Österreichs Industrie kritisiert Zwangsrabatt für Pharmabranche

Um die Krankenkasse zu entlassen, soll die Pharmabranche zu Rabatten genötigt werden. Das könnte die Branche Millionen zusätzlich kosten. Der angeschlagene Standort Österreich würde sich damit selbst gefährden. Die Pharmaindustrie würde sich bei solch einem Gesetz mehrmals überlegen, ob sie in Österreich investiert.

Die Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser will die Pharmaunternehmen zukünftig per Gesetz zur Kasse bitten. Rabatte von bis zu 15 Prozent sollen diese gewähren, um die heimischen Krankenkassen finanziell zu entlasten. Doch die Lobby der Pharmabranche ist stark und die Kritik an dem Vorschlag Oberhausers (SPÖ) wird immer lauter.

Der vom Gesundheitsministerium vorgeschlagene gesetzliche Zwangsrabatt für Pharmaunternehmen in der Höhe von 125 Millionen Euro jährlich ist massiv überzogen, kontraproduktiv für Standort und Beschäftigung und wird von der Industriellenvereinigung daher klar abgelehnt“, sagte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer. Strafsteuern seien schädlich und für Österreich gefährlich.

Derzeit arbeiten 18.000 Menschen in der Österreich in der Pharmabranche. 2013 investierte die Branche 284,8 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung in Österreich. „Die Pharmaunternehmen leisten bereits seit Jahren einen überproportionalen Beitrag zur Sanierung der Krankenkassen“, so Neumayer. Man dürfe die Folgen der Reformschwäche der heimischen Krankenkassen nicht auf andere Branchen übertragen.

Ähnlich deutliche Kritik kommt auch von der Wirtschaftskammer Österreich. „Gesetzlich verordnete Preisrabatte senden ein komplett falsches Signal für unseren Wirtschaftsstandort aus“, sagte WKÖ-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser. „Wir brauchen bei der derzeitigen Wirtschaftslage Entlastungsmaßnahmen und nicht zusätzliche Belastungen für unsere Betriebe.“ Pharmaunternehmen würden es sich künftig dreimal überlegen in Österreich zu investieren, wenn ihnen hier per Gesetz vorgeschrieben wird, welche Rabatte sie zu gewähren haben.

Hintergrund für die neuerliche Diskussion ist auch der auslaufende Rahmen-Pharmavertrag über Rabatte in der Arzneimittelbranche. Die zahlreichen Übernahmedeals und immensen Gewinne, die manche Pharmaunternehmen mit einzelnen hochpreisigen Medikamenten verdienen, haben bei den Krankenkassen dazu geführt, dass diese mehr Nachlasse wollen. Pharmig-General Jan Oliver Huber dreht die Argumentation der Krankenkassen jedoch um. Die Forderungen des Hauptverbandes der Sozialversicherungen hätten nichts mit der Entwicklung auf dem Arzneimittelmarkt zu tun. Vielmehr sinken die Erträge bei Apotheken und dem Großhandel und in der Industrie haben nur einige wenige Unternehmen mit hochpreisigen Produkten gut verdient, so Huber.

Für dieses Jahr rechnet der Hauptverband der Sozialversicherungsträger schätzt das diesjährige Defizit der Krankenkassen auf 129 ,3 Millionen Euro. Doch nicht nur die Medikamentenpreise tragen zu dem Defizit bei. Eine Studie des Instituts für Pharmaökonomische Forschung zeigt sogar, dass der Arzneimittelverbrauch in Österreich im erstattungsfähigen Markt im Vergleich der EU mit Minus 3,3 Prozent leicht unterdurchschnittlich ist.

Außerdem seien die Ausgaben für Medikamente zwischen 2010 und 2014 „um insgesamt sechs Prozent gewachsen; in der gleichen Zeit ist die Inflation um neun Prozent gewachsen“, sagt Pharmig-Generalsekretär Huber. Einsparungen könnten die Krankenkassen daher eher bei den Krankenhäusern ansetzen. Der OECD zufolge läuft in Österreich gesundheitlich extrem viel über die Krankenhäuser.  Während in Schweden 2,59 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner kommen, sind es in Österreich 7,65 Betten.

Kommentare

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  1. Andy sagt:

    Ach die arme Pharmabranche! Diese Konzerne liefern 14, 18, 20% und mehr EBIT ab. Und dann heißt es, die Forschung kann nicht bezahlt werden, wenn man einen Rabtt fordert?
    Für wie blöd halten die die Menschen eigentlich? Die Ergebnisse, die die Konzerne in Hochglanzprospekten abdrucken sind ja NACH Forschungsausgaben!
    Nichts gegen einen angemessenen Gewinn, der für das Risiko und den Aufwand übrigbleiben muss. Eine Verzinsung auf das Eigenkapital in gleicher Höhe ist ja auch nicht übel. Der ein oder andere Prozentpunkt weniger muss aber wohl auch genug sein.
    Sonderbarerweise geht keiner dieser Konzerne gegen den irrwitzigen Bürokratismus in der EU vor, den geringen Grad der Selbstmedikation (wie er in Deutschland und Östereich absurderweise besteht) – in anderen Ländern müssen viel weniger Präparate verschrieben werden, sind viel mehr freiverkäuflich! Einerseits werden die Anforderungen an Medikamente, deren Herstellung, Vertrieb bis zur Werbung immer komplizierter und teurer, andererseits sind sie dann offenbar noch immer so unsicher, daß man sie nicht einfach in der Apotheke kaufen kann?
    Das alles passt vorne und hinten nicht zusammen!
    Jeder würde verstehen, wenn die Konzernbosse hier Druck auf die EU und die Regierungen machten. Machen Sie aber nicht.
    Man leckt lieber Speichel bei der Politik – die die Regularien braucht, um möglichst viele ihrer Günstlinge in unproduktiven Kontrollpositionen unterzubringen und schröpft statt dessen den Verbraucher. Nun: Dieser hat aber in einer Demokratie Sitz und Stimme. Und er macht die Gesetze.
    Und nach diesen wird dann eben der Gewinn ein wenig gekürzt. Schließlich kann jemand, der krank ist, seine Ware nicht frei wählen. Und wo kein freier Markt besteht, ist Bewirtschaftung eben Pflicht.