Verschiebung von Zinswende belastet Lebensversicherer

Der aktuelle Niedrigzins belastet nicht nur die Garantiehöhen der Lebensversicherungen, sondern vor allem die Unternehmen selbst. Ein Ende der Versicherungsära sei zwar nicht in Sicht, aber der Trend geht mehr zu angepassten Garantielösungen.

Nachdem die deutschen Versicherer seit Jahresanfang schon kräftig an den Kosten bei Lebensversicherungen und an der Höhe der Vertriebsvergütungen geschraubt haben, geht es nun bei den Gesellschaften selbst ans Eingemachte. Die Generali zieht ihre Truppe am Standort München zusammen und will sich dort komplett neu erfinden. Die Zentrale in Köln wird geopfert. Zurich hingegen gibt den Standort Bonn auf und zieht nach Köln. Andere werden mit Einsparungen auch beim Personal folgen oder setzen diesen Prozess fort, darunter AXA, HDI und Signal Iduna.

Auf Grund des Niedrigzinses ist es für Gesellschaften schwieriger geworden, die Garantiehöhen finanztechnisch abzubilden. Der Anteil der Prämie zur Darstellung der Garantie wird höher und der freie Anteil der Prämie zur Erzielung einer über die Garantieverzinsung hinausgehenden Rendite zwangsläufig geringer.

Die Alte Leipziger erwartet, dass klassische und fondsgebundene Rentenversicherungen weiterhin den Markt bestimmen. Vorstandschef Walter Botermann sieht jedoch auch Unternehmen, die mit starken Bilanzkennzahlen im Rücken noch Garantieprodukte anbieten können. In der betrieblichen Altersvorsorge werden seiner Ansicht nach klassische Garantieprodukte erste Wahl bleiben, jedoch mit einem Trend zu angepassten Garantien. Auch für Allianz-Maklervorstand Thomas Wiesemann rücken modernere Vorsorgekonzepte, die einen höheren Anteil chancenreicher Investments mit neuen Garantien kombinieren, immer mehr in den Blickpunkt.

Gleichgültig wie die Produkte der Anbieter auch heißen, ob „Komfort Dynamik“ (Allianz), „Relax-Rente“ (AXA) oder „Ergo Rente Chance“ (Ergo-Gruppe), fast alle Versicherer haben bereits auf die neuen Gegebenheiten reagiert. So schön sich die Branche für die Zukunft gerüstet sieht, Lebensversicherer stehen vor fundamentalen Herausforderungen, vor allem im Vertrieb. Im weit verbreiteten Maklervertrieb dürfte mancher Versicherer jedoch noch vor rechtlichen Aufräumarbeiten stehen. Nach Ansicht des Berliner AfW Bundesverbands Finanzdienstleistung müsse der Trend, die Abschlussprovision zu senken und die Bestandsprovision zu erhöhen, so vollzogen werden, dass er für die Vermittler finanzierbar bleibe.

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