Bierbranche: Weltmarktführer vor Milliarden-Fusion

Der weltgrößte Bierproduzent Anheuser-Busch InBev unterbreitet seinem britischen Rivalen SABMiller ein Fusions-Angebot. Bei einem Zusammenschluss der Brauereien käme jedes dritte Bier aus dem Konzern. Experten gehen davon aus, dass die Offerte ein Volumen von bis zu 130 Milliarden Dollar haben dürfte.

In der Bierbranche bahnt sich eine Mega-Übernahme an: Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev will der Nummer zwei, dem britischen Konzern SABMiller, ein Angebot unterbreiten, wie beide Firmen am Mittwoch mitteilten, ohne Details zu nennen. Aus den Brauereien des fusionierten Konzerns würde dann in etwa jedes dritte Bier kommen, das auf der Welt getrunken wird. Experten gehen davon aus, dass die Offerte ein Volumen von bis zu 130 Milliarden Dollar haben dürfte. Widerstände der Kartellbehörden werden vor allem in den USA erwartet. Trotzdem sorgten die Pläne an der Börse für ein Kursfeuerwerk: SABMiller-Papiere verteuerten sich in London bis zu 24 Prozent, so stark wie noch nie in der Firmengeschichte.

„Der eigentliche Reiz ist Afrika, wo AB InBev nicht präsent ist“, erklärte Branchenexperte Andrew Holland von der Großbank Societe Generale. Die „Beck’s“- und „Budweiser“-Mutter ist vor allem in Lateinamerika dominant, SABMiller dafür in Afrika stark vertreten. Beide Regionen wachsen noch. Auch in Asien würden die Unternehmen laut Experten gut zusammenpassen.

Anheuser-Busch Inbev mit Sitz in Belgien kam 2014 auf einen weltweiten Marktanteil von gut 21 Prozent, SABMiller mit Marken wie „Pilsner Urquell“ auf 15 Prozent. Ein Zusammenschluss der beiden Top-Firmen einer Branche ist selten, weil die Aufsichtsbehörden in diesen Fällen oft den Wettbewerb beeinträchtigt sehen. „Die Kartellwächter werden die Fusion in jedem Land hinterfragen, in dem die beiden Unternehmen zu den drei größten im Markt zählen“, sagte Erik Gordon, Professor an der Universität von Michigan.

Experten gehen deswegen davon aus, dass sich die beiden Firmen von Teilen ihres Geschäfts trennen müssen, um grünes Licht für den Deal zu bekommen. Vor allem in den USA könnte es Widerstände geben. Dort dominiert Anheuser-Busch Inbev fast die Hälfte des Marktes. Das SABMiller-Joint-Venture Molson Coors kommt auf einen Anteil von knapp 30 Prozent. Auch in China und Südamerika dürfte es Verkäufe geben.

SABMiller teilte mit, die Offerte prüfen zu wollen, sollte sie denn kommen. Der Vorstand werde angemessen darauf reagieren. Analysten gehen davon aus, dass Anheuser-Busch Inbev mindestens 40 Pfund je SABMiller-Aktie auf den Tisch legen muss, womöglich sogar bis zu 45 Pfund. Inklusive der Übernahme von Schulden hätte der Deal dann ein Volumen von bis zu 130 Milliarden Dollar. Der gemeinsame Konzern könnte an der Börse auf einen Wert von rund 275 Milliarden Dollar kommen.

Trotz der Unwägbarkeiten reagierten die Aktionäre am Mittwoch euphorisch auf die Aussicht einer Fusion, die in der Regel mit Kostensenkungen und einer größeren Marktmacht einhergeht. SABMiller-Papiere lagen am Nachmittag noch 21 Prozent im Plus. Anheuser-Aktien kletterten um 7,5 Prozent.

Auch die Anteilsscheine von Heineken und Carlsberg zogen an, der Nummer drei und vier in der Branche. Hier wird damit gerechnet, dass SABMiller womöglich zukaufen könnte, um nicht selbst geschluckt zu werden. Die Briten hatten in der Vergangenheit immer wieder Interesse an einer Übernahme von Heineken angemeldet.

SABMiller hatte zuletzt im Frühjahr ein Umsatzplus von drei Prozent eingefahren. Die Nachfrage zog vor allem in Lateinamerika und Afrika an. Schwierigkeiten gab es dagegen in Europa und China.

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