Handelspräsident Börner fürchtet Europa-Krise mehr als China

Handelsverbandspräsident Anton Börner hat vor einem Auseinanderbrechen Europas gewarnt. In Italien wachse die Ablehnung gegen die EU, Großbritannien könnte gar austreten, in Frankreich der Rechtsextremismus zu neuer Blüte kommen. Bundeskanzlerin Merkel halte alles zusammen, doch sie allein sei zu wenig.

„Mein Schreckensszenario ist, dass die Europäische Union auseinanderfällt“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA dem „Tagesspiegel“ laut Vorabbericht vom Sonntag. In Italien seien bereits 40 Prozent der Wähler gegen den Euro und Europa. Zudem bestehe die Gefahr, dass Großbritannien austrete, sich in Spanien Katalonien und das Baskenland abspalteten und die EU verlassen und dass in Frankreich der rechtsextreme Front National unter Marine Le Pen noch weiter zulege.

„Europa darf aber nicht auseinanderbrechen“, sagte Börner. Nur Bundeskanzlerin Angela Merkel stemme sich gegen einen Zerfall Europas. „Ich sehe außer Frau Merkel derzeit keinen anderen Spitzenpolitiker in der EU, der die Gemeinschaft zusammenhalten kann. Und eine allein ist vielleicht zu wenig.“

Die Krise in China bewertete Börner dagegen gelassener. „Wir hatten eine unglaubliche Wachstumsphase über mehrere Jahrzehnte. Dass es dann auch mal zu einem Rückschlag kommt, ist doch natürlich.“ Für die weitere Entwicklung sei er sehr optimistisch.

„Die Chinesen werden noch viele Jahre lang auf Importe im Hightech- und im hochwertigen Konsumgüterbereich angewiesen sein“, sagte der BGA-Präsident. Für die deutschen Unternehmen, die 2014 Waren im Wert von 74,5 Milliarden Euro nach China exportiert hat, werde es dieses Jahr keine großen Einbrüche geben. „Vielleicht wird es kein großes Wachstum mehr geben, aber ein Minus sehe ich nicht.“

Kommentare

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  1. Gerhard sagt:

    Geschichte ist mitunter zynisch:

    Der Euro wurde eingeführt um die Deutsche Mark und Marktmacht Deutschlands zu brechen. Der hohe „Drehmoment“ der deutschen Wirtschaft hat den Euro widerstanden, der Euro ist somit in Europa die neue Deutsche Mark geworden.

    Europas wirtschaftliches Nord-Süd-Propblem hat sich durch den Euro noch verschärft. Griechenlands Festtage sind endgültig vorbei, Katerstimmung ist angesagt und ökonomisch am Ende, weil die EU-Medizin einer Chemo gleichkommt.

    Dass Europa zunehmend eine Ansammlung von Egoisten ist zeigt sich daran, dass einige Länder dieser Tage sinngemäß erklärten, dass das Flüchtlingsproblem ein Problem der EU seit, nicht das ihrer Länder. Sprache kann so entlarvend sein!

    Weiterhin versuchen alle Parteien das schlingernde EU-Schiff durch noch mehr Zentralsierung in den Griff zu bekommen, durch die Entmachtung der nationalen Regierungen. Diese nationalen Regierungen wähnen sich im Trugschluss, dass sie sich nicht mehr um die Probleme vor ihrer Haustüre kümmern bräuchten, wenn die heißen Kartoffeln erstmal anderswo geschält werden.

    An dieser Vorgehensweise kann man erkennen, wie an der Finanzkrise und mit Griechenland auch, es gibt weiterhin „Ein Weiter so“, koste es was wolle. Man kauft sich weiter Zeit, eine Zeit die man nicht hat, Chapeau!

  2. Leopold sagt:

    Die EU hat ihre Ziele verfehlt und verfehlt sie weiterhin. Draghis Politik des billigen Geldes lenkt in die falsche Richtung. Eine EU mit wenigen Kernkompetenzen und Kernaufgaben hätte eine Zukunft. Aber das will wieder die EU nicht.

  3. Dieter van Haag sagt:

    Die Ost- und Südländer werden gemeinsam dort enden wo Bulgarien heute schon ist, Griechenland macht gerade den Anfang. Man hat dann schöne Landschaften, und irgendwo anders auf der Welt geht es weiter. China wird lernen müssen, sich mit Indien und Brasilien den Wachstum zu teilen, Russland hat nicht die Bedeutung. Neue Ersatz Billiglohnländer kommen dazu, dürfen sich aber nicht wie früher der EU und USA beugen, sondern mit EU, USA und den BRIC`s. Das wiederum gibt kurzbefasst kräftige Wirtschaftskriege. Wie man so schon sagt, mache jemanden zum König und in ein paar Jahren sagt er dir wo es lang geht. Die Krone trägt China.