Fusionswelle rollt an Deutschland vorbei

Bei deutschen Unternehmen hat sich auch im Sommer keine große Lust auf Fusionen & Übernahmen (M&A) eingestellt. Das griechische Schuldendrama und die hohen Unternehmensbewertungen bremsten den Expansionshunger der hiesigen Firmen deutlich, während anderswo in der Welt längst wieder die Post abgeht.

Das Volumen der angekündigten M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung liegt deshalb im bisherigen Jahresverlauf nur bei 110,5 Milliarden Dollar – ein Rückgang um 32 Prozent. Das geht aus den kürzlich veröffentlichten Marktdaten von Thomson Reuters hervor.

Zukäufe von deutschen Unternehmen im Ausland, die im Gegensatz zu amerikanischen Firmen häufiger in bar und seltener in Aktien zahlen, brachen sogar um 81 Prozent ein. Weltweit läuft es genau anders herum: Bis Mitte September waren Deals im Volumen von 3,1 Billionen Dollar angekündigt – gut ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

„Europa sieht keine vergleichbare M&A-Welle wie die USA und die wird auch nicht kurzfristig kommen“, zieht Armin von Falkenhayn Bilanz, Deutschland-Chef der Bank of America Merrill Lynch. Er leitet das Investmentbanking im deutschsprachigen Raum und hat festgestellt: „Es gibt ein durchaus aktives Umfeld. Europäische Entscheidungsträger agieren bei Fusionen und Übernahmen im Durchschnitt vorsichtiger als ihre US-Kollegen.“ Auch sein Kollege Dirk Albersmeier von JP Morgan geht in Verteidigungsstellung: „2015 war bisher kein schwaches, sondern ein normales Jahr. 2014 war dagegen ein außergewöhnlich starkes Jahr für deutsche Unternehmen, mit so vielen Transaktionen in Richtung USA wie in den letzten fünf Jahren zusammen.“ Nach den Worten von Jens Maurer von Morgan Stanley sind die Bewertungsniveaus zuletzt wieder etwas gesunken, was möglicherweise neue Einstiegsmöglichkeiten bietet. Das könnte den einen oder anderen Käufer aus der Reserve locken, meint auch Alexander Doll von Barclays. „Viele Unternehmen verfügen schon lange über hohe Barmittel-Reserven und stehen zunehmend unter Druck, diese sinnvoll einzusetzen.“

Überraschend ist, dass bislang so wenig US-Konzerne den starken Dollar nutzen, um in Deutschland zuzukaufen. Denn auch in diese Richtung ist das Transaktionsvolumen rückläufig, wenn auch nur leicht. Dirk Pahlke von Rothschild wundert sich, denn eigentlich gelte: „Deutschland wird von amerikanischen Konzernen als Top-Investment-Standort wahrgenommen.“ Sein Kollege Nicolo Salsano von Credit Suisse berichtet indes, dass sich hinter den Kulissen einiges tut: „Neben den bekannten Transaktionen gibt es eine ganze Reihe, an denen noch gearbeitet wird.“

Größter Deal des Jahres könnte hierzulande die Übernahme des Kasseler Düngemittelherstellers K+S durch den kanadischen Rivalen Potash werden. Doch ob das Geschäft überhaupt zustande kommt, ist völlig offen. Zwischen beiden Unternehmen herrscht im Moment Funkstille, K+S hat die bisherige Offerte über 41 Euro je Aktie mehrfach als zu niedrig abgelehnt. Zumindest innerhalb Deutschlands tut sich einiges, hier ist vor allem der Immobiliensektor aktiv. Erst vor wenigen Tagen kündigte der zweitgrößte börsennotierte Wohnungskonzern Deutsche Wohnen an, den kleineren Konkurrenten LEG Immobilien zu schlucken. Die Übernahme, die über einen Aktientausch abgewickelt werden soll, ist rund acht Milliarden Euro schwer. Die Aktionäre müssen jedoch noch mitziehen.

In den viel beachteten Ranglisten der Investmentbanken, den sogenannten „League Tables“, hat es im bisherigen Jahresverlauf durchaus Bewegung gegeben: Bei Deals mit deutscher Beteiligung verteidigte die Deutsche Bank zwar ihren Spitzenplatz, sie beriet bei insgesamt 15 Transaktionen mit einem Gesamtwert von fast 37 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei folgt dieses Mal aber die Investmentboutique Rothschild, die besonders umtriebig im Mittelstand war. Goldman Sachs belegt Platz drei. Im internationalen Ranking bleibt Goldman vorne, gefolgt von JP Morgan und Morgan Stanley. Hier liegt die Deutsche Bank nur auf dem neunten Platz.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. merkellllll sagt:

    da haben wir es mal wieder. die 11 mio griechen sind schuld an der weltwirtschaftskrise und kriegen.

    ja ja.