Schweizer Möbelbranche in der Krise

Große internationale Konzerne setzen der österreichischen Möbelbranche immer stärker zu. Der Preisdruck, die Frankenstärke und der wachsende Marktanteil von Online-Händlern kommen hinzu. Zuletzt musste auch Möbel Hubacher unliebsame Konsequenzen aus dieser Entwicklung ziehen. Auch die Industrie drum herum spürt das.

Der Schweizer Markt für Möbel wird immer enger. In dieser Woche wurde bekanntgegeben, dass die Pfister Arco Holding Möbel Hubacher übernimmt. Mit einer Verkaufsfläche von 30.000 Quadratmetern und 200 Mitarbeitern ist Möbel Hubacher kein kleines Möbelgeschäft. Doch der Druck hat sich in den vergangenen Monaten erheblich erhöht. Vergangenes Jahr beendete das Möbelhaus Weibel in Andingen AG nahe der deutschen Grenze sein Geschäft.

Während große Billiganbieter wie Ikea, Conforma und Lipo den Markt in der Schweiz immer mehr unter sich aufteilen, können eigenständige Möbelhäuser kaum mehr mithalten. Sie haben nicht dieselben riesigen Produktionsstätten und –abläufe, um ihre Kosten so weit zu senken, so dass sie mit den günstigen Preisen der anderen mithalten können. Die Pfister-Gruppe erreicht im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 603 Millionen Franken. Conforma, Lipo und Fly schafften 580 Millionen Franken. Ganz zu schweigen von Ikea, das dem Tagesanzeiger zufolge 2014 ein Viertel der Schweizer Gesamtausgaben für Wohnungseinrichtungen auf sich abziehen konnte. Die zehn größten Möbelhäuser in der Schweiz haben  dem Verband Schweizer Möbelhandel und –industrie schon heute einen Marktanteil von 75 Prozent.

Außerdem aber hat den Schweizer Möbelhäusern auch die Abkoppelung des Franken vom Euro sehr viele Schwierigkeiten bereitet. Das starke Ausweichen der Kunden hin zum Einkaufstourismus ins Ausland und zu Online-Angeboten hat die Umsätze erheblich geschmälert. Eine Studie des Forschungszentrums für Handelsmanagement an der Universität St. Gallen zeigt, dass selbst Konsumenten aus der Innerschweiz (Kantone Zug, Luzern, Schwyz und Bern) teilweise außerhalb der Schweiz einkaufen gehen. Mit durchschnittlich 628 Franken gäben die Schweizer Konsumenten für Einrichtungsgegenstände aus dem Ausland vergleichsweise viel aus, heißt es in der Studie.

Die deutsche Küchenmöbelindustrie beispielsweise konnte im ersten halben Jahr ihre Exporte in die Schweiz um 14,7 Prozent steigern, so der Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK). Mit Abkoppelung vom Euro verbilligten sich die Möbel der ausländischen Konkurrenz um etwa 20 Prozent, derzeit liegt der Unterschied um 10 Prozent herum.

Doch nicht nur die Schweizer Möbelhändler sind in Bedrängnis gekommen. Im August meldete der Schweizer Möbelhersteller Karl Schuler Konkurs an. Nach 100 Jahren Betrieb verloren nun 48 Angestellte ihre Anstellung. Die Thut Möbel AG und die Tossa Möbelwerkstatt haben Mitte Oktober angekündigt, ihre Produktion zusammenzulegen. Zwei Jahre zuvor gab es bereits eine Zusammenarbeit im Bereich Marketing und Sales. Der Zentralvorstand des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten hat ebenfalls reagiert. Die Weiterführung des WoodAward 2016 wurde eingestampft. „Die derzeitige Situation in der Schreinerbranche erfordert die Bündelung unserer Verbandskräfte auf das Leitthema Aus- und Weiterbildung. Die diesbezüglichen Projektaktivitäten geniessen im Jahr 2016 und darüber hinaus zu-sammen mit dem üblichen, mitgliedorientierten Service, oberste Priorität.“

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