Bergregion Schweiz: Mehr Unterstützung für Industrie notwendig

Neben dem Tourismus ist vor allem die Industrie in den Bergregionen der Schweiz ein wichtiger Arbeitgeber. Allerdings bedarf es aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen neue Ansätze und Förderungen, um die Industrie auch zu halten.

Spricht man von den schönen Schweizer Bergen, denken viele sofort an Wanderer und Skifahrer. Tourismus ist nahezu gleichbedeutend mit der Bergregion der Schweiz. Doch tatsächlich ist gerade in diesen Regionen eigentlich die Industrie ein wichtiges Standbein für die Wirtschaft. Nichtsdestotrotz wurde in den vergangenen Jahren eher auf den Tourismus gesetzt als auf die Industrie. Das könnte aber dem Think Tank Avenir Suisse zufolge gefährlich werden.

Wie eine Studie der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) mit dem Titel „Zukunft der Industrie im Schweizer Berggebiet“ zeigt, lag der Anteil des produzierenden Gewerbes in den Bergregionen mit 42 Prozent deutlich höher, als im Rest der Schweiz (39 %). Dazu gehören neben der Industrie als verarbeitendes Gewerbe auch das Handwerk und die Baubranche: „Wenn die Ansiedlung oder die Stützung bereits bestehender Spitzenindustrie im Berggebiet nicht gelingt, besteht eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Regionen“, so die Studie.

Ähnlich sieht es auch Daniel Müller-Jentsch von Avenir Suisse. „Zur Sicherung des langfristigen Wohlstands bedarf es daher einer wirtschaftlichen Diversifizierung“, betont der Think Tank Avenir Suisse. In diesem Zusammenhang spiele die Industrie eine wichtige Rolle, denn das Berggebiet ist stärker industrialisiert als gemeinhin angenommen.

So befindet sich beispielsweise im Berner Oberland die Meyer Burger AG, ein weltweit agierendes Technologieunternehmen. Allein in Thun hat das Unternehmen 500 Mitarbeiter. Im Tessin wiederum finden sich drei der weltweit größten Goldraffinerien. Um angesichts wirtschaftlicher Turbulenzen und steigender Löhne die Industrie in den Bergregionen der Schweiz halten zu können, müsste mehr für die Rahmenbedingungen getan werden.

Ein attraktives Steuerklima und leistungsfähige Bildungssysteme sind nur ein paar der Möglichkeiten. So verfügt beispielsweise der Kanton Glarus über keine Hochschule. Im Kanton Jura finden sich lediglich zwei Hochschulen. „Das Berggebiet sollte zudem an seinen Standortnachteilen arbeiten, wie einer schlechten Verkehrsanbindung, einer geringeren Dichte an Forschungsinstitutionen oder der mangelnden Attraktivität für international mobile Fachkräfte.“ Denn der Anteil Hochqualifizierter ist im Berggebiet geringer als in der übrigen Schweiz.

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