Autobauer konkurrieren um Zusammenarbeit mit Apple und Co

Opel und Continental wollen beide ihre Zusammenarbeit mit Apple und Google ausweiten. Ähnlich äußerte sich zuvor bereits mehrere Autobauer und Zulieferer, die sich den US-Firmen als Partner bei der Entwicklung eigener Fahrzeuge anbieten: Mit der zunehmenden Vernetzung von IT und Autoindustrie konkurriert die Branche um eine Kooperation mit den großen IT-Konzernen.

Opel will seine Zusammenarbeit mit den IT-Konzernen Apple und Google ausweiten und hält sich dabei die Möglichkeit zum gemeinsamen Bau von Autos offen. „Wir reden mit beiden Herstellern, wir arbeiten mit beiden Herstellern zusammen“, sagte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann am Dienstag am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. Dies beziehe sich zunächst auf die weitere Integration von Infotainment-Angeboten über Apples Carplay und Android Auto von Google in die Fahrzeuge. Alles Weitere hänge davon ab, „wie die Welt sich in Zukunft verändern wird“.

Gefragt, wie weit die Zusammenarbeit gehen könne, sagte der Opel-Chef: „Es gibt ganz sicher Felder, die man besser in der Hand behalten sollte.“ Dabei gehe es vor allem um die Beziehungen zu den Kunden. Wichtig sei, dass die GM -Tochter erkannt habe, dass die Digitalisierung und Vernetzung die Automobilbranche tiefgreifend verändern werde. „Wir wollen vorne mit dabei sein. Und wir werden auch Partner brauchen, um das zu erreichen.“

In den vergangenen Monaten hatten sich Anzeichen verdichtet, dass nicht nur Google, sondern auch Apple an einem eigenen Auto tüftelt. Experten halten es für möglich, dass Opel oder Peugeot sich mit den IT-Konzernen zusammentun könnten, um ihre Produktionskapazitäten auszulasten. Auch Daimler hatte kürzlich über eine Zusammenarbeit nachgedacht. Denkbar sei, dass der Stuttgarter Konzern seine traditionellen Fähigkeiten im Automobilbau und ein Partner sein Software-Wissen einbringe. „Eine Option könnte sein, dass die Autos in einem Joint-Venture entstehen und wir diese dann bauen“, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche gesagt. Er nannte die Überlegungen allerdings rein fiktiv. „Wir werden sehen, wie sich die Welt entwickelt.“

Der Vorstandschef des Autozulieferer Continental  Elmar Degenhart bekräftigte auf der Messe ebenfalls das Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem IT-Konzern Apple. Sollte sich der Hersteller von iPhones und iPads entscheiden, Autos zu bauen, dann wären die Amerikaner als Kunde für Continental interessant. Bisher habe er jedoch keine Kenntnis, ob Apple dies tatsächlich vorhabe. Der Konzern aus Hannover liefert bereits Elektronikteile und Bremsen für die Testflotte von Googles selbstfahrenden Autos und arbeitet zudem mit den Technologiekonzernen IBM und Cisco zusammen. In den vergangenen Wochen hatten sich Hinweise verdichtet, dass auch Apple an einem Elektroauto tüftelt.

Die Vernetzung von IT- und Autoindustrie ist branchenweit ein wichtiges Thema: Der Conti-Chef verwies darauf, dass sein Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren mehr als 100 Firmen übernommen und integriert hat. Neben großen Zukäufen wie der Zuliefersparte Siemens VDO und dem Automobilelektronikgeschäft von Motorola waren darunter auch zahlreiche kleinere mittelständische Unternehmen. „Wir haben da eine gewisse Kompetenz“, sagte der Conti-Chef. Diesen Kurs wolle man fortsetzen.

Conti hatte Anfang 2015 die Übernahme des amerikanischen Kautschuk- und Kunststoffspezialisten Veyance für 1,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Wenige Monate später hatten die Niedersachsen angekündigt, sich den Softwarspezialisten Elektrobit Automotive in Erlangen für 600 Millionen Euro einzuverleiben.

Degenhart machte klar, dass Conti den Bereich außerhalb der Automobilsparte weiter stärken wolle. Angesichts der hohen Wachstumschancen im Kerngeschäft mit Autotechnik, etwa bei Vernetzung und Digitalisierung, Elektromobilität und Fahrerassistenzsystemen sei dieses Ziel nur mit einer Akquisition zu erreichen. Mit Elektronik, Sensoren und Software macht Conti heute etwa 60 Prozent des Automotive-Umsatzes. Das waren im vergangenen Jahr mehr als zwölf Milliarden Euro. „Wir rechnen in den kommenden fünf Jahren mit einem Zuwachs, der über dem durchschnittlichen Wachstum des Automotive-Geschäfts liegt“, sagte Degenhart.

Auch BMW-Produktions-Chef Zipse äußerte in der Vergangenheit mehrfach, er könne sich eine Zusammenarbeit mit Google oder Apple beim Bau von Autos vorstellen. Der Konzern schließt nicht aus, für einen IT-Konzern Fahrzeuge zu fertigen. „Wir leben in einer Partnerschafts-Welt. Man muss miteinander reden.“ Der kalifornische IT-Konzern sei an der Karosserie der BMW-Elektroautos interessiert, berichtete das Manager Magazin. Demnach habe Apple-Chef Tim Cook vergangenen Herbst dazu die i3-Produktion in Leipzig besichtigt.

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Autobauer buhlen um Apple & Co. weil sie selber keine Ideen haben zu einer System-Innovation. Wie sagte schon Karl Kraus: der kleine Mann will sein Gewohntes, warum? Weil er es gewohnt ist. WER IMMER NUR auf Standard setzt, und bei seinen Mitarbeitern auf Standards setzt, ist mittelfristig tot.