Gesunkene Ölpreise beflügeln deutsche Exporte

Der Außenhandelsverband rechnet mit einem Exportplus von bis zu sechs Prozent. Das ist deutlich mehr als zunächst angenommen. Ohne den gesunkenen Ölpreis hätte das Ergebnis aber auch anders aussehen können.

Die deutsche Wirtschaft bleibt beim Export auf Rekordkurs. Für 2015 erwartet der Außenhandelsverband BGA einen Anstieg der Ausfuhren um bis zu sechs Prozent auf einen Höchststand von 1091 Milliarden Euro. Im Frühjahr hatten die Exportunternehmen noch mit einem schwächeren Plus von 4,5 Prozent gerechnet. Die Einfuhren dürften um vier Prozent auf dann 947 Milliarden Euro anziehen. Trotz vieler Stolpersteine übertreffe der Außenhandel sämtliche Erwartungen, meinte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner, am Dienstag in Berlin.

Grund zum Abheben gebe es aber nicht: „Wir dürfen uns von den schönen Zahlen nicht täuschen lassen“, warnte Börner. Billiges Öl und die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) seien die Treiber. Im ersten Halbjahr waren die deutschen Exporte um 6,9 Prozent auf 595 Milliarden Euro gewachsen. Wichtigste Absatzmärkte bleiben die EU und der Rest Europas. Starke Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen gibt es in Spanien, Portugal, Italien oder Frankreich.

Besorgt sind die Exporteure, das Europa politisch auseinanderdriftet. Neben ungelösten Fragen der Staatsschuldenkrise wirke die Flüchtlingskrise „wie ein Brandbeschleuniger“, warnte Börner.

Die Lage in Russland sei wegen der Ukraine-Krise desaströs. „Russland hat viel Porzellan zerschlagen.“ Es werde Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis Moskau den Vertrauensbruch werde heilen können.

Im VW-Abgasskandal sieht Börner keinen langfristigen Imageschaden für «Made in Germany». Die deutsche Wirtschaft bestehe nicht nur aus einem großen Autokonzern, sondern aus vielen erfolgreichen Mittelständlern.

 

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