Erste Kohle-Abwasser-Reinigungsanlage in der Schweiz wird eröffnet

Am Samstag wird die erste Abwasser-Reinigungsanlage der Schweiz eröffnet, die mit Aktivkohle arbeitet. Die Kohle filtert kleinste Schadstoffe aus dem Wasser. Die Ergebnisse der Testphase sind so vielversprechend, dass bis 2040 rund hundert weitere Reinigungsanlagen in Betrieb gehen sollen.

Die erste Abwasser-Reinigungsanlage der Schweiz, die Aktivkohle zur Säuberung des Wassers einsetzt, wird am Wochenende in der Gemeinde Herisau offiziell eröffnet. Durch Herisau fließt die Glatt, die wie viele Gewässer, die durch die Zivilisation fließen, stark verunreinigt ist. Die Schadstoffe im Wasser kommen aus Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten, Medikamentenrückständen und vielen Stoffen mehr.

Eine Möglichkeit das Wasser zu reinigen, ist die Beigabe von Aktivkohle. Diese Kohle hat aufgrund ihrer porösen Struktur eine enorm große Oberfläche. Fünf Gramm Aktivkohle hätten eine so große Oberfläche wie ein Fußballfeld, berichtet die NZZ. Um das Wasser zu säubern, wird in einem Becken Aktivkohle in das Wasser gegeben. Die Schmutzpartikel aus dem Wasser bleiben dann an der Oberfläche der Kohle haften. Erste Messungen zeigen, dass die Anlage die Schadstoffbelastung um 90 Prozent senken konnte.

Die Gemeinde Herisau, der Kanton Appenzell Ausserrhoden und der Textilveredler Cilander haben bereits vor zehn Jahren überlegt, wie sie die Wasserqualität der Glatt verbessern könnten und haben diesbezüglich eine Studie und ein Vorprojekt in Auftrag gegeben. Nach ausgiebiger Testphase der Anlage sei die Glatt heute so sauber wie nie zuvor.

Im vergangenen Jahr wurde die erste Abwasser-Reinigungsanlage der Schweiz, die auf Ozonierung beruht, in Dübendorf eröffnet. Bis 2040 sollen rund 100 weitere Anlagen im Einsatz sein, die, je nach Standpunkt, entweder mit Aktivkohle oder Ozon arbeiten werden. Das wird 1,2 Milliarden Franken kosten. Die Gemeinden müssen dafür eine jährliche Gebühr in Höhe von neun Franken pro Verbraucher an das Bundesamt für Umwelt abgeben, das 75 Prozent der notwendigen Investitionen bezahlt.

In der gesamten Schweiz soll die Abwasserverschmutzung um die Hälfte reduziert werden, dass der Zielwert nicht höher angelegt ist, habe ökonomische Gründe.

Die Anlage in der Gemeinde Herisau kostet 4,7 Millionen Franken. Eine Million Franken bezahlt der Textilveredler Cilander, der die Verunreinigung des Wassers mit verursacht hat. Außerdem profitiert die Gemeinde von den Beiträgen des Bundes. Bei der weiter andauernden Suche nach dem optimalen Verhältnis von Kohle und Wasser wird man in Zukunft auf die Erfahrungsberichte der Reinigungsanlage in Herisau zurückgreifen können.

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