Innovationen stärken Schweizer Wirtschaft

Das vierte Mal in Folge belegt die Schweiz die Spitze unter den wettbewerbsfähigsten Ländern. Deutschland schafft es nur auf Rang vier. Vor allem mit der Innovationskraft der Unternehmen kann die Schweiz punkten. In der aktuellen Wirtschaftslage des Landes spiegelt sich das allerdings nicht wieder.

In den vergangenen Monaten haben die Masseneinwanderungs-Initiative und die Abkoppelung des Franken vom Euro in der Schweizer Wirtschaft für Unruhe gesorgt. Viele Unternehmen spürten die Folgen des teuren Franken. Aufträge und Exporte der Industrie gingen zurück. Und das Ergebnis der Volksabstimmung kann je nach politischer Reaktion auf europäischer Ebene zu Einschnitten führen bzw. auch einen Fachkräftemangel auslösen. Doch trotzdem gelang es der Schweiz erneut, die Liste der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt anzuführen – das siebte Mal in Folge.

Auf den nachfolgenden Plätzen folgen Singapur, die USA und Deutschland, wie der aktuelle Global-Competitiveness-Index 2015/16 des World Economic Forums zeigt. Die Schweiz ist beispielsweise führend im Bereich der Innovationen. Dies sei auf „erstklassige Forschungseinrichtungen, hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei den Unternehmen sowie die enge Zusammenarbeit zwischen dem privaten Sektor und der akademischen Welt zurückzuführen.

„Aber auch viele andere Faktoren tragen zum exzellenten Ökosystem der Innovationen in der Schweiz bei“, so der Bericht. Dazu zählen „die Geschäftsklugheit und die Fähigkeit des Landes, Talente zu finden und zu halten“. In der Kategorie des Arbeitsmarktes belegte die Schweiz ebenfalls den ersten Rang. Der Arbeitsmarkt sei sehr leistungsfähig du verfüge über einen hohen Grad der Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Das „gesamtwirtschaftliche Umfeld in der Schweiz zählt zu den stabilsten weltweit“.

Nichtsdestotrotz gibt es auch einige „Abwärtsrisiken“. Wie oben bereits erwähnt spielt dabei die zukünftige Einwanderungspolitik der Schweiz eine nicht unerhebliche Rolle. Entscheidend dafür werden auch die Wahlen am Sonntag sein. Umfragen zufolge könnte die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP) als stärkste Kraft aus den Wahlen hervorgehen. Die Schweiz ist ein klassisches Einwanderungsland. Aber mittlerweile liegt der Ausländeranteil bei fast einem Viertel. Gerade unter den jungen Menschen wächst zunehmend die Angst, keine Arbeit mehr zu finden.

Aber auch die negativen Realzinsen und die Entwicklung der Wechselkurse könnten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gefährden. Zwar haben viele Unternehmen versucht, ihre Preise zu senken und Kosten zu sparen, doch der Druck ist enorm. So gingen beispielsweise die Auftragseingänge der Maschinenbauer in den ersten sechs Monaten um 14,7 Prozent zurück. Nachdem im Juli 340 Betriebe Kurzarbeit beantragt haben, waren es im August schon fast 400 Betriebe. Immerhin haben 22 Prozent der Schweizer Firmen im Juli ihre Produktion zurückgefahren. Von der Konjunkturforschungsstelle KOF befragte Experten rechnen mit einem weiteren Rückgang der Exporte um 0,4 Prozent.

Zumal die Wirtschaft des Landes trotz des guten Abschneidens beim Ranking sich derzeit eher abkühlt. In diesem Jahr wird das BIP nur um voraussichtlich 0,2 Prozent wachsen. Zeitweise wurde sogar mit einer Rezession gerechnet. Das wiederum führt dazu, dass die Ausgaben des Bundes und der Kantone derzeit schneller wachsen als die Einnahmen. Bei letzteren liegt die Defizitquote bei Minus 0,2 Prozent, so Germany Trade Invest. „Die konjunkturelle Abkühlung sowie die in mehreren Kantonen vorgesehene Rekapitalisierung öffentlich-rechtlicher Pensionskassen könnte so 2015 zu einer Erhöhung der Staatsquote um mehr als einen Prozentpunkt führen.“

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