Spaniens Industrie steigert Produktion

Nach einer langen Durststrecke nimmt die spanische Wirtschaft immer stärker an Fahrt auf. Die Industrie erzielte im Juli ihr höchstes Produktionsplus seit Mai 2000. Der Einzelhandel wuchs um mehr als vier Prozent. Rajoy hofft, von der wirtschaftlichen Erholung auch bei den Wahlen etwas zu spüren.

In Spanien profitiert die Industrie von der boomenden Wirtschaft. Die Betriebe fuhren ihre Produktion im Juli zum Vorjahresmonat um 5,2 Prozent hoch und damit so stark wie seit gut 15 Jahren nicht mehr, wie das nationale Statistikamt INE am Donnerstag mitteilte.

Der Anstieg fiel zudem kräftiger aus als von Ökonomen erwartet. Deren Prognose lag bei 4,3 Prozent. Die Hersteller von Maschinen, Anlagen und anderen Investitionsgütern sowie die Energieversorger schafften jeweils sogar ein Wachstum von rund zehn Prozent.

„Die heutigen Produktionszahlen signalisieren ein stärkeres Wirtschaftswachstum als bisher gedacht“, sagte Analystin Estefania Ponte von der Bank BNP Paribas. Die Daten seien sehr gut, in den nächsten Monaten dürfte das Wachstum aber geringer ausfallen.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone legte im Frühjahr um ein Prozent zu und damit deutlich stärker als die Schwergewichte Deutschland, Frankreich und Italien. Für Spanien war dies zugleich das größte Wachstum seit mehr als acht Jahren.

Auch der spanische Einzelhandel erzielt gute Ergebnisse. Der Umsatz der Branche stieg im Juli um 4,1 Prozent und damit so stark wie seit sieben Monaten nicht mehr, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Sinkende Preise sorgten demnach für mehr Kaufkraft der Verbraucher. Das Einzelhandelsgeschäft wuchs im Juli deutlich stärker als von Experten erwartet, die im Schnitt nur mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet hatten.

Im vergangenen Monat lief es zudem noch besser als im Juni, als schon ein Plus von 2,4 Prozent verbucht wurde. Aufwärts geht es in der Branche bereits seit zwölf Monaten in Folge. Der boomende Privatkonsum ist zu einem zentralen Faktor für die Erholung der spanischen Wirtschaft geworden: Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni so rasant wie seit acht Jahren nicht mehr zu.

Politisch wird es in den kommenden Monaten jedoch brisant. In Katalonien stehen Wahlen an. Umfragen zufolge haben die Separatisten bei der Wahl am 27. September in Katalonien große Chancen, die Mehrheit der Sitze zu gewinnen. Sie erhoffen sich von dem Urnengang ein Mandat für die Abspaltung von Madrid – ein Vorhaben, dass der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy strikt ablehnt.

Am 20. Dezember will Rajoy außerdem alle Spanier zur Wahl einer neuen Regierung schicken.Dieser Termin sei am wahrscheinlichsten, sagte der konservative Regierungschef am Donnerstag im Sender Cope. Der konservative Politiker stellt sich zur Wiederwahl.

Bislang war nur bekannt, dass die Wahl im Dezember stattfinden wird. Angesichts des Aufschwungs im Land hat Rajoys Volkspartei den Vorsprung vor den oppositionellen Sozialisten in Umfragen ausgebaut, dürfte jedoch ihre absolute Mehrheit im Parlament verlieren. Die linke Protestpartei Podemos und die Bürgerplattform Ciudadanos haben sich als neue Kräfte in dem ehemaligen Krisenland fest etabliert.

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