Maschinenbauer setzen auf Mittel- und Osteuropa

China und Russland genießen bei den deutschen Unternehmen eine große Aufmerksamkeit. Die Wachstumszahlen der vergangenen Jahre waren sehr groß. Umso härter trifft der Rückgang die Unternehmen nun. Doch ein weiterer Markt ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Mittel- und Osteuropa bieten der deutschen Industrie derzeit sehr gute Marktbedingungen.

Etliche Länder in Mittel- und Osteuropa erleben derzeit ein für europäische Verhältnisse sehr gutes Wachstum. So rechnet die Europäische Kommission für Länder wie Slowenien, die Slowakei und beispielsweise Rumänien für dieses Jahr mit einem Wachstum zwischen 2,5 und 3 Prozent. In Polen (+ 3,3 %) und Ungarn (+3,6 %) wird sogar mit einem größeren Wachstum gerechnet.

Ein Wachstum von dem vor allem der Nachbar Deutschland als langjähriger Partner profitiert. „Generell ist der deutsche Maschinen- und Anlagenbau in den Mittel- und Osteuropäischen Ländern gut aufgestellt“, sagte Ralph Wiechers vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer VDMA den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Es handele sich um sogenannte tradierte Maschinenbauproduzenten, zu denen es seit vielen Jahren gute Beziehungen und – vor allem nach dem Beitritt zur EU – intensive Kunden- und Lieferbeziehungen gebe. „Was das Wachstum des Maschinenumsatzes betrifft erwarten wir für Tschechien, Ungarn und Polen im laufenden Jahr leichte Zuwächse im einstelligen Bereich.“ Am interessantesten in dieser Region ist Wiechers zufolge ist Polen für die deutschen Maschinenbauer. 2014 exportierten sie Waren im Wert von fünf Milliarden Euro nach Polen. Damit ist Polen auf Rang 9 des Exportrankings der deutschen Maschinenbauer. Tschechien belegt Platz 11 (4,2 Mrd.) und Ungarn Platz 17 (2,6 Mrd.).

„In allen drei Ländern ist der deutsche Maschinenbau der Importeur Nummer Eins mit Marktanteilen – gemessen am Importvolumen zwischen rund 35 Prozent in Polen und 45 Prozent  in Tschechien“, so Wiechers. In Ungarn liegt der Marktanteil der Maschinenbauer gemessen am Importvolumen bei etwa 40 Prozent.

Insgesamt erreichte der deutsch-polnische Handel im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 82 Milliarden Euro. Das ist in neuer Rekord. Deutschland ist Polens Handelspartner Nummer eins: Mit großem Abstand, wie es der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft betont. Auf der Rangliste der deutschen Export- und Importpartner hat sich Polen inzwischen auf den achten Platz vorgearbeitet. Im vergangenen Jahr flossen ausländische Direktinvestitionen im Umfang von 1,8 Milliarden Euro in das Land.

Die tschechische Republik hat zwischen 2012 und 2013 mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Doch für dieses und auch für das kommende Jahr wird mit einer Beschleunigung des tschechischen Wachstums gerechnet. Vor allem in den Branchen Fahrzeugbau, Elektronik und Möbel gibt es derzeit großen Auftrieb. Im vergangenen Jahr lagen die deutschen Exporte in die Tschechische Republik acht Prozent über dem Vorjahresergebnis, die Importe sogar 12 Prozent darüber.

Während die politische Lage zwischen Deutschland und Ungarn derzeit nicht nur aufgrund der Flüchtlingskrise angespannt ist, sind die wirtschaftlichen Beziehungen weiterhin sehr eng. So exportierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von 19,9 Milliarden Euro. Das Ausfuhrvolumen erreichte damit ein Plus von 13 Prozent. Und die Einfuhren nahmen im gleichen Umfang zu. Auch hier gehen wie in Polen und in Tschechien vor allem Kraftwagen, Kraftwagenteile, Elektronik und Datenverarbeitungsgeräte aus Deutschland ins Land.

So lange der Euroraum weiter wächst, werden auch diese Länder Wiechers zufolge von den Wachstumskräften profitieren und damit die deutschen Maschinenbauer. Nichtsdestotrotz können sich Polen, Ungarn und Tschechien nicht gegen einen negativen Einfluss aus dem wirtschaftlichen schwachen Russland erwehren.

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