwinklig miteinander verklebten Massivholzbrettern, die zu bis zu 16 Meter langen und drei Meter breiten Holzwänden verarbeitet werden können. Dadurch, dass sich das Brettsperrholz in sehr großen Abmessungen produzieren lässt, kann es sowohl für die Herstellung von tragenden als auch raumbildenden Bauteilen verwendet werden. Außerdem haben die Elemente eine sehr niedrige Wärmeleitfähigkeit und verfügen über einen große Feuchte- und Wärmespeicherfähigkeit. Das führt zu einer natürlichen Regulierung des Wohn- und Arbeitsraumes.

Für die Japaner bringt diese Holzbauweise zwei Vorteile mit sich: der Rohstoff Holz ist vorhanden und die Bauweise hat sich als erdbebensicher erwiesen. Etwa 70 Prozent Japans sind bewaldet. So sollen der japanischen Forstbehörde zufolge bis 2024 dann jedes Jahr 500.000 Kubikmeter Brettsperrholz aus den eigenen Wäldern produziert und für den Häuserbau genutzt werden.

Die Erdbebensicherheit ist angesichts der Ereignisse von Fukushima für Japans geologische Lage sehr wichtig. Schon vor zwei Jahren präsentierten Wissenschaftler der TU Graz das Können des Baumaterials. Damals wurde ein dreistöckiges Gebäude aus Brettsperrholz – mit einer Höhe von acht Metern – auf einen riesigen Rütteltisch gestellt. Trotz mehrmaliger simulierter Erdbeben hielt das Haus der Belastung stand.

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  1. Ewald sagt:

    „In Architekturkreisen wird die Alpenrepublik schon seit Längerem für ihre innovative, moderne und trotzdem zurückhaltende Holzbauweise gelobt.“

    Einen Ruf, den sie sich lange hart erkämpft haben. Das beachtliche ist ja, dass sie es über Generationen und Jahre geschafft haben sich in dieser Branche einen Namen zu machen! Dass Japan sich nun Unterstützung in Sachen Holz-Massivbau mit Brettsperrholz aus Österreich holt, ist doch nur ein weiterer Beweis des erstklassigen Handwerks in Österreich. Sobald einer kopieren will, kann man sich sicher gehen, dass man gute Arbeit macht.

    Die Gründe für die Verwendung von Brettsperrholz liegt doch klar auf der Hand:

    – es ist aus Holz (somit auch nachhaltig für die Natur)
    – hohes Produktionsvolumen möglich (hier wird der wirtschaftliche Aspekt betrachtet)
    – vielfältig verwendbar im Hausbau
    – „niedrige Wärmeleitfähigkeit“ und „große Feuchte- und Wärmespeicherfähigkeit“

    Alles Punkte, die unterstreichen, warum dieses Produkt weltweit so nachgefragt ist! Für Japan ist es die Technik dahinter noch wertvoller, denn von dem Rohstoff „Holz“ haben sie mehr als genug. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass in Sachen Erdbebensicherheit die Brettsperrhölzer sehr vorteilhaft sind. Man muss sowieso sich mal vor Augen führen, welche Vorteile Holzhäuser überhaupt haben, und zwar nicht nur in Japan, sondern auch im europäischen Raum. Als großer Befürworter der Verbreitung von Holzhäusern besitze ich selber ein Holzhaus von oekohammer und fühle mich sehr wohl. Laut Welt.de sind „16 Prozent aller Neubauten (..) Holzhäuser“. Da wird der Trend zu den Holzhäusern in Deutschland stark erkennbar.

    Besonders Energieeffizienz spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle! Aber auch der ökologische Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden.

    Vielen Dank für den informativen Artikel!

    Mit freundlichen Grüßen
    Ewald