Nach Milchquote: EU gefährdet Schweizer Zuckerpreise

2017 will die EU die Beschränkungen des Zuckermarktes vollständig aufheben. Das gefährdet den Zuckerpreis in der Schweiz. Die Schweizer Zuckerrübenpflanzer sehen die Branche in Gefahr und fordern einen Minimalpreis.

Der Preisverfall des Zuckers in der EU wirkt sich wegen der bilateralen
Verträge auch auf die Schweiz aus. Der Preis fällt, weil die EU den Markt zunehmend liberalisiert. Der Beschluss der EU, Anbau und Export ab 2017 nicht mehr zu beschränken, setzt die Branche unter großen Druck, zumal Importe durch den starken Franken nun noch billiger sind.

Für 2014/2015 belief sich Statista zufolge die weltweite Überproduktion von Zucker auf 75,7 Millionen Tonnen. Die Aufhebung durch die EU wird aller Voraussicht nach, wie beim Fall der Milchquote, zu einer noch höheren Produktion führen. Das wiederum wird die Preise erheblich unter Druck setzen. Schon vor der Aufhebung der Milchquote waren EU-weit die Erzeugermilchpreise im Februar um 20,17 Prozent gefallen. In Deutschland brachen die Preise sogar um 24,57 Prozent ein, so Agrarmarkt Austria.

„Seit bekannt wurde, dass die EU beschlossen hat, die Quotenregelung für Zucker 2017 aufzuheben, sind die Zuckerpreise in der EU und damit auch in der Schweiz bereits ab dem Frühsommer 2014 stark gesunken“, heißt es von Seiten der Schweizer Zucker AG. Um den Preisverfall zu stoppen, fordert die Schweizer Zucker AG einen verbesserten Grenzschutz. Die Schweizer Zuckerrübenpflanzer hingegen verlangen einen Mindestzuckerpreis für die Schweiz, der deutlich über dem heutigen Marktpreis liegt. Dieser soll vom Staat festgesetzt und durch Zölle kontrolliert werden.

Die Erträge aus der Schweizer Zuckerherstellung sind innerhalb von zwei Jahren um 30 Prozent gesunken. Lag der Richtpreis 2014 noch bei 56 Franken pro Tonne Rüben, wird er 2016 nur noch zwischen 38 und 42 Franken liegen. Wie die Berner Zeitung berichtet, überlegen deshalb immer mehr Bauern, auf eine andere Kultur umzusteigen. Dass eine der beiden Fabriken der Schweizer Zucker AG bald schließen muss, scheint nicht ausgeschlossen.

Aus diesem Grund haben in dieser Woche knapp 2.000 Zuckerrübenbauer für die ‚Rettung des Schweizer Zuckers’ demonstriert. Zu der Demonstration aufgerufen hatte das Komitee „Rettet den Schweizer Zucker“, das der Geschäftsführer des Rübenrings Seeland, Ueli Brauen, Mitte August gegründet hatte. Findet die Resolution mit der Forderung nach einem Mindestpreis, die er verfasst hat, bei den zuständigen Behörden kein Gehör, könnte das bedeuten, dass die Schweizer Zucker AG schon 2017 schließen muss.

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