Krise in Asien: Indien senkt Leitzins, Kurse auf Talfahrt

Die indische Zentralbank hat den Leitzins überraschend auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gesenkt. Damit soll die schwächelnde Wirtschaft unterstützt werden. Unterdessen bereitet neben Indien auch die anhaltende Schwäche der chinesischen Wirtschaft den Anlegern in Asien Sorgen.

Die indische Zentralbank hat den Schlüsselsatz um einen halben Prozentpunkt auf 6,75 Prozent gekappt. Damit liegen die Zinsen auf dem niedrigsten Niveau seit viereinhalb Jahren. Hintergrund ist das schwächere Wachstum der indischen Wirtschaft, wie die Notenbank am Dienstag bekanntgab. Zusammen mit der niedriger als erwarteten Inflation könnte der Schritt helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Die Teuerungsrate liegt der Notenbank zufolge bei 5,8 Prozent und damit unter den angepeilten sechs Prozent. Zugleich senkte die Zentralbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Fiskaljahr bis März 2016. Sie rechnet nur noch mit einem Plus von 7,4 Prozent, nachdem sie zuvor von 7,6 Prozent ausgegangen war.

Die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft hält ebenfalls weiter an. Das und die Sorgen vor einer weltweiten Rezession haben am frühen Dienstagmorgen die asiatischen Aktienkurse deutlich fallen lassen. In Tokio rutschte der Nikkei-Index um mehr als vier Prozent auf 16.930 Zähler. Auch in Hongkong und Australien ging es mehr als drei Prozent nach unten. Wie bereits an der Wall Street drückte ein Einbruch der Gewinne in der chinesischen Industrie auf die Laune der Anleger. Das schürte die Furcht vor einer Abschwächung der Konjunktur in der Volksrepublik. Mit Spannung warten Investoren nun auf das Stimmungsbarometer der chinesischen Einkaufsmanager am Donnerstag.

„Investoren befürchten eine deutliche Abkühlung in China… aber das größte Risiko ist eine weltweite Rezession, nicht nur ein Problem in China“, sagte Steven Leung, Direktor bei UOB Kay Hian in Hongkong. Auch in Japan sei die Wirtschaft in schlechter Verfassung und die Situation in Europa sei ebenfalls nicht gut. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktien außerhalb Japans fiel um rund zwei Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief. Der chinesischen Märkte in Shanghai und Shenzen gingen ebenfalls zwei Prozent niedriger aus dem Handel.

Vor allem im Rohstoff-Sektor ließen Unternehmen Federn, da die schwächelnde Nachfrage auf die Preise drückte. Die Aktien des Bergbauriesen Glencore büßten nach dem Kursrutsch an der Börse in London auch in Hongkong mehr als ein Viertel ein. Händler bezweifeln, dass Glencore langfristig den Rückgang der Rohstoffpreise verschmerzen kann. In Tokio belastete den Markt, dass bereits das zweite Frachtunternehmen in diesem Monat Gläubigerschutz beantragte. Analysten rechnen mit weiteren Pleiten in der Branche.

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