Deutsche Auto-Industrie senkt Prognose für Absatz in China

Die VDA rechnet in China für das Gesamtjahr nur noch mit einem Absatzplus von bis zu vier Prozent. Der Verband der deutschen Automobilindustrie sieht die Marktentwicklung in China damit noch deutlich optimistischer als die chinesischen Branchenverbände: Nach deren Einschätzung könnte der Absatz in diesem Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt sogar sinken.

Die deutsche Autoindustrie hat ihre Absatzprognose für China angesichts der Flaute in den vergangenen Monaten zurückgeschraubt. „China bleibt auf Kurs, schaltet jedoch einen Gang zurück“, erklärte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Montag kurz vor Beginn der Automesse IAA in Frankfurt. China bleibe dennoch der wichtigste Automobilmarkt der Welt. Der Verband rechnet für das Gesamtjahr in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit einem Neuwagen-Absatz von rund 19 Millionen Fahrzeugen nach 18,4 Millionen Pkw im Vorjahr. Vor zwei Monaten hatte Wissmann noch 19,5 Millionen Neuzulassungen prognostiziert. In den vergangenen Monaten war der Absatz in China im Zuge der Konjunkturabkühlung gesunken.

Der VDA sieht die Marktentwicklung in China damit deutlich optimistischer als die chinesischen Branchenverbände. Nach deren Einschätzung könnte der Absatz in diesem Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt sinken. In den ersten acht Monaten stagnierten die Fahrzeugverkäufe nach Angaben des Verbandes der Autobauer (CAAM). Allein im August fiel der Absatz im Reich der Mitte binnen Jahresfrist um drei Prozent auf 1,7 Millionen Fahrzeuge und damit den fünften Monat in Folge. Dies ist die längste Durststrecke seit mindestens fünf Jahren. Volkswagen hat wegen der Flaute bereits seine Absatzerwartungen zurückgeschraubt. Der Wolfsburger Konzern verkauft etwa jeden dritten Neuwagen in China. Audi ist Marktführer im Premium-Segment, vor BMW und Daimler.

Die Automärkte in Westeuropa und den USA können das langsamere Wachstum in China nach Einschätzung des VDA allerdings fast ausgleichen. Im Gesamtjahr dürften die Neuzulassungen in Westeuropa um knapp sechs Prozent auf 12,8 Millionen Fahrzeuge steigen, ein Plus gegenüber der Juli-Prognose des VDA von 200.000 Pkw. Der US-Markt steuere auf den höchsten Absatz seit zehn Jahren mit knapp 16,9 Millionen Autos zu, erklärte Wissmann.

Das wichtigste Thema auf der IAA, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag eröffnen wird, ist der Trend zur Vernetzung von Autos und zum automatisierten Fahren. Die Digitalisierung komme mit Riesenschritten voran, Auto und Smartphone würden zu einer Einheit, sagte Wissmann. Bereits heute habe jeder vierte Neuwagen eine Internetverbindung, in zwei Jahren werden nach Schätzung des VDA schon vier von fünf Autos vernetzt sein. Die deutschen Autobauer und Zulieferer investieren in den kommenden drei bis vier Jahren 16 bis 18 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Der neue Ausstellerbereich „New Mobility World“ soll zu diesem Thema einen Überblick verschaffen.

Insgesamt präsentieren rund 1100 Aussteller aus 39 Ländern ihre Produkte und Neuheiten rund um das Auto in Frankfurt. Vier von zehn Ausstellern kommen aus dem Ausland, wobei die Teilnehmer aus China erneut die größte Gruppe stellen.

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