Massiver Kurseinbruch: Glencore-Aktionäre stoßen Papiere ab

Besitzer von Glencore-Aktien haben am Dienstag überstürzt versucht, ihre Anleihen zu verkaufen. Das Unternehmen ist hoch verschuldet, den Teilhabern droht der Totalverlust. Der Anstieg des Kurses nach dem Einbruch am Montag verringert die Aufregung der Aktien-Halter nicht.

Die kräftige Erholung der Glencore-Aktien hat die Halter von Anleihen des Rohstoff-Konzerns am Dienstag nicht von erneuten Panik-Verkäufen abgehalten. Dies trieb die Rendite der Schuldtitel mit einer Laufzeit bis 2020 um gut zwei Prozentpunkte in die Höhe auf 10,612 Prozent. Vor knapp zwei Wochen rentierten diese Bonds bei gerade einmal 2,9 Prozent.

Die Zweifel der Anleger an der Zahlungsfähigkeit des hoch verschuldeten Minenbetreibers und Rohstoffhändlers spiegelte sich auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) wider. Um ein zehn Millionen Dollar schweres Paket von Glencore-Anleihen über einen Zeitraum von fünf Jahren gegen Zahlungsausfall abzusichern, müssten Investoren jährlich bis zu 941.000 Dollar zahlen, teilte der Datenanbieter Markit mit. Bei einem Ein-Jahres-Vertrag würden sogar 1,147 Millionen Dollar fällig. Dieses „inverse CDS-Kurve“ genannte Phänomen gilt als Zeichen dafür, dass Anbieter der Versicherungen die Wahrscheinlichkeit eines Glencore-Zahlungsausfalls innerhalb der kommenden Monate als höher betrachten. Aus dem diesjährigen Glencore-Halbjahresbericht geht hervor, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent gesunken ist. Das Unternehmen sitzt auf einem 30 Milliarden Dollar hohen Schuldenberg.

Glencore zufolge hat das Unternehmen allerdings Zugriff auf Barreserven und bislang ungenutzte Kredite von 10,5 Milliarden Dollar. Letztere sind Teil einer Kreditlinie im Volumen von 15,25 Milliarden Dollar eines Konsortiums aus 60 Banken.

Unterdessen stiegen die Aktien des Konzerns an der Londoner Börse um bis zu 11,5 Prozent und machten damit einen Teil ihres knapp 30-prozentigen Rekord-Kurssturzes vom Vortag wett. Wegen des anhaltenden Preisverfalls bei Eisen, Kupfer und Co. kosten die Papiere aktuell aber nur noch etwa ein Viertel so viel wie noch vor drei Monaten.

Zweifel an den Erfolgsaussichten des bisherigen Sanierungskurses haben am Montag einen erneuten Ausverkauf beim Schweizer Rohstoff-Händler Glencore ausgelöst. Die Aktien brachen um 28 Prozent auf ein Rekordtief von 70,71 Pence ein. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Monate auf etwa 75 Prozent. Der Londoner Auswahlindex FTSE büßte im gleichen Zeitraum nur rund 13 Prozent ein

Die hohe Verschuldung könnte zu einem existenzbedrohenden Problem werden, wenn sich die Rohstoffpreise nicht erholten und der Konzern nicht umfassend umgebaut werde, warnten die Analysten von Investec in einem Kommentar. Die Kreditausfallsversicherungen (CDS) sind von 170 Basispunkten im März auf 600 Basispunkte aktuell gestiegen.Kreditausfallsversicherungen (CDS) sind von 170 Basispunkten im März auf 600 Basispunkte aktuell gestiegen.

Investec warnt davor, dass bei der hohen Überschuldung von Glencore die Anleger mit einem Totalverlust rechnen müssen. Investec hält fest, dass Glencore faktisch nur noch arbeitet, um seine Schulden zu bedienen, wie die FT schreibt. Damit ist das Unternehmen extrem anfällig auf einen weiteren Preisverfall bei Rohstoffen.

Eines der größten Probleme im Fall eines Glencore-Crashs sind die Derivate. Diese sind im Rohstoffbereich besonders wichtig. Die Derivate würden die Banken massiv treffen. Eine genaue Summe ist nicht bekannt, doch man geht davon aus, dass das Derivate-Risiko bei mindestens 70 Milliarden Dollar liegt.

Im Sog von Glencore rutschten die übrigen Minenwerte ebenfalls ab. BHP Billiton, Rio Tinto, Antofagasta und Anglo American verloren bis zu 5,1 Prozent. Kupfer hat sich seit April um etwa 20 Prozent auf derzeit rund 5000 Dollar je Tonne verbilligt. Der Preis für gleiche Menge Kohle fiel am Montag auf bis zu 49,15 Dollar und erreichte damit den dritten Tag in Folge ein Zwölf-Jahres-Tief.

Seit Monaten zeichnet sich ein Rohstoff-Schock in der Weltwirtschaft ab: Die Preise fallen bei allen wichtigen Rohstoffen faktisch ohne Unterbrechung. Ausgelöst wurde die Rohstoff-Krise durch den Absturz der Ölpreise. Dadurch entstand eine Spirale, die in ihren Folgen viel gravierender sei kann als alle bisherig bekannten Faktoren, die die Märkte destabilisieren.

 

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