Bailout: USA berieten Griechenland im Umgang mit Deutschland

Die Verhandlungen zwischen Syriza, der Troika und den EU-Finanzministern waren zäh und drohten zu scheitern. Griechenland pokerte hoch und machte dann einen Rückzieher. Nun zeigt sich, dass vor allem die USA bei den Verhandlungen einen deutlich größeren Einfluss ausgeübt hat, als zunächst angenommen. Vor allem im Umgang mit Deutschland rieten die USA Griechenland zur Umsicht und Vorsicht.

Nachdem Syriza bei den Neuwahlen als Regierungspartei bestätigt worden ist, zeigt sich, welche Hilfe Tsipras während der Verhandlung mit der Troika und den EU-Finanzministern hatte. Dass die USA die EU und Deutschland regelmäßig darauf hingewiesen hat, Griechenland im Euro zu halten, ist bekannt. Doch es blieb nicht nur bei Ratschlägen für die EU, wie sich jetzt zeigt. Tatsächlich haben die USA Griechenlands damaliger Regierung tatkräftig zur Seite gestanden und so Einfluss auf die europäische Politik genommen.

Washington soll der ehemaligen Syriza- Regierung davon abgeraten haben, einen Kollisionskurs gegen Deutschland zu fahren. Stattdessen wurde der Regierung vor der Einigung am 13. Juli empfohlen, Kompromissbereitschaft bezüglich des dritten Reformpakets zu zeigen und die Gläubiger des Landes nicht unter Druck zu setzen, berichtet Kathimerini.

Washington habe Premier Alexis Tsipras im Detail beraten. Das geht aus einem geheimen Telegramm des griechischen Botschafters in den USA, Christos Panagopoulos, an die Regierung in Athen hervor. In jenem Telegramm meldet Panagopoulos seiner Regierung, dass die USA Griechenland in der Euro-Zone halten wollten. Um dies zu erreichen, leistete Washington Überzeugungsarbeit bei den Gläubigern Griechenlands, um eine Schulden-Minderung herbeizuführen. Das offizielle US-Argument, um die Gläubiger und EU-Staaten zu überzeugen, beruhte auf der geopolitischen Wichtigkeit Griechenlands für die Nato.

Gleichzeitig solle Griechenland verbale Attacken gegen die Bundesregierung vermeiden. Außerdem wurde der griechischen Regierung empfohlen, ein breites Bündnis mit Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien und Österreich auf die Beine zu stellen, so Kathimerini mit Verweis auf das Telegramm.

Am 19. Juni sagte der stellvertretende Nato-Generalsekretär Alexander Vershbow, dass ein Euro-Austritt Griechenlands „tatsächlich Auswirkungen“ für das transatlantische Bündnis haben würde. Er sagte auf einer Sicherheitskonferenz in Bratislava, dass die NATO angesichts eines möglichen Grexits „besorgt“ sei. Vershbows Stellungnahmen kamen kurz nach dem Pipelinebau-Deal zwischen Griechenland und Athen.

Panagopoulos beschreibt in seinem Telegramm, dass es einen intensiven Kontakt zwischen Athen und Washington, einschließlich der Beamten aus dem US-Finanzministerium und dem US-Außenministerium, gegeben hat.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Dieter Romberg sagt:

    Daraus kann ich nur den Schluß ziehen:

    Die USA sind uns noch immer feindlich gesonnen!!!