Hilferuf: Volkswagen holt Juristin von Daimler

Daimlers Rechtschefin Hohmann-Dennhardt soll aufgrund der Abgas-Affäre nun bei Volkswagen einspringen. Volkswagen bat Daimler extra darum, die Juristin früher aus ihrem Vertrag zu entlassen.

Angesichts des Skandals um die Manipulation von Diesel-Abgasen holt Volkswagen die für Recht und Integrität bei Daimler zuständige Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt in den Konzernvorstand nach Wolfsburg. Sie soll Volkswagen zufolge ab 2016 Vorstand für Integrität und Recht zur Seite stehen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Hans Dieter Pötsch, hat den Aufsichtsratsvorsitzenden der Daimler AG, Bischoff, darum gebeten, den Vorstand für Integrität und Recht der Daimler AG (…) vorzeitig aus dem bis zum 28. Februar 2017 laufenden Vertrag zu entlassen“, teilte VW am Freitag mit.

Damit habe der Aufsichtsratsvorsitzende der Daimler AG in Abstimmung mit dem Präsidium des Aufsichtsrats dem Wunsch im Interesse der Good Governance der deutschen Automobilindustrie entsprochen.

„Wir freuen uns, dass wir Frau Dr. Hohmann-Dennhardt für diese verantwortungsvolle Aufgabe gewinnen konnten und auf ihre herausragende Fachkompetenz und Erfahrung bauen können“, sagte Hans Dieter Pötsch. „Zugleich danken wir der Daimler AG, dass sie Frau Dr. Hohmann-Dennhardt auf unsere Bitte vorzeitig aus ihrem Vertrag entlassen hat.“

Die frühere Verfassungsrichterin war zu Daimler gewechselt, nachdem der Stuttgarter Konzern wegen eines Bestechungsskandals in den USA strenge Auflagen von US-Behörden erfüllen musste.

Volkswagen hat im September wegen der schwachen Nachfrage in Schwellenländern weltweit erneut weniger Autos verkauft als vor einem Jahr. Im vergangenen Monat seien 885.300 Fahrzeuge zu den Kunden gerollt, 1,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist, teilte der Autobauer am Freitag mit. Seit Jahresbeginn schrumpfte der weltweite Absatz ebenfalls um 1,5 Prozent auf 7,43 Millionen Fahrzeuge. Auf dem mit Abstand wichtigsten Markt der Wolfsburger in China sanken die Auslieferungen in den ersten neun Monaten um fünf Prozent. In den USA stiegen sie dagegen um drei Prozent.

Wegen der Schwäche im Reich der Mitte hat Volkswagen seine Verkaufsziele für das laufende Jahr bereits gekappt. Statt eines moderaten Wachstums rechnet der Konzern nur mit Auslieferungen in Vorjahreshöhe von etwas mehr als zehn Millionen Fahrzeugen.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hinterließ noch keine Spuren in den Absatzahlen. Experten rechnen damit ohnehin erst in den kommenden Monaten.

Kommentare

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  1. cui bono ? sagt:

    Ein weiteres Feigenblatt hilft nicht.
    Das einzige was helfen könnte wäre, den Augiasstall rigoros auszumisten.
    Jeder der an dem Beschiss beteiligt war fliegt.

  2. Joe sagt:

    ..warum in Gottes Namen müssen immer wieder hoch dekorierte und diesem Sumpf verwobene Manager in diese Posten. Warum geht man nicht mal einen anderen Weg und vertraut diese heikle Position einer/einem Kollegin/Kollegen aus dem „normalen“ Volk an der bestimmt vom Wissen her genau so mit der Materie vertraut ist und bestimmt eine genau so gute Ausbildung und Erfahrung im täglichen Business hat. Daran krankt doch das ganze System, dass (siehe nun FIFA / DFB Skandal) immer wieder der Bock zum Gärtner gemacht wird. Liebe Manager / Aufsichtsräte und Vorstände, glaubt an Eure Mitarbeiter die tagtäglich „Ihr“ Unternehmen am „Laufen“ halten und die Säulen eines jeden Unternehmens sind und das noch als top integere Mitarbeiter…. Diesen altgedienten Eliten ist doch jegliches Fingerspitzengefühl abhanden gekommen…
    …..

    • Toddi sagt:

      Lieber Joe,
      Ihnen ist doch auch bekannt, das in der hohen Wirtschaft und Politik nur die Verbindungen zählen…man kennt sich halt auf den verschiedenen Ebenen…. da sind Kompetenzen aus den niedrigen Reihen nicht so “ effizient „…sage ich mal so vorsichtig…Verfassungsrichter sind bekanntlich vom Parteibuch abhängig und passend der politischen Klasse , von diesen auch eingesetzt worden, das hat nichts mit Kompetenz zu tun. Die erworbenen Seilschaften werden nun in der Wirtschaft weitergenutzt… Die BRD ist eben ein im wahrsten Sinne des Wortes „ein Unternehmerstaat“ Und das wird nun langsam auch dem einfachen „Untertan “ bewusst…