Angst vor Rezession: Immer mehr Schweizer Betriebe beantragen Kurzarbeit

Die Situation am Schweizer Arbeitsmarkt ist angespannt. So stieg die Arbeitslosenquote im August auf 3,2 Prozent. Die Schweizer Wirtschaft steht am Rande einer Rezession und immer mehr Betriebe setzen erst einmal auf Kurzarbeit statt auf Stellenstreichungen.

Anfang dieser Woche erreichte der Schweizer Franken den niedrigsten Stand seit der Abkoppelung vom Euro. Für die Schweizer Wirtschaft ist das ein gutes Zeichen, sie hatte in den vergangenen Monaten erheblich mit der massiven Aufwertung der Währung zu kämpfen. Das und die Abkühlung in China und Russland haben zwei Quartale hintereinander zu einem Rückgang des BIPs geführt. Ökonomen rechnen entsprechend mit Blick auf das dritte Quartal sogar mit einer Rezession in der Schweiz.

Zwar haben viele Unternehmen versucht, ihre Preise zu senken und Kosten zu sparen, doch der Druck ist enorm. So gingen beispielsweise die Auftragseingänge der Maschinenbauer in den ersten sechs Monaten um 14,7 Prozent zurück, die Uhrenexporte brachen ein. Dementsprechend ergreifen die Schweizer Unternehmen nun neue Maßnahmen. Nachdem im Juli 340 Betriebe Kurzarbeit beantragt haben, waren es im August schon fast 400 Betriebe.

Rund 6.500 Mitarbeiter sind von der neuen Kurzarbeit betroffen, zitiert wirtschaft.ch Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Bereits zu Beginn des Jahres hatte es als Reaktion auf den Frankenschock schon einem immensen Anstieg der Kurzarbeit in der Schweiz gegeben. Innerhalb nur eines Monats, von Februar auf März, landeten 1.500 Personen mehr in der Kurzarbeit. Das entspricht einem Anstieg von 41 Prozent. Mehr als 5.000 Beschäftigte arbeiteten demnach Ende März in 519 Betrieben in Kurzarbeit. 119 Betriebe mehr als im Februar 2015 und 250 Unternehmen mehr als im März des vergangenen Jahres.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Kurzarbeit erhöhen und dass es zu Stellenabbau kommen wird“, sagte diese Woche auch der Swissmem-Direktor Peter Dietrich der Aargauer Zeitung. „In welchem Ausmass dies erfolgen wird, können wir derzeit nicht beziffern.“

Das Staatssekretariat für Wirtschaft geht davon aus, dass die Unternehmen durch die Kurzarbeit eine Vorsichtsmaßnahme angesichts schlechter wirtschaftlicher Aussichten ergreifen wollen. Immerhin haben 22 Prozent der Schweizer Firmen im Juli ihre Produktion zurückgefahren. Von der Konjunkturforschungsstelle KOF befragte Experten rechnen mit einem weiteren Rückgang der Exporte um 0,4 Prozent.

 

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