Kraftfahrt-Bundesamt zwingt Volkswagen zu Rückruf von Millionen Autos

Im Abgas-Skandal schaltet sich nun das Kraftfahrt-Bundesamt ein. VW muss 2,4 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, hat die Behörde angeordnet. In den USA ermittelt nun auch die Handelsbehörde.

Im Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte zwingt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Volkswagen zum Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen. „Wir ordnen den Rückruf an“, sagte ein Sprecher der Flensburger Behörde am Donnerstag. Die von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur lehne die Zulassungsbehörde ab.

VW hatte dem KBA Anfang Oktober einen Plan dazu vorgelegt, die mit der Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung zu bringen. Damals gab die Behörde an, zu überprüfen, ob die von VW unterbreiteten „Maßnahmen geeignet seien, um einen regel- und zulassungskonformen Zustand der betreffenden Fahrzeuge herzustellen.

In den USA hat sich indes Medienberichten zufolge im Abgas-Skandal ebenfalls eine weitere Behörde eingeschaltet. Die Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) untersuche die Werbekampagnen für die betroffenen Diesel-Autos, meldete am Mittwoch zunächst «Politico» unter Berufung auf eine Sprecherin. Die FTC bestätigte anderen US-Medien, sich den Ermittlungen des US-Justizminsteriums und der Umweltbehörde EPA angeschlossen zu haben.

Die Handelsbehörde war zunächst nicht erreichbar, um Auskunft über die möglichen Konsequenzen für VW zu geben. Die FTC kann Strafen für irreführende Werbeversprechen verhängen. VW hat über Jahre Autos als «Clean-Diesel» beworben, deren Abgaswerte geschönt waren.

Am Mittwoch hatte der designierte Nordamerika-Chef von Volkswagen, Winfried Vahland, kurz vor seinem geplanten Amtsantritt überraschend den Rückzug aus dem Konzern angekündigt. Der bisherige Chef der VW-Tochter Skoda wolle sich nach 25 Jahren bei dem Wolfsburger Autobauer anders orientieren. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die Strategie in den USA. Auch persönliche Motive sollen eine Rolle gespielt haben. Skoda bestätigte den Weggang des Managers. Vahland hatte das USA-Geschäft wieder in die Spur bringen sollen, wo der Skandal um manipulierte Diesel-Emissionswerte im September bekannt geworden war. Deshalb muss der Wolfsburger Konzern mit hohen Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen rechnen.

Vahland war auch als Kandidat für die Nachfolge von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn gehandelt worden, die Wahl war dann aber auf Porsche-Chef Matthias Müller gefallen. Der Aufsichtsrat hatte den 58-Jährigen zum 1. November als Konzernverantwortlichen für die neue Region USA, Mexiko und Kanada ernannt. In dieser Funktion sollte Vahland an den neuen VW-Markenchef Herbert Diess berichten. Davor war spekuliert worden, Vahland könne zum Konzernvorstand für das Amerika-Geschäft berufen werden. Dann hätten die USA in der Konzernspitze ein ähnliches Gewicht erhalten wie das China-Geschäft, für das Jochem Heizmann zuständig ist.

Für den neuen Volkswagen-Chef Müller ist Vahlands Weggang einer herber Schlag. Er muss mitten in den Turbulenzen um den Abgasskandal und weltweiten Ermittlungen gegen den Konzern möglichst rasch einen neuen Chef für die wichtige Region finden. Der Aufsichtsrat hatte erst kürzlich entschieden, dass Michael Horn Chef des US-Geschäfts bleibt. Er hat alle Hände voll zu tun, um den amerikanischen Behörde Rede und Antwort zu stehen, wie es zum dem Betrug um Abgaswerte kam.

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