EZB unter Druck: Rohstoffpreise drücken Inflation

Die deutsche Inflationsrate wird im September voraussichtlich stagnieren. Vor allem die tiefen Rohstoffpreise sorgen dafür, dass die EZB ihr Inflationsziel von zwei Prozent nicht erreichen kann.

 

Die Preise in Deutschland steigen erstmals seit Monaten nicht mehr. Vor allem wegen des deutlich billigeren Öls stagnierten sie im September, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Damit fällt die Inflationsrate so niedrig aus wie seit Januar nicht mehr, als die Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent sanken – in den Monaten danach hatten sie stets zugelegt.

Während sich Lebensmittel und Dienstleistungen im September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent verteuerten, verbilligte sich Energie im letzten Sommermonat um satte 9,3 Prozent. Was viele Verbraucher freut, dürfte der Europäischen Zentralbank (EZB) zusehends Sorge bereiten. Denn die Teuerungsrate sackt hierzulande und auch in anderen Staaten der Euro-Zone weit unter die Zielmarke der Währungshüter von knapp zwei Prozent ab. In Spanien fallen die Preise sogar kräftig. Die EZB versucht gegenzuhalten und die Konjunktur im Euro-Raum mit Wertpapierkäufen in großem Stil anzuschieben.

Für die am Mittwoch anstehenden Inflationsdaten aus der Euro-Zone erwarten die meisten Experten ein konstantes und manche Fachleute gar ein sinkendes Preisniveau: „Vor diesem Hintergrund dürften die Rufe nach einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms nicht leiser werden “, meint Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba. Viele Experten rechnen damit, dass EZB-Chef Mario Draghi bereits im nächsten halben Jahr nachlegt und die Dosis der monatlichen Geldspritzen von derzeit 60 auf bis zu 80 Milliarden Euro erhöhen wird. Seit dem Start des Programms im März haben die EZB und die nationalen Notenbanken bereits Anleihen im Gesamtumfang von 337,8 Milliarden Euro gekauft.

Mit dem Erwerb der Staatsbonds und weiterer Wertpapiere will die EZB die Wirtschaft ankurbeln und die Kreditvergabe anregen. Zugleich soll die Geldflut verhindern, dass die Euro-Zone in eine Deflation abrutscht – einem konjunkturschädlichen Preisverfall auf breiter Front. Dabei führen sinkende Preise zur Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die auf immer größere Schnäppchen lauern. Dann sinken die Löhne, und Firmen halten sich mit Investitionen zurück: Es kommt eine Abwärtsspirale in Gang, die eine Wirtschaft lähmen kann, wie Japan schmerzvoll feststellen musste. „Insgesamt bleibt der Druck auf die EZB hoch, weiterhin wachsam zu bleiben und bei Bedarf zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen “, meint Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB.

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  1. Dietlef sagt:

    Wenn alles Kaputt ist, man sich dafür Interessiert und ein bisschen Zeit hat:

    https://de.wikipedia.org/wiki/New_Deal