Software-Erneuerung reicht bei Millionen VW-Motoren nicht aus

Die Rückrufaktionen für VW werden noch teurer als zunächst vermutet. Wie sich zeigt, genügt es bei Millionen Fahrzeugen nicht, einfach nur die Software zu aktualisieren. Hier bedarf es einer Erneuerung der Motortechnik.

Im Volkswagen -Abgasskandal muss der Konzern bei drei Millionen Motoren neben der Software auch die Motortechnik erneuern. Diese Zahl an 1,6-Liter-Motoren sei von dem Rückruf betroffen, sagte ein VW-Sprecher am Mittwoch und bestätigte damit einen Vorabbericht des „Handelsblatt“. VW hatte bereits erklärt, bei größeren und kleineren Motoren genüge ein Software-Update.

Bei den 1,6-Liter-Motoren müsse dagegen auch die Technik angepasst werden. Diese motortechnische Anpassung ist laut Volkswagen nicht vor September 2016 zu erwarten. Der Rückruf soll Anfang 2016 beginnen. Der Sprecher ergänzte, insgesamt seien in Europa acht Millionen Autos mit Euro-5-Motoren von dem Rückruf betroffen.

Auch frühe Versionen vom Nachfolger des VW-Skandalmotors EA189 sind möglicherweise von der Abgas-Affäre betroffen. Derzeit untersuche Volkswagen auch die anfängliche Variante des ab 2012 eingesetzten EA288 mit Euro-5-Norm, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag der Deutsche Presse-Agentur.

Erst am Mittwoch hatte Volkswagen europaweit den Verkauf von Neuwagen mit der Betrugssoftware gestoppt. „Wir haben als Konsequenz aus dem KBA-Beschluss den Verkauf von noch im Lager befindlichen Neufahrzeugen gestoppt“, sagte ein VW-Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Der Konzern habe die Händler in einem Schreiben über den Schritt informiert. Es handele sich um eine begrenzte Zahl an Fahrzeugen. In einzelnen Ländern war der Verkauf von betroffenen Dieselautos bereits eingestellt worden. Es handelt sich um Diesel-Fahrzeuge mit Euro-5-Motor (EA 189), deren Abgaswerte manipuliert sind. Die Wagen würden nachgerüstet und sollten nach der Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verkauft werden, sagte der Sprecher.

Kommentare

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  1. Wunder oh Wunder sagt:

    Offensichtlich ist das Gleiche bei Ford ( EURO 4 ) und den dort verwendeten
    Peugeot 1,6 L Motoren passiert:
    Nach Austausch des Motor-Steuergerätes bei KM 85.000 (permantenter Fehler des alten: „Regenerationszeit zu lang“ ) braucht mein Focus glatt 1,5 Liter Diesel auf 100 KM mehr als vorher. Allerdings ist auch die Leistungsabgabe im oberen Drehzahlbereich ( 3500 – 4500 U/min ) erheblich besser.

    Vermutlich ist das eine herstellerübergreifende Manipulationssoftware.
    Für den VW-Konzern alleine hätte sich der Aufwand für Bosch wohl nicht
    gerechnet.

  2. Peter G. sagt:

    Für mich stellt sich die Frage, ob die Abgasmanipulation einfach nur der „billigere Weg“ zu verkaufsfördernden Abgaswerten war, d.h., dass ein technisch machbarer, aber aufwendigerer Weg vorhanden ist oder ob der Betrug das Eingeständnis technischen Unvermögens ist. Dass alle 1,6 l – Motoren betroffen sind, spricht dafür, dass keine technische Lösung parat liegt.
    Im übrigen wette ich, dass der Steuerzahler auf die eine oder andere Weise (nicht Kurzarbeitergeld) die Kosten von VW mittragen wird.

    • Jan G. sagt:

      Peter, glaube es mir, ich bin ein Motorentechniker mit jahrelanger Erfahrung und kann dazu folgendes sagen: Es ist möglich, einen Motor mit entsprechenden Einspritzdüsen (schon bei Neubau ohne Zusatzkosten) auszustatten, um die Werte zu reduzieren. Jedoch reichen nur andere Einspritzdüsen und eine Software nicht aus, um Euro6-Werte einzuhalten. Dazu muss der Nox in einem SCR-Kat gespeichert werden, um mit einer erhöhten Temperatur immer wieder zu neutralisieren. Das bedeutet aber folglich, es müsste ein SCR-Kat verbaut sein, welcher zusätzliche Komponenten und Kosten verursacht. Aber um eine gewisse Gewinnmarge ausweisen zu können, wurde bewusst darauf verzichtet und diese Mogelsoftware installiert. Also ist es sehr wohl möglich, technisch dieses Problem zu lösen, welches auch auf viele Millionen TDI bald zu kommen wird. VW braucht nur eine Schublade aufmachen und das erste Konzept dieses Motors ins Leben rufen, schon wäre das Problem gelöst, dazu brauchen die Herren nicht bis September 2016 warten…
      Es wird jetzt nur Zeit geschindet, um eine alternative Methode zu erfinden, welches immense Gelder sparen kann, ohne viel in Komponenten reinzustecken. Ich wette auch, dass die 2.0 TDI-Motoren diese Technikänderungen brauchen, um die Grenzwerte einzuhalten, jedoch wird da wieder gemogelt, in dem Mann die Motoren so lange drosselt, bis die Werte wieder im Grenzwert sind, was sich aber in einer Minderleistung/Minderdrehmoment sich bemerkbar machen wird… Die Fahrzeuge werden nicht mehr so spritzig durchziehen, mehr verbrauchen, na ja Hauptsache VW verdient weiterhin Geld, egal ob getrickst wird oder nicht… Schlimm…