Staatshilfe benötigt: Österreichs Mittelstand schlägt Alarm

Statt Milliarden in die Banken zu stecken und Kleine und Mittlere Unternehmen bei der Kreditvergabe zu vernachlässigen, müsste die Regierung neue Fördermittel freimachen, kritisiert der Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender. Mit Großbritannien und Griechenland seien die kleinen Unternehmen in Österreich Schlusslicht, wenn es um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation gehe.

Während in vielen europäischen Ländern das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hat, war Österreichs Wachstum eher unter dem EU-Durchschnitt. Entsprechend pessimistisch blickt der Mittelstand die Zukunft. Vor allem Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und kleine und mittlere Unternehmen hätten Probleme, warnt der Ring freiheitlicher Wirtschafstreibender. „In fast allen Euro-Ländern schaffen es EPU und KMU, vom wirtschaftlichen Aufschwung zu profitieren, nur in Österreich schläft die Bundesregierung nach wie vor“, sagte Erich Schoklitsch. Die Situation sei „kritisch“.

Die Ursache sehen die Wirtschaftstreibenden  in der neuen Steuerreform, der Bürokratie und der Einführung der generellen Registrierkassenpflicht. Vor allem kleinere Betriebe könnten sich die hohen Kosten, welche die Kassenumrüstung, die notwendige Anschaffung eines Warenwirtschaftsprogramms, der große Administrationsaufwand und die damit verbundenen, kostenpflichtigen Wartungsarbeiten mit sich bringen, unmöglich leisten. „Viele Kollegen aus den verschiedensten Branchen klagen bereits, dass sie ihre Betriebe aufgeben müssen“, so Schoklitsch.

„In den letzten fünf Jahren stiegen die gesamten Steuereinnahmen um satte 15 Milliarden Euro und weitere 10 Milliarden Euro werden bis 2019 prognostiziert“, sagt der Vizepräsident der Wirtschaftskammer, Matthias Krenn. Das entspreche einem jährlichen Belastungsanstieg von knapp drei Milliarden Euro.  „So kann und darf es nicht weitergehen.“

Mitte Oktober war das europäische KMU-Barometer auf 75 Punkte leicht nach oben geklettert. Damit lag es über der 70-Punkte-Marke, die als neutrales Geschäftsklima bewertet wird. Gleichzeitig sehen wir aber, dass die Investitionen weiterhin auf geringem Niveau stagnieren und die Situation insgesamt noch zu schwach ist, um die Arbeitsmarktsituation signifikant zu ändern“, erklärte WKÖ-Vizepräsidentin Ulrike Rabmer-Koller. Auch sie sieht einen erheblichen Bedarf an mehr Investition von Seiten des Staates und der EU.

In den vergangenen zwei Jahren hatten die mittelständischen Unternehmen in Sachen Bonität trotz der widrigen wirtschaftlichen Umstände Verbesserungen erzielen können. Ausschlaggebend hierfür war aber vor allem die Niedrigzinspolitik der EZB. Gleichzeitig gerät derzeit jedes zehnte österreichische Unternehmen aufgrund verspäteter Zahlungen in Existenznot. Am längsten Zeit für Rechnungsbegleichungen lässt sich jedoch auch in Österreich weiterhin die öffentliche Hand. Hier ist die Dauer bis zur Begleichung im Vergleich zum Vorjahr sogar noch auf 38 Tage gestiegen. Unternehmen warten damit bei der öffentlichen Hand mehr als doppelt so lang auf ihr Geld als bei Privatkunden.

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